Borkum - Wie geht es weiter mit der Nordseeklinik, nachdem die Deutsche Rentenversicherung Rheinland das Aus für Ende März verkündet hat? Die Frage beschäftigt jetzt nicht nur die Politik auf der Insel – aber der Rat will bei der Nachnutzung ein Wort mitsprechen, erklärte Bürgermeister Jürgen Akkermann auf Nachfrage. Noch im Laufe dieses Monats könnte sich in der Frage etwas tun.
Denn bis Ende Januar, so hätten die Betreiber der Klinik in ihren Gesprächen mit ihm erklärt, wolle man einen zumindest vorübergehenden Nachnutzer finden. „Die Rentenversicherung will sagen, wie es weitergeht.“ Man wolle erklären, wer Nachmieter werden könnte. Wer das sein könnte, sagt der Rathauschef nicht, lässt aber durchblicken, dass es offenbar eine Initiativbewerbung eines Investors gebe.
Rentenversicherung macht keine Angaben
Auch die Rentenversicherung selbst hält sich in der Frage bedeckt. Ein Pressesprecher erklärt auf Nachfrage, dass man um Lösungen für die Mitarbeiterschaft bemüht sei. „Da wir aber in keiner Weise Gerüchte in die eine oder andere Richtung befeuern möchten und werden, bitten wir um Verständnis, dass wir uns zu weiteren Fragen der Nach- und Zwischennutzung in Absprache mit dem Stadtrat der Gemeinde Borkum erst äußern werden, wenn wir eine zufriedenstellende und finale Lösung haben beziehungsweise, wenn wir wesentliche Meilensteine erreichen.“
Für die Borkumer Seite heißt das, dass der Stadtrat im Februar über den Stand der Dinge informiert werden soll, erklärt der Bürgermeister. Er hatte im vergangenen Jahr darauf gedrungen, dass es keine weiteren Überraschungen wie jüngst die Verkündigung des Betriebsendes Ende März geben soll und man sich daher häufiger austauschen wolle.
Beim weiteren Betrieb wolle der Stadtrat dann unbedingt mitreden, sagt Akkermann. Die Mittel dazu seien durch die Bauleitplanung vorhanden. So sieht der B-Plan vor, dass in dem Gebäude an der Borkumer Promenade im Erdgeschoss Geschäfte untergebracht werden könnten, darüber sei ein Beherbergungsbetrieb oder ein Betrieb mit gesundheitlichen Themen möglich.
Das Gebäude ist sanierungsbedürftig
Was immer aus Gebäude wird: Die Rentenversicherung verlässt es, weil es sanierungsbedürftig ist. Der Vorstandsvorsitzende Rolf Zimmermanns hat in der Vertreterversammlung Mitte Dezember genau erklärt, warum die Rentenversicherung Rheinland die Klinik entgegen aller Kritik unbedingt schließen will.
Die überalterte Bausubstanz der 1989 erbauten Nordseeklinik Borkum weise nach gutachterlichen Feststellungen verschiedene Baumängel funktionaler, technischer, sicherheitsrelevanter und baulicher Art auf, „die kurzfristig einen sehr hohen Gesamtsanierungsbedarf erfordern.“ Daher sei eine Firma beauftragt worden, eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung unter Berücksichtigung der folgenden drei Varianten durchzuführen: Sanierung, Abriss und Neubau der Nordseeklinik oder Rückzug des Trägers DRV Rheinland vom Standort Borkum.
Klinik müsste fünf Jahre schließen
In jedem Fall sei davon auszugehen, dass der Betrieb der Nordseeklinik für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren eingestellt werden müsste. Dies würde zu Erlösausfällen von bis zu 50 Millionen Euro beziehungsweise 65 Millionen Euro bei einer Sanierung oder einem Neubau führen. Darüber hinaus entstünden Kosten in Höhe von 92 Millionen Euro für eine Sanierung oder 130 Millionen Euro für einen Klinikneubau. Insgesamt ergäben sich somit Gesamtkosten für die Varianten Sanierung und Neubau in Höhe von 142 oder 195 Millionen Euro. Die Gutachter hätten der DRV Rheinland daher ausdrücklich empfohlen, sich vom Standort Borkum zurückzuziehen.
Die Frage ist nun, ob ein künftiger Investor zu einem ähnlichen Ergebnis bei der Prüfung der Bausubstanz kommt – oder wegen einer anderen Nutzung auf eine Sanierung verzichten kann.
