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Kirche und Landwirte über „Herbstfest“ Mit traditionellem Erntedankfest über die Herausforderungen nachdenken

Vielerorts werden in den kommenden Wochen wieder Erntefeste mit Korso sowie kirchliche Erntedankfeste veranstaltet. Derartiges hat auch heute noch einen wichtigen Sinn, sagen die Landwirte und die Kirche.

Vielerorts werden in den kommenden Wochen wieder Erntefeste mit Korso sowie kirchliche Erntedankfeste veranstaltet. Derartiges hat auch heute noch einen wichtigen Sinn, sagen die Landwirte und die Kirche.

Detlef Kiesé

Harlingerland - Als herbstliches Volksfest haben die Erntefeste mit Korso, Tanzveranstaltung, Dreschvorführung und Gottesdienst einen großen Stellenwert vor allem bei der ländlichen Bevölkerung im Harlingerland. Manche Gruppen in den Dorfvereinen beschäftigen sich über einen langen Zeitraum mit der Organisation und dem Bau von originellen Korsowagen, wobei man teilweise mit Nachwuchssorgen zu kämpfen hat.

Anlass für eins der ältesten Feste der Menschheit ist der Abschluss der Erntezeit. Mit einer Feier dankt man Gott dafür, dass er die Früchte, das Gemüse und das Getreide hat gedeihen lassen. Das Erntedankfest hat deshalb gerade in den ländlichen Gemeinden noch eine große Bedeutung. Im Kirchenjahr ist generell immer der erste Sonntag im Oktober für das Erntedankfest reserviert. Manchmal allerdings passen sich Kirchengemeinden auch an die Termine der örtlichen Erntefeste der Vereine an.

Kirchliche Gemeinschaft

„Erntekronen werden gemeinschaftlich gebunden, Gottesdienste zusammen mit den Landfrauen oder anderen Menschen gestaltet und mit kleinen Gemeindefesten verbunden“, beschreibt Eva Hadem, Superintendentin im Kirchenkreis Harlingerland. Gerade in den Kindertagesstätten in evangelischer Trägerschaft werde sehr bewusst das Erntefest gefeiert.

In manchen Kirchengemeinden sind die Kindergärten und Grundschulen auch beim Schmücken des Erntealtars und beim Gottesdienst in der Kirche beteiligt. Das Erntefest, so Eva Hadem, bleibe „eine gut und sinnstiftende Gelegenheit, um über die vielen Herausforderungen nachzudenken, die sich um unseren Grundauftrag ranken: Wie bebauen und bewahren wir diese Erde, damit auch kommende Generationen gut leben können?“

Eine einfache Antwort auf diese Frage habe keiner. „Aber darüber gemeinsam nachzudenken ist wichtig. Und wir tun das im Horizont der Dankbarkeit beim Erntedankfest“, betont die Superintendentin. Das sei eine positive Grundhaltung, die neue Perspektiven eröffnet.

Schwierige Bedingungen

Auch wenn eine sichere Ernte in der heutigen Zeit durch manche Einflussfaktoren nicht selbstverständlich ist, hätten die Landwirte im Harlingerland durchaus Grund, dankbar zu sein und ein Erntedankfest zu feiern. Das sagt Manfred Tannen, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen und Präsident des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für Ostfriesland. So habe sich beispielsweise in diesem Jahr gezeigt, dass sich der anhaltende Regen negativ auf die Qualität des geernteten Getreides und Rapses ausgewirkt hat.

Außerdem seien die Abgabepreise für die Landwirte derzeit wieder gefallen sowie die schwierigen Bedingungen der Getreideernte und die Situation in der Ukraine bislang nicht nachhaltig eingepreist. „Man darf dabei nicht vergessen, dass wir Landwirte davon leben müssen“, unterstreicht der Funktionär aus Westbense.

Erntefeste in der Region

Erntefest in Mullberg vom 25. bis 28. August, Erntekorso und Scheunenfete in Ochtersum am 26. August, Erntefest in Willen am 26. und 27. August, Döschkefest auf dem Hof Altona in Esens-Mamburg am 3. September; Erntekorso und Scheunenfete in Utarp-Schweindorf am 9. September (evtl. Gottesdienst am 10. September); Dorf- und Erntefest Abens am 16. und 17. September; Erntefest in Bentstreek vom 15. bis 17. September; Familien-Erntefest in Wittmund am 17. September; Erntefest in Osteraccum (Gemeinde Stedesdorf) am 23. und 24. September.

Auswirkung ungewiss

„Da die Ernte zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen ist, müssen wir abwarten, welche Auswirkungen die diesjährige Ernte auf den Weltmarkt und ärmere Länder hat“, merkt Manfred Tannen an. Grundsätzlich seien die Getreidelieferungen aus der Ukraine wichtig für die Sicherung der Welternährung und kämen insbesondere den Entwicklungsländern zugute. „Deshalb wird politisch versucht, diese Exporte zu sichern. Denn es wird für ärmere Länder schwer, mit Aufkäufen aus Industriestaaten wie Deutschland mitzuhalten.“ Die Bundesrepublik könne sich bei einigen Getreidesorten, wie zum Beispiel Weizen, gut selbst versorgen. „Bei anderen Sorten ist sie aber auch auf den Import angewiesen“, erklärt der Landvolk-Vizepräsident.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
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