Landkreis Leer - Wer schon länger im Kreis Leer lebt, der kennt sie: die Streunerkatzen. Mal tauchen sie allein auf, mal sind sie in Gemeinschaft unterwegs. Kaum eine ist gesund, das Elend unter den Tieren ist groß. Tierschützer geben alles, um wenigstens einen Teil von ihnen einzufangen und zu kastrieren, denn sie vermehren sich immens.
Dabei sind es nicht nur herrenlose Streuner, die Nachwuchs in die Welt setzen. Es sind auch oft Hauskatzen darunter, die von ihren Besitzern nicht kastriert werden. Dabei gibt es im Kreis eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht. Wer diese nicht befolgt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Eine Idee, die Niedersachsen nun auch landesweit vorschreiben will. So weit, so gut – doch durchsetzen lässt sich diese Auflage kaum.
Wo liegt das Hauptproblem ?
„Freigänger-Katzen können schwer einem bestimmten Tierhalter zugeordnet werden und vor allem bei weiblichen Tieren kann man nicht gut feststellen, ob jene kastriert sind, genauso bei scheuen männlichen Tieren“, stellte Philipp Koenen von der Pressestelle des Kreises auf Nachfrage klar. Sprich: Wer sein Tier nicht kastriert, könnte zwar mit einem Bußgeld belegt werden, doch er müsste erst mal als Halter überführt werden.
Wer müsste die Einhaltung der Verordnung eigentlich überwachen ?
Die Ordnungsämter der Kommunen, doch die haben eine Vielzahl von Aufgaben und können nicht durch Straßen und Wälder patrouillieren. „Die Überwachung durch das Ordnungsamt ist flächendeckend nicht leistbar, sondern nur in bekannt werdenden Einzelfällen. Bußgeldbescheide sind nur wenig wirksam, weil die Kontrollmöglichkeit einen so hohen Personalaufwand nach sich ziehen würde, der im Vergleich zu anderen Herausforderungen nicht zu rechtfertigen ist“, führte dazu Uwe Themann, Bürgermeister der Samtgemeinde Hesel, aus. Die Gemeinde setze deshalb auf Aufklärung.
Sieht das in anderen Kommunen ähnlich aus ?
Ja. In der Gemeinde Westoverledingen etwa wird die Behörde auch nur anlassbezogen tätig. Neue Regelungen wären zwar denkbar, aber „bei mehreren Tausend Katzen, die allein in Westoverledingen gehalten werden, kaum kontrollierbar“, führte Pressesprecherin Kirsten Beening aus. Bußgelder wurden hier noch nie verhängt.
Das Ordnungsamt von Weener geht ebenfalls seriösen Hinweisen auf nicht kastrierte Katzen nach. „In mehreren Fällen wurden Bußgeldverfahren erfolgreich abgeschlossen, sodass die Katzenhalter der Kastrationspflicht nachgekommen sind“, berichtete Stadt-Sprecherin Kerstin Beier. Gleichzeitig verweist sie aber auch auf die Problematik, dass vor allem die herrenlosen Katzen und Kater durchs Raster fallen und sich weiter uneingeschränkt vermehren.
Wie reagieren die Katzenbesitzer, wenn sie erwischt werden ?
„Die verantwortungsbewussten Halter haben ohnehin schon ihre Katzen kastriert oder kommen ihrer Verpflichtung nach einem Aufklärungsgespräch umgehend nach. In der Praxis sind jedoch viele Halter uneinsichtig“, so Kerstin Beier weiter. „Insbesondere die Kosten der Kastration schrecken diesen Personenkreis ab. In diesen Fällen müssen dann im Zuge der Verordnung entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.“
Gibt es auch in der Kreisstadt Leer Probleme ?
Nein, hier ist das Thema Katzen kaum eines. Beschwerden oder Hinweise, so teilte die Pressestelle mit, gingen nur sehr selten ein. „Pro Jahr geschätzt fünf Fälle, die alle schriftlich bearbeitet werden“, erläuterte Stadt-Sprecher Patrick Düselder. Äußerst selten seien schon mal Bußgelder verhängt worden.
Gibt es Schätzungen, wie viele Streuner-Katzen im Kreis leben ?
Nein, doch die Tendenz-Antwort ist „sehr viele“. Einige wenige von ihnen landen Jahr für Jahr als Fundtiere in den örtlichen Tierheimen. Der Verein Tierschutz im Landkreis Leer, der ein Tierheim in Jübberde unterhält, zählte in 2021 rund 240 Fundkatzen, davon fünf Katzen mit insgesamt 31 Kitten, wie im Herbst während einer politischen Sitzung auf Kreis-Ebene bekannt wurde. Der Tierschutzverein Rheiderland betreute 2021 genau 75 Fundkatzen. Darüber hinaus kümmern sich noch etliche weitere kleine Tierschutzvereine um Streuner, versorgen sie medizinisch und lassen sie mithilfe von Spendengeldern kastrieren. Alle Tierschützer kommen dabei Jahr für Jahr an ihre Kapazitätsgrenzen.
