Meinersfehn/Uplengen - Ein großes Schild an der Meinersfehner Straße weist den Weg hin zum idyllisch gelegenen Ponyhof Müller. Der etwas zurückliegende Hof, inmitten üppiger Natur und eng umschlungen von saftigen Weiden ist ein wahrer Traum für Groß und Klein. Die kleine Ponystraße führt auf direktem Wege auf das Haupthaus zu, neben dem sich Teile der Stallungen befinden. Die Liebe zum Tier spürt man hier an jeder Ecke. Julia und Stefan Müller haben ein Paradies geschaffen. Das Leben ist kein Ponyhof, ihres allerdings schon. Neben den klassischen Ferien auf dem Ponyhof züchtet man auch Reitponys sowie Bernedoodles, eine Kreuzung aus Pudel und Berner-Sennenhund.
Rinderzucht gestartet
Seit einem halben Jahr nennen drei weitere Tiere den Ponyhof Müller ihr Zuhause. Cinta, Cara und Rena, drei Wagyu-Rinder, kamen am 19. Dezember 2021 mit der Hilfe von The BossHoss Frontmann Alec Völkel, dem Schwager von Hofbesitzerin Julia Müller, von Niederbayern nach Ostfriesland.
„Es ist echt erstaunlich, wie viel wir in den letzten sechs Monaten über die Wagyu-Zucht dazulernen konnten. Auch unsere Einstellung zum Fleischkonsum hat sich grundlegend geändert“, so Julia Müller. „Wagyus sind sehr charmante und sympathische Tiere, die Arbeit mit Ihnen ist eine ganz andere, als ich es noch von früher aus der Milchviehwirtschaft kenne“, erinnert sich Stefan Müller.
Die als Familienprojekt aufgezogene Wagyu-Zucht auf dem Ponyhof Müller ist als Mutterkuhhaltung angelegt, was bedeutet, dass Mutter- und Jungtiere zusammenbleiben. „Die Zucht erfolgt, auch wenn der Hof nicht offiziell als Bio-Hof gekennzeichnet ist, im Sinne des höchsten Tierwohls“, so Alec Völkel.
Alec „Boss Burns“ Völkel gründete 2004, gemeinsam mit Sascha Vollmer und Michael Frick, die Band The BossHoss. Die heute siebenköpfige Truppe, die vor allem durch ihre modern interpretierten Country-Songs bekannt wurde, zählt heute zu den beliebtesten Live-Acts des Landes. Mit Songs wie „Don‘t gimme that“, „Dos Bros“ oder „Jolene“, gemeinsam mit The Common Linnets, schufen sie wahre Evergreens.
Ihre letzten zwei Studioalben „Dos Bros“ und „Black is beautiful“ landeten auf Platz eins der deutschen Charts. Nach drei Jahren Berufsverbot freut sich Alec Völkel ab Ende Juni endlich wieder live auf Tour zu gehen. „Absolut geil wieder live zu spielen. So eine Auszeit macht ja auch was mit dir. Mit der Seele, mit dem Geldbeutel und allem anderen. Ich freue mich riesig auf jedes einzelne Konzert“, so Völkel.
Ab dem 30. Juni 2022 stehen 21 Shows an. Im Norden spielt The BossHoss am 31. Juli, in der Summertime-Arena am Nordstrand auf Norderney, am 14. August auf der Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark und am 11.September auf der Gilde Parkbühne in Hannover.
Hilfe von „Lucki“ Maurer
Alec Völkel, der 2020 sein Grillbuch „Rock am Grill: Die besten Grillrezepte der Kultband BossHoss“ rausbrachte, bewies auch schon bei Grill den Henssler sein Können.
Wenn man es genau nimmt, wurde der Grundstein für die Wagyu-Zucht in dieser VOX-Kochshow gelegt. Hier traf Völkel auf den Fleischpapst Ludwig „Lucki“ Maurer, der auf seinem Hof im niederbayrischen Schergengrub bereits seit 15 Jahren Wagyu-Rinder züchtet und Europas erster Biobetrieb wurde.
Auch heute noch ist Lucki Maurer eng mit dem Projekt verbunden. Haarproben der drei Uplengener Wagyus sollen nun Aufschluss über die genetische Linie geben, anhand dieser ein passender Bulle gesucht werden soll. „Seit 1997 gilt in Japan ein strenges Export-Verbot für lebende Wagyu-Rinder, was die Population natürlich sehr gering hält“, so Julia Müller. In der Praxis bedeutet das oft, dass Wagyu-Rinder genetisch miteinander verwandt sind. Dies müsse bei der Zucht unbedingt beachtet werden, um keine Erbkrankheiten zu fördern.
Julia Müller und Alec Völkel auf der Weide bei ihren Wagyu-Rindern
Andreas Unterberg
Julia Müller und Alec Völkel auf der Weide bei ihren Wagyu-Rindern
Andreas Unterberg
Julia Müller und Alec Völkel auf der Weide bei ihren Wagyu-Rindern
Andreas Unterberg
The BossHoss Frontmann Alec Völkel versucht ein bis zwei Mal im Jahr seinen Wagyu-Rindern einen Besuch abzustatten.
Andreas Unterberg
Von links: The BossHoss-Frontmann Alec Völkel und die Hofbesitzer Julia und Stefan Müller mit den Wagyu-Rindern Cinta, Cara und Rena
Andreas UnterbergGegen den Dumpingwahn
Die ewigen Dumpingpreise des Lebensmittelmarktes fordern Qualitätseinbußen und massive Mängel beim Tierwohl. „Genau das wollen wir nicht. Wir möchten nachhaltige Wagyu-Zucht betreiben, was auch absolut in den heutigen Zeitgeist hineinpasst. Wir wollen dem Tier Respekt entgegenbringen. Auch, indem wir für einen anderen, faireren Blick auf den Fleischkonsum werben. Im Supermarkt geht oft der Blick dafür verloren, dass für Fleischprodukte Tiere sterben mussten. Vielleicht nur zweimal die Woche Fleisch, dafür aber was Geiles und Hochwertiges auf dem Teller. Das wäre für alle besser, Mensch und Tier“, so Alec Völkel.
„Dieses Projekt ist ein Bekenntnis zu 100 Prozent Tierwohl, zu 100 Prozent Qualität und zu 100 Prozent Konsumentengerechtigkeit“, so Völkel weiter. Dabei soll auch die sogenannte Nose-to-Tail Verwertung zum Einsatz kommen, also eine Verwertung des gesamten Tieres. „Ich finde die Vorstellung ganz furchtbar, dass Teile unserer Wagyus zu Hundefutter oder Tiermehl verarbeitet werden würden“, so Julia Müller.
Der Blick in die Zukunft
Die Wagyu-Rinder auf dem Hof sollen so erzogen werden, dass sie die Angst vor Menschen verlieren und gleichzeitig sollen aber auch die Kinder und Jugendliche auf dem Ponyhof Müller, die meist zwischen sieben und fünfzehn Jahre alt sind, die Berührungsängste zu den Tieren abbauen und einen realistischen Blick auf die Herkunft von Fleisch bekommen.
Auch ein gewisses Qualitätsbewusstsein gegenüber dem Produkt Fleisch sollte vorhanden sein, denn Wagyu-Rinder sind die weltweit exklusivsten Nutztiere. In circa einem Jahr möchte man die ersten Kälbchen gebären lassen. „Wir lassen uns Zeit und Ruhe mit dem Projekt. Alles andere würde dem auch nicht gerecht werden“, so Julia Müller.
