Leer - Dass das Ubbo-Emmius-Gymnasium (UEG) in Leer saniert werden muss, ist lange bekannt, und ein erster Schritt wurde auch in die Wege geleitet. Aber das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, machte bei der jüngsten Schulausschusssitzung des Kreistags die Leiterin Ute Wieligmann deutlich, als sie nicht nur die Dringlichkeit der Sanierung erklärte, sondern auch vorausschaute. Es wurde deutlich in der Sitzung: Um dieses Gymnasium in die Moderne zu befördern, muss ein zweistelliger Millionenbetrag investiert werden. Vielleicht ist auch ein Abriss fällig.
Das „Flagschiff“ vor dem Verfall retten
Dabei wird der Kreis ja bereits aktiv, um sein „Flagschiff“, so die Ausschussvorsitzende Gitta Connemann (CDU), unter den Schulen vor dem Verfall zu bewahren. Im kommenden Jahr wird die Außenhülle des historischen Hauptgebäudes saniert. Für eine denkmalgerechte Sanierung von Dach und Dachstuhl, Mauerwerk, Fenster, Türen und den Sandsteinelementen sollen insgesamt rund 2,5 Millionen Euro aufgewendet werden. Hinzu kommt die Sanierung des Kunstraumes inklusive der Nebenräume im historischen Teil. Kleinere Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen in den Standorten laufen parallel. Insgesamt rechne man aktuell mit drei Millionen im kommenden Jahr. Eine sechsstellige Summe verschlingt alleine das riesige Gerüst, unter dem der Altbau 2024 verschwinden wird.
Doch das reicht bei weitem nicht, verdeutlichte Ute Wieligmann. Der Altbau von 1909 sei „lange stark vernachlässigt worden“, erklärte sie. Und auch der „Neu-Altbau“ aus den fünfziger Jahren bräuchte längst eine Sanierung. Was die 1300 Schülerinnen und Schüler und das Kollegium am meisten stört, sind undichte Fenster, ein unangenehmer Geruch im ganzen Gemäuer und Feuchtigkeit in Keller. Das sei aber auch nur eine Seite der Medaille, verdeutlichte sie. Denn: „Die Sanierung an sich bringt die Schule nicht voran.“
Dem Ubbo-Emmius-Gymnasium fehlen Räume
Heißt: Die Anforderungen an eine moderne Schule hätten sich verändert, und auch darin müsse investiert werden. So sei das Gymnasium eine offene Ganztagsschule, doch fehle es dafür an Räumlichkeiten. Die Schülerinnen und Schüler würden zum Teil in der Mensa lernen. 45 Arbeitsgemeinschaften zusätzlich zum Regelunterricht bräuchten außerdem Platz. Auch eine wachsende Zahl von Förderschulkindern brauche ihren Raum. Die oftmals benötigte, persönliche Betreuung finde im Konferenzraum statt. „Wir haben wenig Flexibilität“, stellte die Schulleiterin fest. Eine Folge für die jetzt anlaufende Sanierung und den Betrieb: „Wir haben kein Konzept. Die Schule braucht ein Konzept.“
Und zwar ein umfassendes, sagte Landrat Matthias Groote (SPD) in einer Stellungnahme. Beim Ubbo-Emmius-Gymnasium gehe es auch mit Blick auf das geplante Campus-Gelände um grundsätzliche Fragen – beginnend mit der entscheidenden: Kernsanierung oder Neubau? Auch der energetische Gesichtspunkt gebiete eine grundlegende Sanierung, denn 87 Prozent des gesamten Energieaufwandes des Landkreises verbrauchen die Schulgebäude. Sein Schluss: „Manchmal ist ein Neubau günstiger als eine Sanierung.“
Arbeitskreise sollen ein Konzept erarbeiten
Klar ist für alle Planungen zum UEG: Um einen Fahrplan für die Sanierung der neueren Gebäude am Hauptstandort aufstellen zu können, bedarf es der Festlegung pädagogischer Konzepte. Sprich: Wie soll eine Gebäude- und Raumstruktur in Zukunft aussehen? Das soll in Arbeitskreisen zusammen mit der Kreispolitik erörtert werden. Landrat Groote versprach in dem Zusammenhang: „Das UEG ist beim Landkreis auf Platz eins!“ Einen Zeitplan vermochte er aber auch nicht zu nennen.
In jener Sitzung zeigten die Ausschussmitglieder sich in ihren Wortbeiträgen einig: Das Projekt Sanierung des UEG muss nun tatsächlich forciert werden. Die Vorsitzende Gitta Connemann stellte schon in ihrem Eingangsstatement fest: „Das Schulgebäude ist gruselig. Wertschätzung sieht anders aus.“
