Leer - Solidarität mit Israel zeigten am Montagabend mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Kundgebung in Leer – unter ihnen auch der Leeraner Ehrenbürger Albrecht Weinberg, der als Jude deutsche Arbeits- und Konzentrationslager überlebt habt. Seine Worte waren vielleicht die bewegendsten bei der Veranstaltung, als der 98-Jährige in einer kurzen Ansprache sagte: „Wer hätte gedacht, dass ich einen zweiten Holocaust erlebe.“ Ehe er ein jüdisches Gebet anstimmte.
„Starkes Symbol gegen Gewalt“
Mehr als 200 Menschen beteiligten sich an der Kundgebung für Israel. Bild: Axel Pries
Als „ein starkes Zeichen gegen Gewalt und für Verständigung und Frieden“ hatte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit mit Unterstützung der Stadt Leer auf den Liesel-Aussen-Platz eingeladen – jenen Platz vor dem Leeraner Zollhaus, der an das von Nazis ermordete jüdische Mädchen Liesel Aussen erinnert. Dort wurde in mehreren Ansprachen nicht nur das Recht Israels auf Selbstverteidigung hervorgehoben, sondern auch die Verbundenheit der Leeraner Bevölkerung mit den Opfern in der israelischen Bevölkerung betont – und zugleich, dass die palästinensische Bevölkerung nicht mit der Hamas-Terrormiliz gleichzusetzen sei.
„Wir müssen hier und heute unser historischen Verantwortung nachkommen“: Wolfgang Kellner plädierte für starke Solidarität mit Israel. Bild: Axel Pries
So erklärte Wolfgang Kellner als Vorsitzender der Gesellschaft in seiner Begrüßung, dass die Angriffe der Hamas-Terroristen auf friedliche Zivilisten ein Kriegsverbrechen und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien. Deutschland sei jetzt auch in der Pflicht, sagte er: „Wir müssen hier und heute unser historischen Verantwortung nachkommen. Diesmal auf der richtigen Seite.“ Als er die Veranstaltung plante, habe er von Bürgermeister Claus-Peter Horst sofort die Zusage für Unterstützung bekommen, und die Kundgebung sei ein „starkes Zeichen aus Leer für die Solidarität mit Israel“, sagte Kellner unter dem Beifall der Besucherinnen und Besucher.
„Wer hätte gedacht, dass ich einen zweiten Holocaust erlebe“: Ehrenbürger Albrecht Weinberg bei seiner kurzen Ansprache. Bild: Axel Pries
„Bevölkerung in Geiselhaft“
Als Stellvertreter für den verhinderten Bürgermeister schlug Bruno Schachner einen Bogen von früher in Leer lebenden jüdischen Familien zu deren heute in Israel beheimateten Nachkommen und schuf damit eine direkte Verbindung der Stadt zu den Terror-Opfern in Israel. Schachner, der auch Vorstandsmitglied in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit ist, betonte ebenfalls das Recht Israels auf Selbstverteidigung und klagte die Terrormiliz an, mit den Überfällen mehr Opfer zu wollen als die Toten und die Geiseln der ersten Tage. „Die Hamas nimmt die ganze Bevölkerung im Gaza-Streifen in Geiselhaft“, erklärte er. Die Terrormiliz wolle Israel zu Angriffen provozieren, um Bilder mit palästinensischen Opfern zu produzieren.“
„Schreckliche Gewalt und Unrecht“ beklagten auch die Pastoren Ingo Brookmann sowie Ralph Knöfler bei der vom Sax-Ensemble Arundo musikalisch begleiteten Kundgebung. „Es gibt keinen heiligen Krieg“, meinte Ingo Brookmann und bekam Beifall für die Feststellung: „Bei der Hamas sind menschenverachtende Terroristen am Werk.“
