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AWO-Altenwohnheim wird 50 „Selbstständigkeit wird bei uns hochgehalten“

Der Künstler Hans-Christian Petersen (rechts) präsentiert Thomas Knauer und Liane Willms vom AWO-Altenwohnzentrum in Esens den neuen Buddy-Bären, den er gestaltet hat.

Der Künstler Hans-Christian Petersen (rechts) präsentiert Thomas Knauer und Liane Willms vom AWO-Altenwohnzentrum in Esens den neuen Buddy-Bären, den er gestaltet hat.

Julia Dittmann

Esens - 50: Die Zahl passt. Seit 50 Jahren gibt es das AWO-Altenwohnzentrum in Esens und zu diesem Anlass hat Künstler Hans-Christian Petersen den 50. stehenden Buddy-Bären der Stadt enthüllt.

„Einen Bären für das Awo-Heim gestalten. Da habe ich erstmal gebrütet und dann hatte ich die Idee: Hier werden Menschen zusammengebracht“, erzählt Petersen. So entstand die Kette aus Menschen, die er bewusst in weiß gehalten hat und die sich um den Bären herum windet. Menschen mit Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator, Kinder und Erwachsene zeigt der Bär. Drumherum ist es bunt und im Hintergrund ist ein Gebäude zu sehen, das an das Altenwohnheim erinnern soll.

Thomas Knauer, der die Einrichtung leitet, und Pflegedienstleiterin Liane Willms sind begeistert. Zum Jubiläum sangen auch die Kinder der Kindertagesstätte „An der Eisenbahn“ zwei Lieder und übergaben als Geschenk unter anderem ein Vogelhaus.

Von 32 auf 75 Pflegeplätze in 50 Jahren

Mit 32 Pflegeplätzen und 43 Appartements für betreutes Wohnen ging es 1972 los: das Altenwohnzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Esens. 50 Jahre später gibt es zwar keine Appartements mehr, aber 75 Pflegeplätze. „Wir haben 16 Doppelzimmer und 43 Einzelzimmer“, sagt Knauer. Zu der Einrichtung gehören außerdem 20 Altenwohnungen. „Die sind alle belegt und wir haben eine lange Warteliste. Da wohnen zum Teil auch 60-Jährige und Menschen mit Behinderungen.“

In 50 Jahren hat sich viel getan. Liane Willms hat davon 38 Jahre miterlebt. Immer wichtig sei gewesen, die Menschen auch als Menschen zu behandeln. „Selbstständigkeit wird bei uns hochgehalten“, sagt Willms. Wer Mobilität und bestimmte Beschäftigungen gewohnt ist, soll das nicht aufgeben müssen, weil er oder sie ins Heim gezogen ist. Die Mitarbeiter seien dann dafür da, auszugleichen, wo etwas nicht mehr geht, und mitzuhelfen. „Wir haben keinen Erziehungsauftrag“, sagt Knauer. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollen in der Einrichtung wirklich wohnen können.

Ausbildung ist dem Leiter wichtig

Für Thomas Knauer ist gute Ausbildung das A und O. „Ich bilde sehr gern aus und das immer über den Bedarf“, erklärt der Einrichtungsleiter. Einen Personalmangel habe er noch nie gehabt, weder bei den Pflegern noch bei den Praktikanten oder Auszubildenden. Für die Pflegeassistenz sind zeitweise bis zu zehn Azubis im Betrieb. Auch ein Bundesfreiwilligendienst oder FSJ sind möglich. „Ein FSJ biete ich auch gern bei Bewerbungen aus dem Ausland an“, sagt Thomas Knauer. So könnten während des Freiwilligendienstes Sprache und Kultur kennengelernt werden, bevor die Ausbildung losgeht.

Menschen ziehen später ins Altenheim

Veränderungen beobachtet Liane Willms im Alter der Bewohner. „Sie kommen später.“ Früher seien Menschen noch selbst und früher ins Heim gezogen. Heute blieben sie deutlich länger zu Hause, weil es viele Pflegedienste gibt. Daraus ergibt sich auch eine kürzere Wohndauer im Heim. „Vor einiger Zeit haben die Menschen noch durchschnittlich vier Jahre hier gewohnt. Heute ist es weniger als ein Jahr“, sagt Thomas Knauer. Außerdem entschieden immer weniger selbst, ins Altenheim zu ziehen.

Mitarbeiter identifizieren sich mit dem Heim

Was besser geworden ist, sei die Wahrnehmung der Menschen als Individuum. „Der einzelne Mensch wird gesehen, das ist gut“, sagt Willms. Und das betreffe auch die Mitarbeiter. Weil ein vertrauensvolles Miteinander herrsche, identifizierten sich viele stark mit der Einrichtung. „Deshalb nehme ich mir Zeit, wenn meine Leute ein Anliegen haben“, sagt Knauer.

In der Pandemie sei vieles schwer gewesen, das Team habe sich aber schnell darauf eingestellt. „Mein Büro ist hier unten, die Besucher standen dann oft vor meinem Fenster“, erzählt Knauer. Er habe dann Auskunft geben können – und so die Angehörigen viel besser kennengelernt. Probleme mit der Impfpflicht habe er in der Einrichtung nicht.

Nun hat das Altenwohnzentrum mit der Enthüllung des Bären schon einmal in kleiner Runde das Jubiläum gefeiert. Am 2. September wird es zusätzlich eine offizielle Feierstunde geben, zu der auch die Geschäftsführung aus Oldenburg kommt.

Hintergrund: Die Arbeiterwohlfahrt

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist ein Wohlfahrtsverband, der sozial schlechter gestellte Menschen unterstützt. Gegründet wurde die AWO 1919.

Heute betreut die AWO vor allem Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Behinderungen. Sie betreibt aber zum Teil auch Kindergärten, Ganztagsschulen, forensische Kliniken oder Beratungsstellen für Migranten und Menschen in Notlagen. Bundesweit sind das mehr als 18 000 Einrichtungen und Dienstleistungen.

Die AWO gliedert sich in 30 Bezirks- und Landesverbände, 403 Kreisverbände und insgesamt 3435 Ortsvereine. Der Ortsverein Wittmund arbeitet eng mit dem AWO-Altenwohnzentrum in Esens zusammen. Bundesweit hat die AWO mehr als 310 000 Mitglieder.

Für Thomas Knauer und Liane Willms sind die Werte der AWO wichtig für die tägliche Arbeit im Altenwohnzentrum. So sollten etwa die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner sinnstiftend sein. „Das ist hier kein Gefängnis, sondern die Menschen leben hier“, sagt Knauer. Die AWO stützt sich auf die Grundwerte Solidarität, Toleranz, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit.

Julia Dittmann
Julia Dittmann Redaktion Wittmund
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