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Paddel&Pedal im Landkreis Leer Ostfriesland vom Kanal aus zu erleben, liegt im Trend und ist eine feste Größe geworden

Gut gelaunt an seinem Arbeitsplatz am Ufer der Leda: Jens Riemann mit seinem Hund Tepe.

Gut gelaunt an seinem Arbeitsplatz am Ufer der Leda: Jens Riemann mit seinem Hund Tepe.

Axel Pries

Landkreis Leer - Jens Riemann kann wohl behaupten, einen der schönsten Arbeitsplätze in der Region zu haben. Der liegt hinter der Leeraner Evenburg direkt an der Leda und eröffnet den Blick über weite Wiesen. Der 56-Jährige betreibt dort eine von 18 Paddel&Pedal-Stationen, mit denen die Touristik GmbH Südliches Ostfriesland Urlaubsgäste zur Erkundung der Region von den Kanälen aus einlädt.

Als sanftes Naturerlebnis im Trend

Dieses nicht einmal 30 Jahre alte touristische Angebot hat sich längst zu einer festen Größe im ostfriesischen Tourismus abseits der Küsten entwickelt – mit Potenzial zum Ausbau. „Es ist ein sanftes Naturerlebnis. Damit liegen wir im Trend“, erklärt Kurt Radtke als Geschäftsführer der Touristik GmbH den Aufschwung, den Paddel&Pedal – also die Möglichkeit, Ostfriesland mit Fahrrad und Kanu zu erleben – in den vergangenen Jahrzehnten genommen hat.

Hoffen auf weiteren Aufschwung für das Angebotg Paddel&Pedal: Kurt Radtke, Arno Ewen und und Insa Wutschke von der Touristik GmbH Südliches Ostfriesland. Bild: Axel Pries

Hoffen auf weiteren Aufschwung für das Angebotg Paddel&Pedal: Kurt Radtke, Arno Ewen und und Insa Wutschke von der Touristik GmbH Südliches Ostfriesland. Bild: Axel Pries

Daran ändert auch der Knick in der Statistik des Besucherstroms nichts, den das Netz aus Stationen zwischen Papenburg und Hage inzwischen erlebte, bedingt durch Corona und eine Umorganisation. Die Zahl der Buchungen von Boot oder Fahrrad zeigt den spürbaren Stellenwert: 2018 waren es 4868 Verträge für 22.807 Personen, die auf die Kanäle wollten. 2020 startete die Saison nach dem ersten Lockdown später im Jahr, aber da wirkte prompt der Zug zum Urlaub im eigenen Land: 4961 Verträge wurden geschlossen, 17.467 Menschen stiegen in die Kanus. 2022 waren es deutlich weniger: 2480 Verträge. In diesem Jahr hoffen die Touristiker, dass die Zahlen trotz des kühlen Wetters im Mai wieder steigen und Corona zurückbleibt.

Hoffnung auf eine Steigerung der Besucherzahl

Benötigt werden für den Aufbau einer Station vor allem ein Steg und ein Schuppen, um Kanus, Kajaks, Fahrräder und Ausrüstung unterzubringen. Diese Infrastruktur wird in der Regel von der Kommune eingerichtet. Der Betrieb erfolgt dann in einem Franchise-System: Ein privater Betreiber nutzt die Anlage für die Vermietung. „Man muss eine gewisse Investition tätigen“, erklärt Kurt Radtke im Gespräch. Der Standard sei vorgegeben, um die Qualität zu sichern – vor allem in einer Hinsicht. „Der Sicherheitsaspekt ist für uns ganz wichtig.“

Optimistisch nach vorne schaut Jens Riemann mit seinen drei Paddel&-Pedal-Stationen in Loga, Stickhausen und Strücklingen. Es ist seine dritte Saison und die Betreuung der Gäste ist im Sommerhalbjahr seine Hauptbeschäftigung – die dem leutseligen Mann gefällt. Wer bei ihm anruft und einen Ausflug buchen will, der bekommt erst einmal einen Vortrag über die Tide zu hören. „Die Tide muss man im Blick haben und einrechnen“, erklärt er. Wenn die Flut kommt, drückt sie Wasser über die Ems in die Leda und sorgt für einen starken Strom aufwärts. „Da paddelt keiner gegen an.“ Anders herum ist es, wenn die Ebbe einsetzt. Wer also von Loga aus nach Stickhausen paddeln will, muss das mit der Flut tun und ankommen, ehe die Ebbe kommt. Das ist eine seiner beliebtesten Touren: 14 Kilometer mit dem Kajak nach Stickhausen und mit dem Fahrrad wieder zurück. Das wird auch gerne für Vereins- oder Firmenausflüge gebucht.

Menschliche Geschichten im Kanu

Alle Mieter, die ins Boot steigen wollen, bekommen einen weiteren Vortrag. „Ich erkläre erst die Physik von so einem Kanu und dann, wie man das Paddel am besten einsetzt.“ Eine Schwimmweste zu tragen ist Pflicht, eine wasserdichte Tonne soll im Fall der Fälle Wertsachen schützen. Manche menschliche Geschichte würzt den Alltag des Vermieters, denn das gemeinsame Bootfahren ist für Paare wohl auch eine Herausforderung. Er erinnert sich an ein junges Paar, das frisch verliebt in das Kanu stieg – und sichtlich ernüchtert am Zielort ankam. „Aber das gab es auch andersherum.“

Eigentlich ist die MS Dollard fertig, doch die Werft muss auf ein Teil für das defekte Getriebe warten.

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Maike Hoffmeier
Oldersum
Axel Pries
Axel Pries Ostfriesland-Redaktion/Leer
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