Ostfriesland - Der Krieg in der Ukraine und die Wirtschaftssanktionen gegen Russland sorgen nicht nur auf dem Energiesektor für Sorgen, sondern auch in der Landwirtschaft. Die Ukraine gilt als einer der wichtigsten Exporteure für verschiedene Getreidesorten wie Weizen oder Gerste, doch auch Russland trug einen Teil zum weltweiten Handel bei. Am Dienstag stieg der Preis je Tonne von 24,75 Euro auf einen Rekordwert von 351,25 Euro – Tendenz steigend. Und das kann Auswirkungen auf Ostfriesland haben, denn die regionale Landwirtschaft füttert ihr Vieh auch mit importiertem Getreide.
Noch gebe es genug Kraftfutterreserven
„Wir beobachten die Situation in der Ukraine natürlich mit Besorgnis. Allerdings sind wir derzeit noch nicht von einer Getreideknappheit betroffen“, betont Maren Ziegler, Geschäftsführerin des Kreisverbandes Emden-Norden vom Landwirtschaftlichen Hauptverein Ostfriesland, im Gespräch mit dieser Zeitung. Noch müssten sich hiesige Landwirte nicht sorgen, da noch genügend Kraftfutterreserven zur Verfügung ständen. Auch die Erträge der vergangenen Ernte tragen aktuell noch dazu bei, dass ausreichend Futtermittel für die Nutztierhaltung vorhanden sei.
Klaus Borde, Vorsitzender des Landwirtschaftsverbandes Ostfriesland und selbst Landwirt, sieht eher langfristig ein Problem. „Wenn die kommende Ernte in der Ukraine schlecht ausfällt, wird es im nächsten Jahr schwer, über den Großhändler Tierfutter zu beschaffen.“
Der Leeraner hofft auf ein baldiges Ende des Krieges, sodass ukrainische Landwirte schnell die entstandenen Schäden beseitigen können und Getreide zwar zu einem teureren, aber bezahlbaren Preis importiert werden kann. „Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die Situation in den nächsten Wochen entwickelt“, so Borde im Gespräch.
Möchten Leeraner Landwirte Tiernahrung bestellen, melden sie sich in den meisten Fällen bei der Firma Janssen Tiernahrung in Leer. Geschäftsführer Hartwig Janssen kann die Ausmaße bereits wahrnehmen: „Wir importieren eine beträchtliche Menge Getreide aus der Ukraine. Aktuell bekommen wir kaum bis gar keine Lieferungen aus den betroffenen Ländern. Allerdings ist das Lager im Moment noch gut gefüllt.“
Er gibt zu bedenken, dass das Kraftfutter nur zu Anteilen aus Getreide besteht. Ein kleiner Anteil Getreide werde regional angebaut. Zum Beispiel auf den Feldern in der Gemeinde Krummhörn.
Speise-Getreide kommt aus anderen Ländern
Janssen kann auf Nachfrage außerdem bestätigen, dass unser täglich Brot bezahlbar bleibt. Nur ein geringer Anteil des Getreides aus der Ukraine und Russland eigne sich überhaupt zur Herstellung von Lebensmitteln. Hauptsächlich werde das Speise-Getreide in den Vereinigten Staaten und in Frankreich angebaut.
