Leer - Der Abstieg ist unausweichlich, der Kader fällt auseinander: Der VfL Germania Leer sorgt aktuell vor allem für negative Schlagzeilen. Die letzte verursachte der Verein am Sonntag. Nach der 0:1-Niederlage gegen Oythe bat der Vorstand den Trainer der Landesliga-Fußballer zum Gespräch und entließ ihn. Auslöser war offenbar öffentliche Kritik von Zuidema, die die Vereinsführung zuletzt auch als Angriff auf sich selbst wertete. Gegen diese Vorwürfe wehrte sich Ferhat Özdemir, zweiter Vorsitzender des Vereins, nun im Gespräch mit dieser Zeitung - und wies sie scharf zurück.

Aber der Reihe nach: Nach unseren Informationen sollen bereits zwölf Spieler der 1. Herren ihren Abschied im Sommer bekanntgegeben haben - mindestens. Zusagen soll es noch keine geben. Vor diesem Hintergrund hatte Zuidema sich im Frühjahr zu Wort gemeldet und Missstände im Verein kritisiert. Diese Kritik präzisierte er jetzt im Gespräch mit dieser Zeitung: Die Platzbedingungen seien zum Teil katastrophal, die Ausstattung zeitweise nicht ideal gewesen, das Team hinter dem Team sei nicht richtig besetzt, es fehle also an Betreuern oder zum Beispiel einem Stadionsprecher. Zuidema: „Es wird von Saison zu Saison schwieriger, dass gewisse Sachen klappen, die eigentlich zum Standardprogramm gehören“, so der erfahrene Fußball-Trainer.

Der Vorstand, der sich demnächst noch umfassender äußern möchte, sieht die Fehler bei der sportlichen Planung beim Trainer. „Er hat im November die Aufgabe bekommen, eine Mannschaft zusammenzustellen“, so Özdemir zu dem Vorwurf, dass der Verein zu spät begonnen habe, Spieler für die kommende Saison anzusprechen. Der Vorstand sei davon ausgegangen, dass dies auch erfolge. „Wir kommen ins Spiel, wenn es um das Budget geht“, so der zweite Vorsitzende. Demnach war der Vorstand überrascht, als er nach der Zuidema-Kritik (wir berichteten) im März plötzlich als Verantwortlicher für die sportliche Planung der Landesliga-Fußballer dastand.

Das Fass zum Überlaufen brachte offenbar eine weitere Äußerung Zuidemas. „Ich habe eigentlich nur gesagt, dass wir leidenschaftliche Leute in den Vorstand bekommen müssen“, so der Trainer, der dies aber nicht als Angriff auf den aktuellen Vorstand verstanden wissen will, sondern eher als Aufruf zur Verstärkung.

Bei Özdemir sowie dem ersten Vorsitzenden Michael Zimmermann kam dieser Kommentar des nun geschassten Trainers aber offenbar gar nicht gut an, wurde vielmehr als Frontalangriff gewertet. „Wir haben den Verein vor sieben Jahren übernommen. Damals hatte er 1,3 Millionen Euro Schulden. Jetzt ist der Verein entschuldet“, sagte Ferhat Özdemir. Wenn das kein leidenschaftlicher Einsatz gewesen sei, wisse er auch nicht weiter. Tatsächlich hatte der Vorstand in den letzten Jahren unermüdlich an der Rettung des Vereins gearbeitet und unzählige Gespräche geführt, etwa um Gläubiger dazu zu bringen, auf ihre Forderungen zu verzichten. Mit Erfolg.

Durch die hohe Schuldenlast sei der Verein natürlich finanziell auch eingeschränkt gewesen. „Aber innerhalb unserer Möglichkeiten haben wir gemacht, was ging. Wir können aber nicht alles für Fußball ausgeben“, machte Özdemir deutlich. Germania Leer habe auch noch andere Sparten - Judo, Leichtathletik, Karate, Boxen und Handball. Und in diesen Sparten sei man froh, dass es nicht mehr nur um Fußball geht im Verein.

Damit wiederum deutet Özdemir eine Konfliktlinie an, die es in vielen Vereinen gibt: Der Fußball bindet viel Aufmerksamkeit und häufig auch finanzielle Mittel. Andere Sparten fühlen sich vernachlässigt. Das habe sich aber bei der Germania geändert, ist Özdemir überzeugt.

Lars Möller
Lars Möller Emder Zeitung