Oldersum - 53 Meter lang und 12,6 Meter breit ist sie, die MS „Baltrum V“, jüngstes Kind der Baltrum-Linie und frisch getauftes Transportschiff, das es auf neun Knoten bringt. Als einziges Frachtschiff, das für die Wattfahrt mit sehr geringen Tiefgang – 1,2 bis 1,7 Meter – konzipiert wurde, kann es entlang der gesamten deutschen Nord- und Ostseeküste
eingesetzt werden. Um im Nationalpark Wattenmeer möglichst umweltfreundlich und ressourcenschonend unterwegs sein zu können, haben die Schiffsdesigner ein besonders nachhaltiges Konzept umgesetzt, das die strengen Vorgaben für das Umweltzeichen des blauen Engels erfüllt.
Kapitän Sören Lehmann wird gemeinsam mit Kapitän Ralf Hanneken (nicht auf dem Bild) die „Baltrum V“ steuern.
Kooperationsprojekt
Gebaut wurde die „Baltrum V“ in Oldersum – auf der Schiffswert Diedrich. Im Kreise einer Gästeschar aus Mitarbeitern, Mitstreitern, Gästen aus Politik und Wirtschaft zogen die Verantwortlichen deshalb auch dort am Donnerstag Bilanz. Allen voran Jens Schädler, Geschäftsführer der Werft, der unter anderem auf die gute Kooperation mit den Partnern verwies. So stammt der Schiffsrumpf von der Fosen Yard Emden und wurde in Oldersum montiert.
Das Netto-Investitionsvolumen der „Baltrum V“ hat 8,5 Millionen Euro betragen.
Fertigstellung im Zeitplan
Projektstart der „Baltrum V“ war 2014, Baubeginn dann 2020. In Rekordzeit konnte das Frachtschiff, das eine Traglast von bis zu 340 Tonnen meistert, trotz aller Widrigkeiten in der Pandemie im festgelegten Zeitraum fertiggestellt werden. „Das Wort Lieferengpass existiert auf der Schiffswerft Diedrich nicht“, stellte Christina Ulrichs, Geschäftsführerin der Reederei Baltrum-Linie, dann auch zufrieden fest und dankte allen Beteiligten für ihr Engagement. „Es ist für die Baltrum-Linie wichtig, dass dieses Schiff in der Schiffswerft Diedrich gebaut wurde“, so die Geschäftsführerin. Der letzte Auftrag davor habe 40 Jahre zurückgelegen, damals für die „Baltrum IV“.
Arbeitsplätze sichern
„Uns ist die regionale Werft und der regionale Werftstandort, die Name der Flotte und die eigene Tradition, die wir pflegen dürfen, sehr wichtig“, betonte Christina Ulrichs. „Mit dem Schiffsneubau konnten wir eine Werft in unserer Heimatregion unterstützen.“ So würden Arbeitsplätze vor Ort gesichert, was dem Werftstandort Ostfriesland zugutekomme. Unterm Strich, so verriet sie dann noch, steht das neue Frachtschiff für ein Netto-Investitionsvolumen von 8,5 Millionen Euro. Öffentliche Fördermittel flossen dabei nicht.
„Uns ist die regionale Werft und der regionale Werftstandort, die Name der Flotte und die eigene Tradition, die wir pflegen dürfen, sehr wichtig“, erklärte Christina Ulrichs, Geschäftsführerin der Reederei Baltrum-Linie.
Klares Bekenntnis für die Region
Staatssekretär Dr. Berend Lindner vom niedersächsischen Wirtschaftsministerium zeigte sich begeistert, dass eine niedersächsische Reederei mit zwei Werften, die in Niedersachsen ihren Sitz haben, kooperiert hat. „Diese Investition ist ein klares Bekenntnis für die Region“, so Lindner. Der Schiffbau sei in den vergangenen Jahren in ein schwieriges Fahrwasser geraten: Schifffahrtskrise, Konkurrenz aus Asien und nicht zuletzt die Pandemie hätten die Branche in Mitleidenschaft gezogen. Umso froher sei er, dass das Projekt hier gelungen sei.
