Esens - Schon die Geschichte hinter der ersten Begegnung Georg Freys mit Yves Blin klingt interessant. Die beiden kreativen Köpfe, der deutsche Autor und der französische Maler, kamen während einer Trauerfeier zu Ehren Freys verstorbenem Bruder auf einem Schiff miteinander ins Gespräch. „Ich erfuhr, dass Yves Maler ist. Ich fragte ihn, was er denn sonst noch macht, und er antwortete, dass er zudem Marathonläufer sei. Als ich ihn daraufhin fragte, ob er denn beim Laufen malen würde, mussten wir beide lachen und das Eis war gebrochen“, berichtete Georg Frey am Sonntag während der Eröffnung der Ausstellung „Erwachte Träume – Rêves éveillés“ im Museum „Leben am Meer“ in der Esenser Peldemühle.
Fantasien und Träume
Als „magisch-realistische Ergebnisse“ werden Blins Bilder und Freys Texte bis zum 11. November in der Mühle präsentiert. Die Betrachter können sich hier von Gemälden faszinieren lassen, zu denen Georg Frey, früher Lehrer am Esenser NIGE, Texte verfasste. Diese Symbiose aus Gemaltem und Lyrik ergibt Bilder und Erzählungen zu Fantasien, Erinnerungen, Träumen, zum Umgang der Menschen sowie zur Tier- und Pflanzenwelt. Eingeleitet wurde die Ausstellungseröffnung am Sonntag durch die junge Querflötistin Frieda Pieper, die die 60 Gäste unter anderem mit einem Concerto von Vivaldi verzauberte. Museumsleiterin Anke Kuczinski und Thilo Thedinga von der durchführenden Institution „Esens Kulturell“ begrüßten die Besucher und brachten ihre Freude über die gelungene Ausstellung zum Ausdruck: „Die letzte Veranstaltung von ,Esens Kulturell’ fand am 9. März 2019 statt. Dann kam ja Corona und verpflichtete uns zu einer Durststrecke. Wir freuen uns, nun wieder durchstarten zu können“, so Thilo Thedinga, der anschließend das Wort an Harald Ellinghaus übergab. Der Esenser, der selbst kreativ tätig ist, führte ein „Künstlergespräch“ mit Frey und Blin, die sich gerne interviewen ließen und bereitwillig Auskunft über ihre Arbeitsweisen gaben: „Ein erster Entwurf entsteht häufig auf dem Rand einer Zeitung“, verriet Yves Blin, der als sehr produktiver und professioneller Maler gilt. In sieben Ländern werden die Werke des vielfach ausgezeichneten Künstlers ausgestellt. Seine Bilder selbst sind praktisch Geschichten, in denen Menschen, Gegenstände und Wesen eine Rolle spielen. „Ich male überwiegend mit einem schmalen, kleinen Pinsel. Meine Arbeit gleicht in gewisser Weise der eines Kathedralenbauers, der viele kleine Figuren in Stein meißelt“, beschrieb Yves Blin sein Wirken.
Versteckte Signaturen
Eine Farbwahl, die laut Ellinghaus an noch bekanntere Maler erinnert, trifft bei Blins Bildern auf kleine aber feine Details. Hierzu zählt beispielsweise auch die Signatur des Künstlers, die nicht wie so oft prominent rechts unten zu finden ist, sondern von Blin oftmals dezent im Bild „versteckt“ wird. „Bei einem Bild habe ich die Signatur auch nach langer Suche nicht gefunden. Irgendwann hatte ich es aufgegeben“, verriet Georg Frey lachend.
Die Sonderausstellung zum Projekt „Erwachte Träume“ im Museum „Leben am Meer“ an der Bensersieler Straße 1 ist bis einschließlich 29. Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr sowie vom 1. bis 11. November dienstags, mittwochs und donnerstags von 10 bis 14 Uhr zu erleben.
