Ostfriesland - Die Nachfrage nach Bargeld steigt – zumindest bei den Kunden der Volksbank Ostfriesland. Und das Netz dieser Geldautomaten, so betonten Vorstandsvorsitzender Holger Franz und Vorstandsmitglied Georg Alder beim jährlichen Bilanz-Pressegespräch im Leeraner Haupthaus am Donnerstag deutlich, bleibt erhalten, wie es ist.
Wie ist die Situation der Ostfriesischen Volksbank ?
Nach Vorstandsangaben sehr gut. Der Kreditbestand, Kerngeschäft von Banken, ist auf 2,2 Milliarden Euro (ein Plus von 6,6 Prozent) gestiegen und es wurden 2022 Kredite in Höhe von insgesamt einer Milliarde Euro neu zugesagt (plus 26,4 Prozent).
Wer nahm diese Kredite auf ?
Etwa Ostfriesen, die Häuser bauen oder bestehende Immobilien kaufen wollten. Hier erhöhte sich das Kreditvolumen auf 612 Millionen Euro (plus 4,5 Prozent). Wobei die Haupteinnahmen im ersten Halbjahr generiert wurden. Das zweite war geprägt von Inflation, steigenden Baukosten und Zinsen und die Nachfrage ließ etwas nach. Für 2023 verspricht sich die Volksbank aber ein gutes Geschäft, vor allem im Bereich Modernisierungen und energetische Sanierungen, etwa durch die Aufrüstung mit Photovoltaikanlagen.
Wie lief es bei den Firmenkunden ?
Das Kreditvolumen im Firmenkundenbereich stieg um 16,6 Prozent auf 878 Millionen Euro. „Die regionale Wirtschaft hat die Pandemie erfolgreich überstanden“, erklärte Holger Franz. Er zeigte sich optimistisch, dass trotz einiger möglicher Insolvenzen die Betriebe in der Region auch die aktuelle Krise meistern werden.
Wie seht es mit im Bereich Seeschifffahrt aus ?
Ja, 0die Seeschifffahrt macht einen großen Teil der Kunden aus. Hier sank der Kreditbestand allerdings um knapp 9,4 Prozent. Klingt erst einmal negativ, ist es aber nicht: Die Reedereien erwirtschafteten 2022 sehr hohe Einnahmen und nutzten diese für Sondertilgungen. Gleichzeitig wurden neue Schiffe bestellt, die erst in der Zukunft finanziert und geliefert werden. Ist es soweit, ist die Volksbank als Partner wieder am Start.
Wie steht es um die Aktivitäten im Bereich Binnenschifffahrt ?
Ja, in diesem Sektor gab es eine sehr gute Ertragslage, die zu mehr Investitionen geführt hat und damit zu guten Geschäften für die Bank. „Nach zwei ruhigen Jahren haben wir 2022 wieder einen Aufschwung erlebt“, erläuterte Holger Franz. Das Kreditvolumen stieg deshalb um 11,6 Prozent.
In den nächsten Jahren werde der Wandel zur grünen Schifffahrt die Branche beschäftigen. „Wir rechnen damit, dass die Flotte in naher Zukunft noch moderner und umweltfreundlicher wird.“
Wie schaut es auf den Konten der Ostfriesen so aus? ?
Knapp bei Kasse sind die meisten nicht, die Kunden der Volksbank halten überwiegend ihr Geld beisammen, um liquide zu bleiben. Das gilt für Privatkunden, aber auch für Firmen, etwa Reedereien, die ihr Geld in Millionenhöhe zwischenparken, um dann beispielsweise in neue Schiffe zu investieren.
Von wie viel Geld sprechen wir hier ?
Die Einlagen bei der Volksbank Ostfriesland betrugen zum Jahresende mehr als 2,5 Milliarden Euro. Mit ein Grund waren rund 500 neue Kunden.
Die Bilanzsumme der Volksbank Ostfriesland ist deutlich gewachsen und beträgt jetzt 3,4 Milliarden Euro, das macht ein Plus von 15,8 Prozent.
Das hohe Kredit- und Einlagenwachstum spiegelt sich in der Ertragslage der Ostfriesischen Volksbank wider: Mit über 40 Millionen Euro wird das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit deutlich oberhalb des Branchendurchschnitts liegen, hieß es. Wie der Gewinn verwendet wird, entscheidet die Vertreterversammlung im zweiten Quartal 2023. Geplant ist, eine überdurchschnittliche Dividende zu zahlen.
Trotz des Wachstums ist die Anzahl der Mitarbeitenden mit 324 in etwa konstant. 25 befinden sich gerade in der Ausbildung.
Ende 2022 zählte die Genossenschaftsbank 27.959 Mitgliedschaften (+ 1,5 Prozent).
Was machen eigentlich die Privatkunden mit ihrem Geld – in Aktien investieren ?
Auch, aber nicht nur. „Das klassische Sparen hat im zweiten Halbjahr eine Renaissance erlebt“, erklärte Georg Alder. Schließlich würde es wieder Sparzinsen geben. Und Termingeld-Angebote sind gefragt. Sie sind mit dem früheren klassischen Sparbuch vergleichbar.
Wie steht’s um die Filialen, wird die Anzahl reduziert ?
Nein. Die Emder Niederlassung wurde 2022 weiter modernisiert und erweitert. 2023 kommen Haren und Drochtersen an die Reihe. Im Standort Papenburg werden zehn zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.
Wie sieht die Prognose für 2023 aus ?
„2023 ist wie ein Neubeginn: Das erste Jahr nach der Niedrigzinsphase, die uns mehr als ein Jahrzehnt begleitet hat“, so Georg Alder. Die politische und weltwirtschaftliche Entwicklung beeinflusse alle Lebensbereiche. Trotzdem sind die Vorstände zuversichtlich und erwarten eine solide Entwicklung. „Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass wir sehr gut aufgestellt und auf neue Herausforderungen vorbereitet sind“, betonte Holger Franz.
