Esens - Die Esenser zollen ihrem Wappentier Respekt: Nun schon seit 21 Jahren sorgen mehr als 50 Bärenplastiken im Ortsbild und an anderen Punkten für bunte Blickfänge, die zu den Lieblingsfotomotiven der Urlauber in Esens-Bensersiel gehören. Die Buddy-Bären, laut Hersteller Symbol für Toleranz und Verständigung, sind zum Markenzeichen und Aushängeschild im Nordseeheilbad geworden.
Eine der originellsten Entstehungsgeschichten hat der „Schwarzwaldhaus“-Bär, der jetzt wieder auf dem Schützenplatz Station macht. Der frühere Betreiber Noni Hinrichs hatte in Bayern einen Kuh-Tisch gesehen und nach diesem Vorbild mit Platzmeister Dieter „Buddy“ Kramer einen Tisch entwickelt, den Künstler Horst Buldt mit der kompletten Schützenuniform Kramers gestaltete. Ausschließlich in Esens kommt dieses Unikat seither zur Geltung, ist aber auch auf Bierdeckeln zu sehen.
Neue Exemplare
Neu im Stadtbild ist der aufrecht stehende Bär vor der Praxis des Esenser Arztes Oliver Dübbel an der Auricher Straße. „Ich bin schon lange ein Fan des Künstlers Horst Buldt und besitze viele Exponate von ihm“, berichtet der Mediziner. Weil das auch die Familie weiß, hat sie den Kunstschaffenden mit der Gestaltung des „Bärenfells“ beauftragt, das Dübbel selbst im Arbeitsoutfit zeigen soll. Horst Buldt habe auch für die nicht einfache Beantragung gesorgt. Ebenfalls die Freiwillige Feuerwehr Esens hat einen derartigen Blickfang erhalten. Wie Ortsbrandmeister Thorsten Hübner mitteilt, handelt es sich um die Skulptur, die früher vor dem Herde-torcenter stand. Nach der Aufgabe der Sandomir-Filiale habe dessen Inhaber Jens Janßen den stehenden Bären der Wehr überlassen.
Arndt Janssen, ebenfalls Mitglied der Brandschützer, nahm im Anschluss in künstlerischer Manier die Neubemalung vor: Es entstand eine Figur in kompletter Einsatzkleidung. Der mittlerweile auch beleuchtete Hingucker, so Hübner, soll zum Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr feierlich übergeben werden.
Ebrecht hatte die Idee
Ehrenbürger Wilhelm Ebrecht, 1994 bis 2004 Bürgermeister, hatte im Vorfeld des 475-jährigen Stadtjubiläums im Jahr 2002 die Idee für die Bären-Plastiken und ließ sich dabei von den Vorbildern in Berlin leiten: Seinerzeit hielt er sich des Öfteren in der Bundeshauptstadt auf, wo Hunderte dieser Kunstobjekte das Straßenbild beleben. Ebrecht fragte nach und erhielt grünes Licht, die Plastiken auch nach Esens importieren zu dürfen. Der Bürgermeister schloss einen Vertrag mit dem Hersteller und machte in seiner Heimatstadt den Weg frei für Finanzierung und künstlerische Gestaltung.
Überwiegend Gewerbetreibende in Esens und Bensersiel, aber auch Privatpersonen finanzierten einen Polyesterbären, der von örtlichen Kunstschaffenden einen ganz individuellen Anstrich erhielt. Die Spezialisten der Autolackiererei Reinhold Kutschinski sorgten für Grundierung und wetterbeständige Vierfach-Schutzschicht.
Ausgefallene Namen
Den Bären, der 35 Kilo auf die Waage bringt, findet man in vier unterschiedlichen Körperhaltungen – auf zwei oder vier Pfoten stehend („Vierfüßler“, „Tänzer“), sitzend oder mit Kopfstand („Akrobat“).
Jedes Objekt hat einen mehr oder weniger originellen Namen erhalten: etwa Urlau-Bär, Sehbär, Wattenmeerbär, Fie-Bär, Reubär, Werbär, Dr. Bärlweiß, Kopfübär oder Obär. Es gibt einen „interkommunalen Bär“ mit Motiven aus dem ganzen Landkreis, aber nur ein weibliches Exemplar: In der Sozietät von Rechtsanwältin und Notarin Maike Tekken-Eden in der Butterstraße steht die „Anwaltsbärin“ – mit lackierten Nägeln.
