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Debatte im Friedeburger Forum Heutige Studenten sehen sich noch als Jugendliche

Wilko Janßen
Sie diskutierten auf dem Friedeburger Forum: Moderator Jürgen Boese, Kai-Olaf Maiwald, Ingo Renken, Matthias Bernhard, Nando Cordes, Clara Glomme und Janne Putschke (von links).

Sie diskutierten auf dem Friedeburger Forum: Moderator Jürgen Boese, Kai-Olaf Maiwald, Ingo Renken, Matthias Bernhard, Nando Cordes, Clara Glomme und Janne Putschke (von links).

Wilko Janßen

Friedeburg - 18 Jahre alt und damit volljährig ist das Friedeburger Forum. Schon immer war die Diskussionsrunde ein „Appetitanreger“ für ein dann folgendes gesellschaftliches Ereignis. War es viele Jahre lang das „Friedeburger Festival“, was nur wenige Tage später folgte, ist das Forum am vergangenen Wochenende sogar aufgewertet worden. Es fand am späten Sonnabendnachmittag unmittelbar vor der Premiere des „Spätsommer-Vergnügens“ statt. Und was lag da näher als diesmal das Thema „Volljährigkeit“ in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen?

Jugendphase dauert länger

Zu Beginn gab es wie gewohnt ein Impulsreferat. Der Soziologe Prof. Dr. Kai-Olaf Maiwald von der Universität Osnabrück erklärte den etwa 100 Zuhörern in der Aula der Schule „Altes Amt Friedeburg“ zunächst den Unterschied zwischen der „äußeren Seite“ und der „inneren Seite“ des Erwachsenwerdens. Eigentlich ist es ganz einfach: „Äußerlich“ spricht man den Menschen in Deutschland eine frühere Reife zu als noch vor Jahrzehnten. Das Wahlalter wurde nach und nach gesenkt, das „begleitete Fahren“ erlaubt ein Autofahren mit 17 Jahren. Bei der „inneren Seite“ des Erwachsenwerdens betrachtet man in der Soziologie den Bildungsstand, ein klares berufliches Ziel, eine verantwortliche Haltung zur Gemeinschaft und die Fähigkeit, ernsthafte Beziehungen führen zu können. Und in diesen Punkten hat Maiwald eine gegenteilige Tendenz bemerkt: Die Jugendphase gehe bei einigen Menschen sogar bis ins vierte Lebensjahrzehnt hinein.

Der Professor wusste dazu einige Anekdoten aus seinem Alltag an der Universität zu berichten. So bezeichneten Studenten ihre Eltern ihm gegenüber noch als „Mama“ und „Papa“. Die Studenten sähen sich selbst noch als Jugendliche, gleichzeitig ausdrücklich nicht als Erwachsene. Erst in einem Alter von 25 bis 30 Jahren erfolge der nächste Entwicklungsschritt zu einem erwachsenen Menschen. 2020 wohnten übrigens 28 Prozent der 25-Jährigen noch bei ihren Eltern.

Soweit die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Doch wie sieht der Bürger von nebenan die Jugend von heute? Nun bat Moderator Jürgen Boese einige Diskussionsteilnehmer, Jugendliche und ehemalige Jugendliche, auf die Bühne. Neben Professor Maiwald waren dies Nando Cordes, Abgeordneter im Friedeburger Jugendparlament, die 15-jährige Clara Glomme, die 16-jährige Janne Putschke, der unter anderem als Fahrschullehrer tätige Ingo Renken sowie Matthias Bernhard, zugleich Bauingenieur und Gastwirt. Die Vertreter der etwas älteren Generation, Renken und Bernhard, konnten genau festmachen, wann sie sich als erwachsenen Menschen gefühlt haben: Der Auszug aus dem Elternhaus, das Ende der Berufsausbildung oder der Beginn des Studiums müssen früher markante biografische Daten gewesen sein. Mit Blick auf die heutige Jugend sagte Renken: „Der Ehrgeiz, möglichst früh den Autoführerschein zu erwerben, hat nachgelassen. Insgesamt sind Jugendliche heute weniger belastbar und können sich auch nur noch über einen kürzeren Zeitraum konzentrieren.“

So sieht es die Jugend

Nando Cordes, Clara Glomme und Janne Putschke machten in ihren Wortbeiträgen deutlich, dass sie nicht zu den Jugendlichen gehören, denen Renken nachlassende Leistungsbereitschaft attestierte. Sie verbindet das Ziel, sich möglichst schnell motorisiert im Straßenverkehr zu bewegen. Außerdem haben sie konkrete berufliche Vorstellungen. Aber es sei immer schwieriger, Kandidaten für das Friedeburger Jugendparlament zu finden – obwohl sich die heutige Jugend verstärkt für Politik interessiere. Und: Wer früher immer viel von den Eltern zur Schule gefahren worden sei, sei später tatsächlich weniger belastbar.

Mit diesen Erkenntnissen ging es dann raus zum „Spätsommer-Vergnügen“ auf dem Friedeburger Schützenplatz. Zuvor bedankte sich noch Bürgermeister Helfried Goetz bei Rena Peeks, Martina Putschke und Anke Glomme für die Mitorganisation des Forums. Lob gab es auch für die Friedeburger Landjugend, die die Besucher des Forums mit Getränken versorgte.

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