Leer - Oben ohne ins Schwimmbad? In den Göttinger Frei- und Hallenbädern ist das seit diesem Jahr auch für Frauen möglich. An den Wochenenden dürfen sie das Bikini-Oberteil weglassen – Hosen müssen aber getragen werden. Ziel der Aktion ist, dass alle Geschlechter gleichberechtigt ihre Oberkörper ohne Kleidung zeigen dürfen. Die Testphase in Göttingen läuft zunächst bis Ende August.
Was in Göttingen neuerdings erlaubt ist, bleibt in den beiden großen Schwimmbädern im Landkreis Leer verboten. Das einzige Freibad im Kreisgebiet ist in Weener. Zum Göttinger „Oben-ohne-Vorstoß“ gibt es von Bürgermeister Heiko Abbas eine klare Auskunft: „Die Badeordnung sieht das bei uns nicht vor, und aktuell ist das hier auch kein Thema.“
Diskussion über „blanke Brüste“
Im Leeraner Hallenbad „Plytje“ sind die „blanken Brüste“ hingegen durchaus ein Thema. „Schon im letzten Jahr wurde über die Möglichkeiten in politischer Runde im Aufsichtsrat gesprochen“, sagt Bad-Geschäftsführer Markus Tippelt. In seinem Bad müssen Frauen jedoch weiterhin Bikini-Oberteile tragen. Der Geschäftsführer sagt auch, warum: „Grundsätzlich bin ich für weitreichende Ideen immer offen. Problematisch bei dieser Sache ist aber, dass ein Schwimmbad als intimer Bereich gewertet wird. Badegäste müssen besonders vor sexueller Gewalt oder Belästigung geschützt werden.“
Plytje-Geschäftsführer sieht auch Gefahren
Durch ein „Oben-ohne-Baden“ sieht Tippelt die Gefahr, dass gezielt Foto- und Videoaufnahmen von den Gästen gemacht werden könnten. „Dies widerspricht zwar der Badeordnung, jedoch ist ein Foto schneller im Netz, als das die jeweilige Person geahndet werden kann.“ Trotzdem werden auch die Leeraner die Entwicklung in Göttingen genau beobachten. „Nach der Saison werden wir bestimmt ein Resümee erhalten, wie die allgemeine Resonanz war.“
Bis auf Weiteres behalte die aktuelle Haus- und Badeordnung im „Plytje“ Gültigkeit. Demnach dürfe der Nassbereich nur mit üblicher Badebekleidung betreten werden. Markus Tippelt betont, dass das „Plytje“ eine vorurteilsfreie, tolerante und benachteiligungsfreie Unternehmenskultur anstrebe. Deshalb lege man großen Wert darauf, Menschen mit Behinderung ebenso wenig auszugrenzen, wie Frauen, die aus religiösen Gründen einen Burkini tragen wollen.
