Ostfriesland - Wochenlang wechselten sich bestenfalls Sonne und Regen stündlich ab – wenn das Wasser nicht durchgängig vom Himmel kam. Das Ergebnis ist auf den Wiesen und Äckern sichtbar: Viele Pfützen schimmern auf der Oberfläche, bilden teilweise ganze Seen. Landwirte sehen die Nässe mit Sorgen, denn sie können ihre Äcker nicht bestellen – und mussten die Kühe früher reinholen. Das hat alles Folgen für das kommende Jahr.
„Im Moment kann man nichts machen“, sagt Rudolf Bleeke, Geschäftsführer beim Kreisbauernverband Leer. Die völlig durchnässten Flächen sind – egal ob mit Grasdecke oder nackter Erde – seit längerer und in absehbarer Zeit nicht befahrbar. Aber eigentlich sind die Oktober- und frühen Novemberwochen die Zeit der Aussaat für die Wintergerste und den Winterweizen des kommenden Jahres. Viele seiner Kollegen hätten noch gar nicht gesät, erklärt Bleeker. Die Äcker liegen brach, und die Sorge wächst, ob das in diesem Jahr überhaupt noch klappt. „Bei sandigen Böden können wir vielleicht bis Jahresende noch sähen. Beim Kleiboden habe ich so meine Zweifel.“
Planung durcheinander
Anders ist das an den Küsten, etwa in der Krummhörn, wo es vor allem Kleiböden gibt. Deren wasserspeichernde Wirkung hat manchmal Vorteile – aber nicht aktuell. „Der Regen vermiest vielen Landwirten die Laune“, erklärt auch Maren Ziegler als Geschäftsführerin im Kreisverband Norden-Emden des Landwirtschaftlichen Hauptverbandes Ostfriesland. Auch dort seien etliche Ackerflächen noch nicht bestellt worden. „Das bringt die Anbauplanung gehörig durcheinander. Aber auch das bereits gesäte Getreide hat unter dem Wetter gelitten. Wir müssen abwarten, wie sich das weiterentwickelt.“ Und hoffen, dass nicht auch das Frühjahr so nass wird, wie es schon war.
Nicht zu befahren: ein völlig durchnässter Acker bei Norden. Bild: Fenna de Beer
Denn extremes Wetter kennzeichnete bereits das ganze Jahr, sagt Fenna de Beer, die gemeinsam mit ihrem Vater einen Ackerbaubetrieb in Neuwesteel, Stadt Norden, betreibt. Das Frühjahr war lange nass, sodass die Frühjahrsbestellung erschwert war. Darauf folgte eine Trockenperiode. Kurz vor der Ernte haben Stürme und Nässe die Qualität und Quantität von Getreide deutlich gesenkt. „Nun haben wir seit Anfang Oktober mit extremer Nässe zu tun. Wir liegen aktuell bereits weit über der durchschnittlichen gesamten Jahresmenge für diese Region.“ Der viele Regen in kurzer Zeit führte laut de Beer dazu, dass einige Betriebe, wie auch sie selbst, die Herbstbestellung nicht beenden konnten.
Auch ein Teil der Ernten konnten nicht abgeschlossen werden. „Unser Mais steht noch auf dem Feld, weil die Flächen für die Ernte bislang nicht befahrbar sind.“ Von Berufskollegen weiß de Beer, dass sogar Kartoffeln oder Zuckerrüben teilweise noch im Boden sind.
Frühzeitig in den Stall
Sollten die Äcker nicht bestellt werden können oder wird die bereits getätigte Aussaat einfach weggeschwemmt, müssen die Landwirte es im Frühjahr mit Sommergetreide noch einmal versuchen. Diese Sorten wachsen schneller, bringen aber weniger Ertrag. Bei manchem Landwirt könnte die Veränderung sogar mit Förderverträgen kollidieren, die bestimmte Fruchtfolgen exakt vorsehen.
Probleme haben auch Grünlandbauern, deren Wiesen seit Wochen nass sind. Viele Landwirte konnten den letzten Schnitt nicht einfahren, und dadurch wird das Gras unkontrolliert immer länger. Auch die Kühe, die es fressen könnten, sind längst im Stall – frühzeitig. „Denen hat das alte Gras auch nicht mehr geschmeckt“, erklärt der Leeraner Geschäftsführer. Dazu der Dauerregen: „Die Kühe wollten rein.“ Mancherorts hätten die Tiere vor den Ställen lautstark Einlass verlangt. Langes Gras, das auf der winterlichen Wiese verrottet, tut dem Bewuchs aber nicht gut. Das schlägt sich im Ertrag des kommenden Jahres nieder. Den Landwirten bleibt die Hoffnung auf sonst eher wenig geliebte Besucher: „Vielleicht fressen die Gänse ja das Gras ab.“
