Weener - Sie soll ein Ort der Ruhe sein, ein Ort des Erinnerns, aber auch ein Ort für gute Bücher: Die neue Stadtbibliothek in Weener.
Ihr Bau wird mit 1 029 000 Euro durch die N-Bank gefördert. Allerdings kann die Stadt die Gesamtkosten, dadurch, dass im Moment vieles teurer wird, noch nicht vorhersagen. Auch steht noch nicht fest, wann die Arbeiten an der Westerstraße beginnen. Aber klar ist, dass die Bücherei genau dort errichtet wird, wo einst die ehemalige jüdische Synagoge stand. An dieser Stelle legte ein Team von studentischen Archäologen der Uni Göttingen zuletzt die Fundamentreste der früheren Einrichtung frei.
Ort der Begegnung
Das alte Gemäuer der Synagoge wird konserviert, damit es unterhalb der neuen Bibliothek erhalten bleibt. Die bedeutendsten Fundstücke der Archäologen werden, wenn es soweit ist, in einem Schaukasten ausgestellt – in dem neuen Gebäude. Die Stadtbibliothek wird nämlich auch zu einer Begegnungsstätte und schafft Erinnerungen an das frühere jüdische Leben in Weener.
Laut der Stadt geht es somit nicht nur um die Vergrößerung der Bücherei, sondern um die Schaffung von Räumlichkeiten für eine Dauerausstellung zum jüdischen Leben im Ort. „Hierzu soll die ehemalige jüdische Schule, vor deren Giebelfassade alljährlich die Gedenkveranstaltungen stattfinden, genutzt werden“, erklärt Stadtsprecherin Kerstin Beier in Rücksprache mit der Nordwest-Zeitung.
Jüdische Gemeinde
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Weener reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Doch waren es bis ins 19. Jahrhundert hinein nie sehr viele Menschen, die dem Judentum angehören. Im Jahr 1749 war die Rede von fünf Familien. Es dauerte über 100 Jahre, bis die Zahl auf rund 140 Einwohner anstieg. Zu dieser Zeit, im Jahr 1861, lebten in Weener 3347 Bürger. Die jüdischen Mitbürger waren in den meisten Fällen Landwirte. Sie verkauften Vieh und Fleischprodukte. Vereinzeln gab es auch Bäcker und Uhrmacher unter ihnen.
Die Anzahl jüdischer Familien im Ort Weener wurde im Jahr 1828 so groß, dass sie ein Grundstück an der Westerstraße kaufen konnten. Auf diesem Stückchen Land bauten sie ihre Synagoge. In den darauffolgenden Jahrzehnten folgte auf dem Grundstück noch der Bau einer Lehrerwohnung und eines Schulzimmers, das in den 1850er-Jahren zum Schulhaus umgebaut wurde, um dort Kindern die jüdische Kultur beizubringen.
Zerstörung der Synagoge
Ihr 100-jähriges Bestehen durfte die Synagoge noch erleben. Zehn Jahre später brannte das Gebäude in der Reichspogromnacht nieder. In den Morgenstunden am 10. November 1938 gab ein Leeraner SA-Standartenführer den Befehl, das Gebäude in Brand zu stecken. Ein SA-Sturmbannführer aus Weener stattete seine Männer mit Benzin aus und schickte sie los, der Anordnung Folge zu leisten.
Anwohner wurden am Versuch, das Gebäude zu löschen, gehindert. Die örtliche Feuerwehr überwachte den Brand und schütze die umliegenden Häuser. Am Nachmittag waren von dem Gotteshaus nur noch die verkohlten Außenwände übrig, die nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen wurden. Sämtliche Spuren wurden einfach beseitigt.
Nazi-Herrschaft
Die Anzahl jüdischer Einwohner in Weener lag im Jahr 1933 bei 131. Noch in diesem Jahr gab es erste Verhaftungen durch die Nationalsozialisten. Im Zuge der November-Pogrom 1938 wurde nicht nur die Synagoge verbrannt, sondern auch sämtliche jüdische Einwohner verhaftet.
Ihre Wohnungen durften geplündert werden und alle jüdischen Männer kamen schließlich nach Sachsenhausen in ein Konzentrationslager. Mitte 1939 blieben nur noch 42 Juden übrig, von denen die meisten ein Jahr später evakuiert werden konnten. Im April 1940 gab es in Weener keine Juden mehr.
