Landkreis Leer - Frühjahrsdeichschau im Bereich Leda und Hauptfehnkanal – das bedeutete am Mittwochvormittag viel Arbeit für Vertreter des Leda-Jümme-Verbands und Behörden auf Landes-, Kreis- und Gemeindeebene. Es galt, Grasnarben, Zuwegungen und Wasserläufe zu inspizieren und die Deichsicherheit in den Blick zu nehmen. Das Ergebnis vorweg: Alles ist gut, von den üblichen Instandsetzungsarbeiten, die nach jeder Hochwassersaison auf die Verantwortlichen zukommen, Disteln oder Brennnesseln, die sich ausbreiten, und Beschädigungen an Wegen und Treppen einmal abgesehen.
Nicht zum Nulltarif
Doch die Deichschau offenbarte eines wieder ganz deutlich: Zum Nulltarif ist ein sicheres Leben nicht zu haben. Mehrere Hunderttausend Euro müssen pro Jahr in die Instandhaltung und Herrichtung, so etwa die Deichfußsicherung investiert werden. Hinzu kommen etliche weitere Investitionen in Technik oder Deicherhöhungen.
Das Leda-Jümme-Gebiet ist ein flaches, breites Seitental der unteren Emsniederung. Um dort den Hochwasserschutz zu gewährleisten, wurden rund 260 Kilometer Schutzdeiche aufgebaut und mehrere Speicherräume, so genannte Polder, angelegt. In Summe können sie mehr als 20 Millionen Kubikmeter Wasser speichern. Nicht alle Bereiche konnten Mittwoch begutachtet werden, die Schau wird kommende Woche fortgesetzt. Doch ein besonderer Polder rückte in den Blick: der Holter Hammrich. Auf 230 Hektar Fläche schafft er bei einer maximalen Stauhöhe von etwa zwei Metern über dem Meeresspiegel eine Speicherung von rund vier Millionen Kubikmeter Wasser. Eingefasst ist er natürlich mit Deichen, die Flutung erfolgt über eine Art Wasserschleuse. Die nicht bewirtschafteten Flächen haben sich zu einem außergewöhnlichen Biotop für die Tier- und Pflanzenwelt entwickelt, das auch bei Touristen sehr beliebt ist.
Der Polder Holte-Hammrich hat sich zu einem besonderen Biotop für die Tier- und Pflanzenwelt entwickelt. Foto: Anuschka Kramer
Zukunft des Polders Leer
Ähnlich könnte die Zukunft des Polders Leer aussehen, der im Zuge des Masterplans Ems 2050 in einen Polder mit besonderen Lebensräumen für die Natur gewandelt werden soll, genauer gesagt sollen dort ästuartypische Lebensräume geschaffen werden. Sprich: Eine Natur unter dem Einfluss der Tide. „Die Verhandlungen laufen noch“, verwies Oberdeichrichter Theodor Martens bei der Begehung im Gespräch mit unserer Redaktion auf die Gespräche mit dem Land. Noch müssten einige Fragen geklärt werden, der grundsätzliche Zustimmungsbeschluss stehe jedoch. Zum Hintergrund: Land und Verband verhandeln seit längerem über die Umwandlung des Polders, die konkrete Ausarbeitung läuft seit Frühjahr 2021. Der Polder soll zwar eine Art Biotop werden, künftig aber dennoch als Hochwasserpolder bestehen bleiben. Gleichzeitig hat das Land zugesagt, rund 6,5 Millionen Euro in eine vierte Pumpe im Ledaschöpfwerk zu investieren und auch so den Hochwasserschutz weiter zu verbessern. Die Umgestaltung des Polders soll bis zum Winter 2025/2026 geschafft sein, so lautet zumindest der Plan des Landes.
