Carolinensiel - Sie ist wieder da: Die Traditionsveranstaltung Wattensail. Nach dreijähriger Pandemie-Pause fiel sie mit 35 von knapp 50 erhofften Schiffen zwar etwas kleiner aus als erwartet. Dennoch knüpft das Traditionsschiffertreffen an, wo es 2019 endete.
Dorfgemeinschaft hilft tatkräftig mit
Die Wattensail sei nach wie vor mit die wichtigste Veranstaltung für Carolinensiel, erklärten Dr. Heike Ritter-Eden, Leiterin des Deutschen Sielhafenmuseums, und Dennis Geerdes, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Carolinensiel, während der Begrüßung der Schiffer und der Besucher, darunter eine stattliche Anzahl von Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verbänden. Alle zögen an einem Strang, betonte Geerdes. Allein die Dorfgemeinschaft Carolinensiel sei wieder mit 70 Helfern im Einsatz, um die Gäste zu bewirten oder Kinder zu unterhalten.
Als Schirmherr der WattenSail 2022 fungierte Professor Dr. Uwe Meiners, Präsident der Oldenburgischen Landschaft. Als Museumsfachmann und wissenschaftlicher Beirat des Deutschen Sielhafenmuseums in Carolinensiel hat er die Neugestaltung des seit Mai dieses Jahres wiedereröffneten Museums intensiv begleitet und fühlt sich dem zufolge auch der Wattensail eng verbunden. Zusammen mit den frisch restaurierten Museumsgebäuden Groot Hus und Kapitänshaus innerhalb einer authentisch erhaltenen Bebauung bietet der kleine Museumshafen eine unvergleichliche Kulisse für die kleinen und großen Traditionssegler.
Mit Nebelhorn zurSchiffsparade
Uwe Meiners folgt der Schirmfrau Siemtje Möller (MdB), die ihrem Nachfolger schon während der Eröffnung erklärte: Das Engagement für das Sielhafenmuseum werde ihn trotzdem nicht vor einer „Fahrt“ in der Hosenboje verschonen. Nicht nur der Schirmherr, auch viele Besucher machte das neugierig. Doch zunächst blies Prof. Dr. Uwe Meiners ins Nebelhorn und eröffnete damit die 31. Wattensail in Carolinensiel.
Für die musikalisch stimmungsvolle Untermalung sorgte zunächst das Friesländer Blasorchester. Der Shantychor Carolinensiel und andere Künstler folgten. Und alle erhielten verdient ihren Applaus. An Informationsständen trugen auch die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) und der Verein Historische Rettung aus Horumersiel zum Gelingen der Veranstaltung bei. Der Rotary-Club Wittmund-Esens verkaufte ein viele Meter langes Rosinenbrot.
Jedes Schiff wurde vorgestellt
Ein von Skippern und Schaulustigen erwarteter Höhepunkt der 31. Wattensail in Carolinensiel am Samstag war die Parade der Traditionssegler. Moderiert von Herbert Marx und Peter Siemer stellten sie jedes Schiff und seine Eigner im Wechsel vor. Was sodann wie eine Art Schiffs-Roulette im Museumshafen anmutete war der Start zur Schiffsparade. Nacheinander und in einer bestimmten Reihenfolge mussten die Schiffe den Hafen Richtung Harlesiel zunächst verlassen, um anschließend vor den Augen der Schaulustigen – wieder in einer bestimmten Reihenfolge – auf der Harle erneut in den Museumshafen einzulaufen.
Währenddessen und für viele Zuschauer eher unbemerkt, aber nicht weniger spannend, fand der Wettstreit der Ehrengäste im Krabbenpulen statt. Trotz Wahlkampfzeiten kam es nicht zur Politschlacht. Vielmehr war es ein Mann aus der Finanzwelt, der in sieben Minuten genau die vorgegebene Anzahl an frischen Nordseegarnelen gepult hatte. Fingerspitzengefühl und Rechnen können zahlt sich eben aus. Sieger wurde Jan-Siefke Dirks, Vorstand der Volksbank Esens.
Angeführt vom Museumskutter
Während noch lange über das Krabbenpulen diskutiert wurde, kehrten die ersten Traditionsschiffer zurück, um sich ein Liegeplätzchen zu suchen. Angeführt wurde die Parade wie seit Jahren vom Museumskutter Gebrüder AZ5.
Weiterer Höhepunkt war die Präsentation von altem Rettungsgerät. An Seilen befestigt wurden zunächst Kinder in einer Hosenboje über die Harle gezogen, und dann der Schirmherr. Frei schwebend über der Harle hatten die Zugkräfte an Land plötzlich Durst. Der Schirmherr ging Baden. Doch Professor Dr. Uwe Meiners nahm es mit Humor. „Das ist fantastisch“, kommentierte er, kam aber um ein „Lösegeld“ nicht herum.
Freiluftgottesdienst, altes Handwerk wie das Seilemachen, Verzehrstände und die Traditionssegler lockten auch Sonntag vor der Abreise der meisten Schiffe noch einmal viele Besucher in den Museumshafen Carolinensiel.
