Wittmund/Aurich - Die Silvesternacht ist schon fast eine Woche her, sie wird vielen jedoch im Gedächtnis bleiben. Das liegt an den Bildern von Partywilligen, die ihre Böller und Raketen mit Absicht auf Polizeibeamte, Feuerwehr- und Rettungskräfte warfen und schwere Folgen in Kauf nahmen. Auch ein Feuerwehrwagen wurde angehalten und geplündert.
Durch Uniform zum Sündenbock
Diese Bilder machen auch Feuerwehrleute in Ostfriesland, wie Manuel Goldenstein, Sprecher der ostfriesischen Feuerwehren, betroffen: „Kollegen wurde dabei auch in den Hinterhalt gelockt – das ist ein Ding der Unmöglichkeit.“ Goldenstein nimmt an, dass diejenigen, die dem Staat schaden wollen, die Feuerwehren durch die Uniform und als Organ des Staates als Sündenbock ansehen. Denn: „Sonst ist es unerklärlich – wir wollen ja nur helfen.“
Kriegsähnliche Zustände in Niedersachsen
Was die Gewalt gegen Einsatzkräfte angeht, hier betont der Landesverband Niedersachsen der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in dieser Woche: „Was man in Großstädten traurigerweise mitunter schon gewohnt ist, nimmt auch in kleineren Orten überhand.“ Auch in Niedersachsen habe es teils „kriegsähnliche Zustände“ gegeben, sagt DPolG-Landesvorsitzender Patrick Seegers. Es sei besonders perfide, dass dort, wo geholfen werden soll, wo Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst für die Gesellschaft einstehen wollen, diese attackiert und verletzt werden. In der Silvesternacht gingen die Attacken und Übergriffe vornehmlich von größeren Gruppen junger Männer aus.
Vor allem verbale Angriffe
In Ostfriesland, so Goldenstein, kämen die – vor allem verbalen – Angriffe meist von Menschen, die man kennt: „Da wir in einer ländlichen Region sind, begegnet man sich immer wieder. Deswegen gehen wir auch davon aus, dass die Dunkelziffer der Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar Drohungen höher liegt.“ Feuerwehrverbände raten jedoch, die generell mehr werdenden Angriffe jeglicher Art – verbal oder körperlich – zur Anzeige zu bringen. Die Polizeiinspektion für die Kreise Wittmund und Aurich legt sogar Zahlen über die Angriffe vor: „Wurden 2019 noch 165 Polizeibeamte in unserem Zuständigkeitsbereich Ziel einer Straftat, so waren es 2020 laut Statistik bereits 170 und 2021 sogar 191.“ Die Kriminalstatistik für 2022 wird zwar erst im Frühjahr veröffentlicht, aber auch hier lasse sich bereits sagen, dass es erneut einen Anstieg gab.
„Wir müssen und wehren“
Erste Vorschläge, wie man auf die Gewalt reagieren könne, kommen unter anderem von Gewerkschaftler Seegers: „Harte Hand statt Samthandschuh – als Gesellschaft dürfen wir so etwas nicht zulassen und müssen uns wehren.“ Zur Diskussion sagt die Gewerkschaft Verdi wiederum, dass Feuerwehr und Rettungsdienste nicht mit Pfefferspray oder Schutzwesten ausgestattet werden sollten. Dies wurde nur zu einer weiteren Eskalationsstufe führen.
Was die Silvesternacht in Ostfriesland angeht, hier blieb es sowohl für Polizei und Feuerwehren ruhig und die Raketen landeten da, wo sie hingehören: Zuerst im Himmel, dann im Müll.
