Leer - Hand aufs Herz: Haben Sie in letzter Zeit für die Tafel gespendet? Nein? Wie wäre es denn dann mit heute? Die Tafel in Leer samt Nebenstelle in Hesel benötigt dringend finanzielle Unterstützung. Dabei gilt die Devise: Jeder Euro zählt und die Verantwortlichen, allen voran vom Evangelischen Diakonieverband in Ostfriesland, der die Tafel unterhält, freuen sich über jede Gabe. Das Geld darf natürlich persönlich überreicht werden, eine Überweisung tut’s aber auch – oder ein Briefumschlag, der problemlos in den Briefkasten an der Friesenstraße gesteckt werden kann.
„Kein Kunde soll leer ausgehen“, sagt Andreas Poppen (links). Er leitet die Tafel in Leer. Gemeinsam mit Pastor Andreas Bartels erläuterte er, wie es um die Einrichtung an der Friesenstraße geht – und welche Sorgen die Verantwortlichen umtreibt. Foto: Anuschka Kramer
Treue Einzelspender
„Bisher ist es uns gelungen, die Tafel 13 Jahre lang nur mit Spenden am Leben zu halten“, erläutert Pastor Andreas Bartels im Gespräch mit unserer Redaktion – und verweist auch auf die treuen Einzelspender, so etwa die Serviceclubs Rotary und Lions. „Ohne sie würde es schlechter aussehen.“
Steigende Kosten
Doch werden die Spenden in Zukunft reichen? Genau diese Frage treibt Pastor Bartels um. Zum einen sind da die steigenden Entsorgungskosten für all jene Lebensmittel, die vor der Ausgabe aussortiert werden müssen, weil sie nicht mehr verwertbar sind. Zum anderen die Spritpreise: Rund 1000 Kilometer legt das Fahrzeug der Tafel pro Woche zurück, um die Lebensmittel bei den Großspendern abzuholen – und die Tankrechnungen fallen immer höher aus.
Dann sind da noch die steigenden Kosten für Strom und Gas – und schlussendlich die Miete. Das Gebäude wurde verkauft. Was das für die Tafel bedeutet, ist noch unklar, doch der Geistliche befürchtet, dass eine Mieterhöhung ansteht.
Die Tafel in Leer gehört zum Verbund der Tafeln in Deutschland, einer gemeinnützigen Hilfsorganisation, die Lebensmittel, die nicht mehr verkauft und ansonsten vernichtet werden würden, an Bedürftige verteilt oder gegen einen geringen Obolus abgibt. Deutschlandweit gibt es mehr als 960 Tafeln, die pro Jahr somit nicht nur mehr als 1,6 Millionen von Familien, Singles oder Rentner unterstützt, sondern auch in Summe mehr als 260.000 Tonnen Lebensmittel vor der Vernichtung rettet. Die Arbeit läuft ehrenamtlich, die Tafeln finanzieren sich über Spenden sowie Zuwendungen durch ihre Träger. Staatliche Zuschüsse gibt es nicht.
Die Leeraner Tafel sucht dringend Fahrer, die mit dem Transporter Ware von Lebensmittelmärkten abholen. Wer Interesse an dem Ehrenamt hat, kann sich direkt bei der Tafel an der Friesenstraße melden, unter 0491/ 9879312 anrufen oder sich auch vorab auf der Website diakonie-in-ostfriesland.de/leeraner-tafel informieren.
Lobby fehlt
„In Summe stellen all diese Kostensteigerungen die Tafelarbeit in Leer vor gigantische Herausforderungen, da sich die gesamte Tafelarbeit ausschließlich über Spenden finanziert“, betont Bartels. Und auch wenn für die Tafel immer lobende Worte gefunden würden, gern öffentlich das Engagement gepriesen werde – „uns fehlt eine Lobby in der Mittelschicht und der gehobenen Mittelschicht“, bedauert der Pastor.
Vorerst macht die Tafel jedoch weiter. Das Ziel: „Kein Kunde soll leer ausgehen“, sagt Andreas Poppen, der die Tafel leitet. Und so hat er genau im Blick, wie sich die Kundenströme entwickeln – und sieht, dass die Nachfrage steigt. Im April hatte unsere Zeitung zuletzt mit ihm gesprochen, schon damals zeichnete sich ab, dass die Kundenströme zunehmen. An der Situation hat sich nichts geändert: Es kommen immer mehr Menschen, die in dem kleinen Laden an der Friesenstraße einkaufen möchten, darunter auch viele Flüchtlinge aus der Ukraine.
Die Tafel an der Friesenstraße in Leer bekommt immer mehr Zulauf. Foto: Anuschka Kramer
Lebensmittelspenden
Gleichzeitig sind die Lebensmittelspenden weniger geworden, die Supermärkte würden aktuell etwas anders kalkulieren, führt Andreas Poppen aus. Doch es sei noch immer genug, damit alle Kunden versorgt werden könnten – wenn auch nicht mehr wöchentlich.
Anfang April wurde auf einen 14-Tage-Rhythmus umgestellt, so dass niemand leer ausgehen müsste. Abgewiesen werden musste noch niemand und soll auch nicht, zur Not würde die Ausgabe wie in 2015 schon einmal auf eine monatliche Ausgabe gestreckt werden. Und: Die Kosten für die Kunden wurden erhöht, sie liegen jetzt bei zwei Euro pro Person. Das war schon länger geplant, aber durch Corona verschoben worden.
Aktuell sind 6597 Personen, davon 2104 Kinder aus 3191 Bedarfsgemeinschaften als Kunden registriert. Die meisten kommen aus der Stadt Leer (1660), gefolgt von der Samtgemeinde Moormerland (832), der Samtgemeinde Hesel (289), Jümme (59) und Bunde (52).
