Esens/Wittmund - Die Corona-Sommerwelle hat Wittmund fest im Griff. Mit einer Inzidenz von 1650,3 liegt der Landkreis bundesweit auf Platz drei. Krankheitsbedingte Ausfälle in der Urlaubszeit sind für einige Betriebe ein Problem. In Esens ist eine Arztpraxis Corona-bedingt geschlossen, laut der Durchsage am Telefon bis Ende der Woche.
Stadtdirektor und Samtgemeindebürgermeister Harald Hinrichs zufolge fallen in der Esenser Verwaltung knapp 20 Prozent der Mitarbeiter krank aus. Vor dem Schützenfest waren es durchschnittlich zehn Prozent. Auch Langeoog ist betroffen. „Wir haben einige Ausfälle speziell in der Schifffahrt, die treiben uns um“, berichtet Bürgermeisterin Heike Horn.
3172 Tests in sieben Tagen
Dass diese Infektionen in direkter Verbindung zum Esenser Schützenfest vergangenes Wochenende stehen, sei durch Zahlen allerdings nicht zu belegen, sagt Hans-Günther Kirchhoff, Kreisgeschäftsführer des DRK Wittmund. Die Zahlen seien ohnehin schwer zu bewerten: An den Teststellen könne sich jeder testen lassen, unabhängig vom Wohnort. Außerdem sei nicht jeder positiver Schnelltest ein neuer Fall, weil einige mehrfach versuchen, sich freizutesten. In den vergangenen sieben Tagen hat das DRK Kirchhoff zufolge 3172 Tests durchgeführt. Davon waren 1426 positive Schnelltests, insgesamt positiv waren 2521 – das sind aber alle positiven PCR- und Schnelltests, zum Teil also von denselben Personen und auch aus dem Zeitraum davor, weil PCR-Tests länger dauern.
Statt den Großveranstaltungen wie Schützenfest oder Bürgermarkt seien ohnehin eher private Zusammenkünfte oder nachgeholte Vereinsfeste, die in Innenräumen stattfinden, die Pandemietreiber. Die Leute hätten sowohl die als auch die großen Feste jetzt gebraucht, sagt Kirchhoff.
Festzelte sind das Problem
Verständnis dafür äußert auch Dr. Wolfram Nagel, Vorsitzender des Ärztevereins des Landkreises Wittmund. „Man merkt einerseits, dass die Leute keine Lust mehr auf Pandemie haben und das Feiern genießen. Andererseits sind diese Festzelte schon Brutstätten der Pandemie.“ Man tanze, sei außer Atem und komme anderen sehr nah. Wenig Risiko sieht Nagel hingegen bei Open-Air-Veranstaltungen. Zudem gebe es bei Omikron weniger lebensbedrohliche Fälle als bei anderen Varianten. Grundsätzlich sei aber überall da, wo jetzt Feste stattfinden, mit mehr Fällen zu rechnen.
