Landkreis Leer/Emden - Zertrümmerte Glasscheiben an Bushaltestellen, Graffiti an Schulmauern oder auch angekokelte Bänke und Skateranlagen: Die Zahlen von Vandalismus im Landkreis Leer und der Stadt Emden sind hoch. Oft sind es Jugendliche, die als Täter von der Polizei entlarvt werden. Gefühlt nimmt die Zahl der Fälle und Täter zu – doch ist dem wirklich so?
Fallzahlen 2019 bis 2022
Wir wollten es genau wissen und haben bei der Pressestelle der Polizeiinspektion Leer-Emden einmal nachgefragt, wie es um die Zahlen im Bereich Jugendkriminalität steht. Wie viele Kinder und Jugendliche gab es im ersten Halbjahr 2022, die in Sachen Sachbeschädigung als tatverdächtig gelten? Und wie viele waren es in den Jahren zuvor? Die Pressestelle erhob für uns die Daten und teilte mit: 103 Jungen und Mädchen stehen im Verdacht, in den vergangenen sechs Monaten randaliert oder auch Graffiti geschmiert zu haben. Zum Vergleich ein Blick auf die Vor-Corona-Zeit: Hier waren es im Jahr 2019 genau 77 Kinder und Jugendliche.
Und auch während der Pandemie wurde randaliert: Im ersten Halbjahr 2020 rückten 91 Mädchen und Jungs als Tatverdächtige ins Visier der Polizei, 2021 waren es sogar 139 – über alle Altersklassen hinweg. Als Auslöser der steigenden Zahlen wurde im Zuge der Veröffentlichung der Kriminalitätsstatistik für 2021 die Pandemie vermutet beziehungsweise ihre Begleiterscheinungen: „Fehlende Freizeitangebote, kein Vereinssport oder auch der lange Unterrichtsausfall können für ein erhöhtes Maß an Langweile und Frustration gesorgt haben“, so die Polizei.
Gruppen erwischt
Was tatsächlich die Motivation war, ist unklar, doch Polizeihauptkommissarin Christa Frigger, Beauftragte für Jugendsachen, konnte uns zumindest mitteilen, dass viele der Fälle Graffiti-Schmierereien waren, die aufs Konto bestimmter Gruppen gingen. Sie sorgten für einen Anstieg der Fallzahlen im vergangenen Jahr. „Die teilweise festen Gruppierungen, die für die Sachbeschädigungen verantwortlich waren, konnten ermittelt werden, so dass es im laufenden Jahr zu einer Senkung der Fallzahlen in diesem Deliktsbereich kam“, so Frigger weiter.
Die Zunahme von Graffiti-Schmierereien führten laut Frigger zudem dazu, dass die Stadt Leer mit einem präventiven Projekt reagierte und Kurse mit den bekannten Graffitikünstlern Malte Schneider und Germar Klaus organisierte. „Interessierte Kinder und Jugendliche haben hier in speziellen Workshops die Möglichkeit erhalten, an dafür vorgesehenen Wänden in der Stadt Leer ihre künstlerische Kreativität auszuleben.“
Auswirkung von Krisen
Inwieweit diese Prävention wirken wird, bleibt abzuwarten – und auch, ob die anhaltenden Krisen und Sorgen rund um Energiekosten und Ukraine-Krieg, die sicher an vielen Kindern und Jugendlichen nicht spurlos vorbeigehen, Auswirkungen auf weiteren Vandalismus haben werden. Beantwortet werden, so Frigger, könne diese Frage nicht und müsste wissenschaftlich untersucht werden. Aber: „Es ist richtig, dass die gegenwärtigen Krisen die Kinder und Jugendlichen beschäftigen“, so Frigger. Die Jugendpfleger der Städte Leer und Emden und der weiteren Kommunen würden deshalb diverse Programme anbieten, um den Kindern und Jugendlichen Perspektiven und auch Anlaufstationen anzubieten.
