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Kurzzeitgedächtnis verloren Marc Ising wagt in Carolinensiel einen Neuanfang

Kim-Christin HIbbeler
Marc Ising (2. v. r.) ist  mit dem Budget für Arbeit bei der Kurverwaltung in Carolinensiel angestellt. Unterstützung bekommt er von  Bent Bogena (Eingliederungshilfe Landkreis), Andreas Klimmek (Technischer Leiter) und  Anika Wetendorf (Personalabteilung Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH).

Marc Ising (2. v. r.) ist mit dem Budget für Arbeit bei der Kurverwaltung in Carolinensiel angestellt. Unterstützung bekommt er von Bent Bogena (Eingliederungshilfe Landkreis), Andreas Klimmek (Technischer Leiter) und Anika Wetendorf (Personalabteilung Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH).

Kim-Christin Hibbeler

Carolinensiel - Wenn Marc Ising morgens zur Arbeit kommt, hat er seine Aufgaben auf der Wand im Personalraum direkt im Blick. Dort hat er die Strukturen und Aufgaben seiner Abteilung bei der Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH auf großen Postern niedergeschrieben. Denn ohne etwas aufzuschreiben, fällt es dem 50-Jährigen schwer, sich zu erinnern. Er hat sein Kurzzeitgedächtnis verloren.

Im Jahr 2010 erkrankte Ising an einer Ohrenentzündung, verschleppte diese, sodass sich eine Hirnhautentzündung entwickelte. „Darunter hat dann mein Kurzzeitgedächtnis gelitten. Durch viele Rehas und mit Training ist es jedoch wieder besser geworden“, erklärt er. Doch seinen Job in einer Integrationsfirma in Münster konnte Ising nicht weiter ausüben.

Ein Neuanfang

„Ich bin nach Carolinensiel gekommen, um einen Neuanfang zu machen und ich bin unglaublich dankbar, dass das alles hier so gut geklappt hat“, sagt er. Durch ein Praktikum lernte Ising die Arbeit bei der Kurverwaltung kennen. Gemeinsam mit dem Team um den Technischen Leiter Andreas Klimmek kümmert er sich unter anderem um den Winterdienst, die Pflege der Grünanlagen und Spielplätze oder Sanitäranlagen sowie vieles mehr. Seit dem 1. Oktober 2022 ist Ising über das Budget für Arbeit fest bei der Nordseebad Carolinensiel-Harlesiel GmbH angestellt. Das gebe ihm Sicherheit und Strukturen. „Wir sind sehr froh, Marc bei uns im Team zu haben. Das ist eine Bereicherung für die Arbeit und auch für die Sensibilisierung in diesem Bereich“, sagt Kurdirektor Kai Koch. „Wir würden es immer wieder tun“, sagt er.

Dennoch sei die Entscheidung keine leichte gewesen. „So etwas muss man immer genau abwägen und auch mit der Abteilung besprechen. Ich kann als Chef nur sagen, dass ich das gut finde. Aber es ist natürlich auch ein Aufwand. Marc braucht die ganze Zeit Begleitung“, erklärt Koch.

Ansprechpartner

Und auch Andreas Klimmek ist froh, Marc Ising in seinem Team zu haben. Er ist der erste Ansprechpartner, wenn es um Fragen und Aufgaben geht. „Es ist so, dass er keine schweren Maschinen bedienen darf. Da gibt es einmal im Jahr eine Sicherheitseinweisung, aber wir können nicht garantieren, dass er sich an die Details erinnert. Es gibt jedoch genug andere Aufgaben“, erklärt Klimmek. Dennoch kommt es hin und wieder vor, dass Ising vergisst, wo er einen Spaten hingestellt hat oder seine Wasserflasche. „Das nehmen wir aber mit Humor“, sagt Anika Wetendorf. Sie ist für das Personal zuständig und hat sich gemeinsam mit dem Landkreis Wittmund darum gekümmert, dass Ising mit dem Budget für Arbeit bei ihnen arbeiten kann.

„Dass es so gut klappt, wie hier, ist eher selten“, weiß Bent Bogena von der Eingliederungshilfe des Landkreises. Dabei wünscht er sich, dass noch mehr Betriebe offen sind, Menschen mit Beeinträchtigungen zu beschäftigen. „Es ist ja auch so, das Marcs Stelle dazu kommt. Er ersetzt niemanden, er ist quasi zusätzlich da“, sagt Kai Koch.

Gute Zusammenarbeit

Er und auch der Rest seines Teams würden jedem Betrieb empfehlen, offen zu sein. „Das klappt auch in der Zusammenarbeit mit dem Landkreis sehr gut“, bestätigt Wetendorf. Marc Ising ist der zweite Mitarbeiter mit Beeinträchtigung, den die Kurverwaltung beschäftigt. Alle Mitarbeiter können sich jedoch vorstellen, dass weitere dazu kommen. „Das funktioniert natürlich nur als Team. Aber wir sind einfach froh, wenn ein Mitarbeiter sich hier wohlfühlt“, sagt Kai Koch. Und das tut Marc Ising. Mittlerweile sei er richtig gut bei der Arbeit angekommen, und auch die Gemeinschaft im Ort tue ihm gut. „Ich kann überall im dem Fahrrad hinfahren, das ist super“, sagt er.

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