Landkreis Leer - Viele Winter-Muffel dürfte es sicherlich gefreut haben, dass die Region im vergangenen Winter kaum kalte Tage zählen konnte, sondern das Wetter fast schon frühlingshaft anmutete. Doch das kann auch zum Problem werden, beispielsweise wenn sich durch die milden Temperaturen Blaualgen entwickeln. Denn die können zum Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier werden. Im Landkreis Leer sind in diesem Jahr bereits zwei Seen von Blaualgen befallen gewesen, teilte die Kreisverwaltung auf Nachfrage unserer Redaktion mit.
Idasee und Stickisee betroffen
Insgesamt 15 Badegewässer gibt es im Kreisgebiet. Bei zwei von ihnen – dem Idasee in Ostrhauderfehn und dem Stickisee in der Samtgemeinde Jümme – wurden in diesem Jahr bereits ein Blaualgen-Befall festgestellt. Das sagte Kreissprecher Jens Gerdes im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Badesaison beginnt zwar offiziell erst im Mai, aber dennoch werden bereits im Vorfeld Überwachungen der Gewässer mit einer umfassenden Ortsbesichtigung durchgeführt. Das schreibt der Landkreis Leer auf seiner Website. Dabei gehe es nicht nur darum, die Gewässerqualität zu überprüfen, sondern auch darüber hinaus mögliche Gefahren festzustellen und auszuschließen. Ab Beginn der Badesaison nimmt das Gesundheitsamt dann im zweiwöchigen Rhythmus Wasserproben.
Ausbreitung unter guten Bedingungen
Ferner informierte Gerdes, dass Blaualgen grundsätzlich immer in sehr niedriger Konzentration im Wasser vorzufinden sind, sich unter den richtigen Bedingungen allerdings ausbreiten können. Und zwar vor allem bei viel Sonnenschein, wenig Regen und hohen
Die „Blaualgen-Blüte“ lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen: Die Sichttiefe beträgt – meist deutlich – unter 1 Meter, das Wasser weist grünliche oder bläulich-grünliche Verfärbungen beziehungsweise Eintrübungen auf, Schlierbildungen bis hin zu Algenteppichen und „wolkenartige“ Verteilungen im Wasser.
Wenn ein mit Blaualgen befallener Bereich durchschwommen wurde, sollte geduscht und die Badekleidung gewechselt werden. Diese muss dann sehr gut ausgespült werden.
Wenn Hunde im Wasser geschwommen sind, sollte das Tier abgeduscht werden. Auch, so informiert der Landkreis Leer, wenn der Hund nur mit den Pfoten im Wasser war, sollten diese gut abgespült werden. Und auf keinen Fall sollte der Hund das Wasser trinken.
Wassertemperaturen, wovon der bisher sehr frühlingshaft anmutende Wetter quasi geprägt war. „Der Klimawandel begünstigt diese Entwicklung. Unter den vorgenannten Bedingungen steigen die pH-Werte in den Gewässern, was die Entwicklung der Blaualgen fördert. Und dann kann es ganz schnell gehen. Wenn im Gewässer viel Phosphor und Stickstoff ist, vermehren sie sich rasant und bilden dann in den oberen 30 Zentimetern der Wasserschicht Algenteppiche.“
Weltweites Problem
Wobei Blaualgen eigentlich nicht zu den Algen gehören, sondern zu den so genannten Cyanobakterien. Sie sind weltweit ein Problem – und sogar ein zunehmendes. Denn sie breiten sich immer weiter aus. Inzwischen bilden sich sogar Invasive Arten, die eigentlich in tropischen Gebieten vorkommen und sich nun auch in anderen Gefilden ansiedeln. „Das Wasser wird durch Blaualgen schon optisch unansehnlich und kann einen üblen Geruch nach faulen Eiern sowie nach Ammoniak aufweisen. Ammoniak bilden Cyanobakterien aus dem Stickstoff der Luft“, erläuerte Gerdes.
Gefährlich für die Gesundheit
Doch der faule Geruch und das üble Aussehen der Gewässer sind nicht die einzigen Probleme, das die Blaualgen verursachen: Die Cyanobakterien sind zudem gefährlich für Menschen, Hunde und Katzen, denn sie produzieren Cyanotoxine. Und das – je nach Blaualgenart – in unterschiedlicher Stärke. „Bei Kontakt mit den Blaualgen kann es zu akutem Hautausschlag kommen. Andere Folgen sind Magen-Darm-Krämpfe und Durchfall. Wenn man akut einer sehr hohen Dosis oder chronisch einer gewissen Dosis ausgesetzt ist, können je nach Toxin die Leber, das Gehirn oder auch die Nieren angegriffen werden“, informierte Gerdes.
Welche Auswirkungen es auf die Seen im Kreis haben wird, wenn bereits im Winterhalbjahr Blaualgen nachgewiesen werden konnten, bleibt abzuwarten. Sicher ist, die Temperaturen werden bald wieder steigen – und damit die Bedingungen für die Bakterien weiter optimieren.
