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Engagement in Wittmund Verein „Kinder in Not“ besteht seit 50 Jahren

Wolfgang Malzahn

Wittmund/Jever - Optimistisch klingt es nicht gerade, was Gerd „Thelly“ Thellmann, als Vorsitzender der Blücher-Stiftung „Kinder in Not“ mit Sitz in Wittmund sagt: „Weltweit sind derzeit 90 Millionen Menschen auf der Flucht. 27 Millionen von ihnen sind unter 18 Jahre alt. Unsere Hilfe ist heute nötiger denn je.“ Doch auch mit 75 Jahren zeigt der engagierte Wittmunder viel Elan. „Solange es der liebe Gott will, werde ich mich weiter für unverschuldet in Not geratene Kinder einsetzen.“

Die Stiftung ist derzeit besonders aktiv. „Wir sind nur ein kleiner Verein und können nur begrenzt Geld ausgeben. Vergangenes Jahr waren es immerhin rund 22 000 Euro. Und dieses Jahr kommen wir bislang schon locker auf 35 000 Euro“, erklärt Thellmann.

Aktionen für Kinder aus der Ukraine

Ein Schwerpunkt sind augenblicklich ukrainische Flüchtlingskinder. So hat „Kinder in Not“ zusammen mit dem Verein SOS Ukraine in Jever kürzlich ein Kinderfest auf dem Gelände der Blücher-Loge in Rahrdum veranstaltet. Rund 35 junge Menschen erlebten einen fröhlichen Nachmittag mit Hamburgern, Pizza, kalten Getränken und Hüpfburg – und so ein wenig Ablenkung von den kriegerischen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat.

Zuvor hatte Thellmann Ausflüge für ukrainische Kinder organisiert, zum Beispiel zum Zoo in Jaderberg. Maßgeblich unterstützt wurden auch die regelmäßigen Hilfslieferungen von Renate und Ralf Brunken aus Roffhausen in die Ukraine.

Bevor solche Veranstaltungen stattfinden können, geht Thellmann erst einmal auf „Betteltour“, wie er es nennt. „Das liegt nicht jedem, für einen guten Zweck um Spenden zu bitten“, weiß der „Kinder in Not“-Vorsitzende aus Erfahrung. Aber er habe mittlerweile ein großes Netzwerk, das über Ostfriesland hinaus nach Bremen oder gar bis nach Berlin reicht. Und er kann ganz schön penetrant sein, wenn er bei möglichen Sponsoren persönlich nachhakt. „Die Leute wissen inzwischen, dass jeder Cent, den sie uns geben, ohne jegliche Abzüge bei den Kindern ankommt. Wir haben null Verwaltungskosten.“

Wenn Familien alles verlieren

Für Thellmann ist es zudem ein Gesetz, dass er niemals Geld an Betroffene auszahlt. Wie jetzt, nachdem zum Beispiel nach dem wiederholten Brand in einem Mehrfamilienhaus am Schützenplatz in Wittmund Familien dringend neue Möbel brauchen. „Die hatten nichts mehr, da war alles verrußt.“ Die Stiftung arbeitet gerne mit dem Wiesmoorer Möbelhaus Buss zusammen. Dort werden die benötigten Kinderzimmer-Möbel wie Betten und Schränke ausgesucht und direkt an die Betroffenen ausgeliefert.

Die Stiftung bekommt vom Händler zudem stets einen großzügigen Nachlass. So sei gewährleistet, dass die Spenden tatsächlich bei den Kindern landen und das Geld von den Eltern nicht für andere Zwecke verwendet wird. Zudem werde die Stiftung jedes Jahr vom Finanzamt geprüft. „Das ist schon jede Menge Bürokratie. Aber auch wichtig für unsere Sponsoren, damit sie wissen, dass ihr Geld in guten Händen ist“, sagt Thellmann.

„Kinder in Not“ gibt es bereits seit 1972. Doch lange Zeit führte die Stiftung eine Art Schattendasein. Vor sechs Jahren übernahm „Thelly“ Thellmann den Vorsitz. Er arbeitet eng mit den drei Vorstandsmitgliedern Detlef Klamandt, Bernd Jeske und Hans-Ludwig Janßen zusammen. Gemeinsam intensivierten sie die Hilfsaktionen.

„So lange wir ein gefülltes Konto haben, helfen wir“, betont der 75-Jährige. Geholfen wird immer, wenn Kinder darunter leiden müssen, dass ihre Eltern unverschuldet in Not geraten sind – zum Beispiel, weil der Vater wegen Krankheit seine Arbeit verloren hat. „Ich bin nicht gerade nah am Wasser gebaut, aber manchmal kommen auch mir die Tränen, wenn ich von solchen Schicksalen höre“, erzählt Thellmann.

Den Kontakt zu den Familien nicht verlieren

Mit der Spendenübergabe ist die Angelegenheit für die Stiftung aber nicht unbedingt erledigt. Thellmann: „Ich will die betroffenen Familien näher kennenlernen, will die Kontakte nicht verlieren. Oft kommt da auch für uns ganz viel zurück.“

Gelegentlich hört der Vorstand, dass die Stiftung offenbar in erster Linie ausländischen Mitbürgern hilft. Doch dieses Argument kann Thellmann entkräften. „Das hält sich durchaus die Waage.“ Deutsche Familien, die in Not geraten sind, wollen ihr Schicksal ungern in der Zeitung lesen.

Hilfe für Waisenkinder in Simbabwe

Eine Aktion des vergangenen Jahres soll wegen der großen Erfolgs auf jeden Fall wiederholt werden – die Hilfe für Waisen in Simbabwe. Dort wurde inzwischen ein Vertrauensverhältnis zu einem Einheimischen aufgebaut. Der bekommt – anders als sonst bei Stiftung üblich – knapp 2000 Euro überwiesen. Dafür kann er Babynahrung und -kleidung vor Ort einkaufen. „Auf diese Weise sparen wir uns die hohen Transportkosten und Zollauflagen“, sagt Thellmann und überlegt schon wieder, wen er als Spender für die nächste Hilfsaktion ansprechen könnte.

 Wer Kinder in Not“ unterstützen möchte kann auf folgende Konto Spende einzahlen:

Blücher-Stiftung „Kinder in Not“: LZO – DE 12 2805 0100 0050 1015 00.

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