Langeoog - Auf Inseln dreht sich die Welt etwas anders – auch, was Bestattungen angeht. Auf dem Festland kommt ein Bestatter, meist eine fremde Person, nimmt den Toten oder die Tote mit und die Hinterbliebenen trösten sich gegenseitig in ihrer Trauer. Auf Langeoog hat das Bestattungswesen jedoch eine ganz andere Kultur.
Wenn dort eine Person verstarb, kamen Nachbarn, die nicht nur Trost spendeten, sondern auch das Einsargen übernahmen, die sterblichen Überreste mit einer Pferdekutsche zum Friedhof brachten und auch eine Schulter zum Ausweinen anboten.
Tradition drohte auszusterben
Doch auch die Bevölkerung auf den Inseln wechselt immer wieder. Es kommen fremde Menschen hinzu, die Teil der Gemeinschaft sein wollen und junge Insulaner gehen raus in die weite Welt, nicht alle kommen zurück. Um dennoch die alten Bräuche beibehalten zu können, fingen Insulaner selbst an, sich zu organisieren. Über eine Whatsapp-Gruppe, die die Mitglieder „Letzte Reise“ nannten, wurden die Mitglieder gefragt, ob sie bei einem Todesfall helfen, einsargen, tragen, umarmen können. „Das haben wir auch gemacht, weil unser Bestatter Jojo Eilts krankheitsbedingt nicht mehr so viel machen konnte“, sagt Sabine Klette.
Als Johann „Jojo“ Eilts dann Mitte Juli selbst starb, mussten sich die Insel und deren Bewohner entscheiden: Übernehmen wir die Aufgaben des Bestatters oder lassen wir immer jemanden vom Festland kommen? „Wir haben uns dann dazu entschieden, aus der Whatsapp-Gruppe heraus den Verein „Letzte Reise“ zu gründen“, berichtet Klette, die auch den Vorsitz übernommen hat. Gründungsmitglieder habe es 18 gegeben, nun seinen es schon 38 engagierte Bürgerinnen und Bürger.
Die Aufgaben des Bestatters
Zu den Aufgaben eines Bestatters gehört aber noch mehr als Särge zu tragen oder Trost zu spenden dazu. Auch hier packen die Insulaner mit an. Berührungsängste mit dem Tod oder leblosen Körpern mag es gegeben haben, Klette betont jedoch, dass für niemanden eine Pflicht besteht: „Man wächst in die Aufgaben rein. Ja, es kann Situationen geben, die unangenehm sind, wir könnten hier auf der Insel ja auch Menschen haben, die im Meer ertrunken sind. Aber jeder macht nur das, was er kann und was er will.“
Etwa bis zu 20 Beerdigungen pro Jahr gebe es, hier bietet der Verein genau wie jeder andere mehrere Formen an. Laut der Vorsitzenden wird der komplette Service vom Sarg über Anzeigen, Kondolenzlisten bis hin zur Erd-, Feuer- oder Seebestattung möglich, auch die Überführung des Leichnams werde vom Verein organisiert. Übrigens ist auch das Hospiz-Team der Insel in den Prozess und im Verein eingebunden, auch Heinz Behrends, Vakanzvertreter der Inselkirche, ist im Verein.
Zudem strebt der Verein die Gemeinnützigkeit an. Denn laut Klette wolle keiner damit Geld verdienen. „Uns geht es nur darum, dass unsere alte Bestattungstradition und das Miteinander erhalten bleibt“. Sowohl im Leben, als auch über den Tod hinaus.
