Bentstreek - Fördervereinsvorsitzender Jobst Küker und seine Stellvertreterin Fieke Moldenhauer sprechen von einem Meilenstein auf dem Weg zum Museum Gründerhaus Bentstreek: In wenigen Wochen sollen die Arbeiten zur Neueindeckung des unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Sitzes der Staatlichen Moorverwaltung am Schweinebrücker Weg beginnen.
Bereits seit einiger Zeit steht die Finanzierung, zu der auch die Gemeinde Friedeburg und das Land Niedersachsen beitragen. Mehr als 100 000 Euro kosten die naturroten Flächenziegel aus Ton, die Überarbeitung der Lattung und der Arbeitseinsatz als solches, wie Küker berichtet. Auch der vor zehn Jahren von Thomas Gerbracht gegründete Verein investiere hier. „Die Verteuerung der Baustoffe hat auch uns beschäftigt, da mussten wir teilweise improvisieren“, deutet der Vorsitzende an.
Ständerwerk stabil
Das jetzt genau 100 Jahre alte Ständerwerk der Scheune bewerten Spezialisten als stabil. „Für uns ist das neue Dach besonders wichtig, damit die darunter befindlichen Exponate vor jeglicher Witterung geschützt sind“, betont Fieke Moldenhauer, die glücklich über die Aussichten ist. „Dieses bisher größte Einzelprojekt bringt unserem Verein eine wahre Zukunftsperspektive.“ Mit diesem seit mehr als zwei Jahren geplanten Schritt sei dann auch der weitere Innenausbau planbar, zum Beispiel das Erschließen des Obergeschosses in der Scheune.
Der Aufbau des fast 600 Quadratmeter großen Daches wird sich in Absprache mit der Oberdenkmalsbehörde in Oldenburg allerdings etwas ändern. „Die Dachpfannen werden nicht mehr mit Docken und Roggenlangstroh abgedichtet“, teilt Jobst Küker mit. Vielmehr werde eine Unterspannbahn über alle Flächen der nicht symmetrischen Dachkonstruktion eingezogen. „Auf einem Feld im Dach könnten wir später aber darstellen, auf welcher Weise unsere Dachpfannen ursprünglich befestigt wurden.“ Die alten Pfannen könnten eventuell Interessenten angeboten werden.
Museum auf dem Weg
Auch wenn es um das Gründerhaus in Pandemiezeiten etwas stiller schien, so haben die Aktiven unter den 50 Mitgliedern in der zurückliegenden Zeit doch eine Reihe von Arbeiten erledigt, die dem Ziel eines Museums näher kommen lassen. So sind im Kälberstand weitere Exponate zur Entwicklung der Melk- und Weidetechnik und Geschichte landwirtschaftlicher Kleingeräte eingearbeitet worden.
Im Wohnhaus haben die Ehrenamtlichen im Zuge der Renovierung die Wände von ungeeigneter Farbe befreit. „Hier stehen wir in Kontakt mit Fachleuten, welche Konsistenz der neue Auftrag haben sollte, zumal es an einer Heizung noch fehlt“, erklärt Fieke Moldenhauer.
Und im Außenbereich hat ein Team Pflasterungen angelegt und damit begonnen, den alten Dieselbunker aufzuarbeiten – hier wurde einst die Lok betankt, die bei der Moorkultivierung hilfreiche Dienste leistete.
Weitere Pläne des Fördervereins zielen zunächst auf die Installation einer Heizungsanlage sowie auf den Aufbau eines Klassenzimmers im Obergeschoss des Wohnhauses. Jobst Küker: „Schulbänke aus unterschiedlichen Zeiten und Schulbücher haben wir bereits gespendet bekommen. Jetzt suchen wir noch nach einer Unterrichtstafel.“ Da die Lehrer einst die Geschehnisse in der Umgebung schriftlich festhielten, solle das Museum nun die Funktion des Dorfchronisten fortführen, merkt der Fördervereinsvorsitzende an.
Infos zur Dorfgeschichte
„Wir sind ein faktenbasiertes Museum und wollen das landwirtschaftliche Leben in unserer Region nachvollziehbar machen“, unterstreicht Jobst Küker. Zum Konzept gehöre daher auch der ortsgeschichtliche Aspekt. So sei vorgesehen, in der Ausstellung auch die einstige Flak-Stellung und das Gefangenengebäude im Ort zu thematisieren.
Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, das Moorverwaltungsgebäude im Entstehungszustand von 1922 zu erhalten. Fieke Moldenhauer: „Und darin wollen wir die Entwicklungsgeschichte von Bentstreek und Umgebung dokumentieren. Eine Arbeitsgruppe trifft sich immer donnerstag- und samstagnachmittags, um die Instandhaltungsmaßnahmen fortzusetzen.“ Die Aktiven seien sukzessive und beharrlich bei der Sache.
Zum Gründertag wird sanierte Schmiede erstmals lebendig
Nach zwei Jahren Pause lädt der Förderverein Gründerhaus Bentstreek am Sonntag, 7. August, wieder zum „Gründertag“ ein. „Die alljährliche Veranstaltung anlässlich der Dorfgründung ist mittlerweile fester Bestandteil des Ortsgeschehens neben Weihnachtsmarkt, plattdeutschem Laientheater und Erntefest“, erklärt Vorsitzender Jobst Küker.
Das diesjährige Programm von 12 bis 18 Uhr umfasst die Präsentation von Oldtimern, alten Landmaschinen und -gerätschaften sowie den erstmalig öffentlichen Betrieb der sanierten Schmiede. Die Jugendfeuerwehr Marx trägt zum Rahmenprogramm ebenso teil wie der „Bentstreeker Blömentuun“. Dazu gibt es wieder das Landfrauen-Café und herzhafte Genüsse aus der Grillhütte und dem Räucherofen. Auch der Bürgerverein Bentstreek ist beteiligt.
Jobst Küker: „Führungen durch die Anlage werden während des Gründertags spontan auf Anfrage angeboten.“ In den Innenräumen werde das Tragen einer Mund- und Nasenbedeckung empfohlen. Parkplätze sind ausreichend vorhanden, schattige Sitzplätze „unter der vermutlich größten Blutbuche des Ortes“ gibt es ebenfalls zu Genüge.
