Landkreis Leer - Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine ist laut UN inzwischen auf mehr als 3,1 Millionen gestiegen. 3,1 Millionen Menschen, die versuchen, sich vor dem russischen Terror in Sicherheit zu bringen. Viele von ihnen, vor allem Frauen und Kinder, suchen in Deutschland Schutz. 400 sind bereits seit diesem Freitag offiziell im Landkreis Leer angekommen. Die Dunkelziffer dürfte allerdings höher sein, denn einige Geflüchtete haben über private Initiativen den Landkreis erreicht, wurden mit Bussen und Autos an den Grenzen abgeholt und hier in Sicherheit gebracht. „Die Leute hier wollen helfen, dafür kann man einfach nur dankbar sein“, erklärte Landrat Matthias Groote (SPD). Doch diese Hilfsbereitschaft, so stellt die Behörde klar, führt auch zu Problemen.
Was sind das für Probleme ?
„Wenn die Unterbringung von Geflüchteten vorwiegend in Wohnungen gelingen soll, muss sie gut koordiniert sein“, schreibt die Pressestelle des Landkreises als Erklärung. Und eben diese Koordinierung werde erschwert, wenn private Hilfsinitiativen Flüchtlinge in den Landkreis holen würden.
Wo liegt denn das Problem ?
Hier stellt der Landkreis klar: Gibt es nicht genug Wohnung und Unterkünfte für alle Geflüchteten, können die Menschen aus der Ukraine nicht hier bleiben – und müssen zur Landesaufnahmebehörde nach Hannover geschickt werden. „Weil diese Menschen eine lange beschwerliche Flucht hinter sich haben, möchten wir dies gern vermeiden“, so Groote.
Und was heißt das jetzt ?
Der Landkreis bittet darum, dass Helfer, die Menschen in den Landkreis Leer bringen, sich dann auch selbst um geeignete Unterkünfte kümmern.
Der Landkreis Leer und seine Städte und Gemeinden sind weiterhin auf der Suche nach Unterkünften für Geflüchtete. Vorrangig werden abgeschlossene Wohneinheiten benötigt. Angebote können unter www.wirpackenfreiwilligan.de/Ukraine oder telefonisch unter 0491/ 926 4048 bei der Ehrenamtsstelle der Kreisverwaltung eingereicht werden. Von dort werden die Angebote dann an die Kommunen weitergegeben.
Ebenfalls gesucht werden weitere Dolmetsche. Wer Interesse hat, wird gebeten, sich ebenfalls bei der Ehrenamtsstelle zu melden. Weitere Informationen gibt es zudem unter www.landkreis-leer.de/Ukraine.
Es gibt jetzt schon kaum mehr Wohnungen – wo sollen die weiteren erwarteten Flüchtlinge hin ?
„Wir haben uns dafür entschieden, zentral in der Kreisstadt eine größere Ankunftsstelle einzurichten“, erläuterte der Landrat. Hier sollen die Flüchtlinge erst einmal Platz finden. Dafür wurde die große Turnhalle der Berufsbildenden Schulen (B BS) in Leer ausgewählt. Sie hatte schon 2015 vorübergehend als Unterkunft bei der damaligen Fluchtbewegung gedient.
Wann wird die Turnhalle hergerichtet ?
Die Arbeiten laufen bereits, das Technische Hilfswerk zeichnet dafür verantwortlich und kümmert sich. In der Halle soll zunächst Platz für mehr als 100 Menschen geschaffen werden. Geplant sind Abtrennungen, sodass zumindest ein Mindestmaß an Privatsphäre ermöglicht wird.
Wie viele Flüchtlinge erwartet der Landkreis noch ?
Das ist schwer zu sagen. Aktuell gilt laut Landkreis-Pressestelle die Ankündigung der Landesaufnahmebehörde (LAB) Niedersachsen, dass pro Woche 48 Flüchtlinge zugewiesen werden. Doch diese Zahl ist nicht in Stein gemeißelt und kann sich schon kommende Woche wieder ändern.
Die Turnhalle steht damit nicht mehr Schul- und Vereinssport zur Verfügung - wie sind die Reaktionen ?
Der Vorsitzende des Kreissportbundes, Jörg Kromminga, zeigt Verständnis, dass in dieser Lage die Entscheidung so getroffen wurde: „Sport wird hier solidarisch sein, wir müssen in einer solchen Ausnahmesituation zusammenhalten, ohne Wenn und Aber.“
