Wittmund - Gerd Thellmann sitzt auf seiner Terrasse. Mehrere Stapel Unterlagen und Fotos hat er auf dem Tisch neben sich liegen. Über die letzten Jahrzehnte ist einiges an Erinnerungen zusammen gekommen. „Hier haben wir in Afrika gebohrt. Das waren die Kinder, denen ich Wasser und Brote vorbeigebracht habe“, sagt Thellmann und zieht ein Foto aus dem Stapel. Der 76-Jährige, der vielen eher als „Thelly“ bekannt ist, engagiert sich seit mehreren Jahrzehnten ehrenamtlich. Zum Teil privat, zum Teil in seiner Blücher-Stiftung „Kinder in Not“ oder in einem der vielen anderen Vereine, in denen er im Vorstand mitwirkt. Obwohl Thellmann seit mehreren Jahren im Ruhestand ist, arbeitet er jeden Tag sechs bis sieben Stunden – für sein Ehrenamt.
Der Schlüsselmoment
„Angefangen hat alles eigentlich hier“, sagt Thellmann und deutet auf das Foto. Dort habe er gemerkt, wie dankbar Kinder sind, bei Dingen, die für uns häufig selbstverständlich sind – wie kaltes Wasser oder belegte Brote. „Da hat in meinem Kopf etwas klick gemacht und ich habe gemerkt, dass ich helfen wollte.“
Name: Gerd „Thelly“ Thellmann
Alter: 76 Jahre
Beruf: im Ruhestand, vorher selbstständig in der Tiefbohrbranche
Wohnort: Wittmund
Ehrenämter: Blücher-Stiftung „Kinder in Not“, Hands of Fame, Afrika-Hilfe der Nordsee-Region, private Unterstützung von geflüchteten Familien bei Integration
Engagiert sich seit: ca. 1970er-Jahre
Ein Satz über mich: „Ich möchte, dass die Hilfe genau da ankommt, wo sie gebraucht wird.“
Bis er damit so richtig loslegen konnte, hat es jedoch noch eine Weile gedauert. Als Selbstständiger in der Tiefbohrbranche war Thellmann beruflich sehr eingespannt. Doch mit dem Renteneintritt wollte er sich voll und ganz dem Ehrenamt widmen. Seitdem er den Vorsitz der Blücher-Stiftung übernommen hat, ist viel passiert. Jährlich unterstützt die Stiftung bedürftige Kinder und Familien mit einem Gesamtspendenvolumen von rund 45 000 Euro. Ob für den kleinen Onno aus Reepsholt, dem ambulanten Hospizdienst für den Landkreis Wittmund oder dem Jugendwerk – Gerd Thellmann ist es wichtig, die Familien und Vereine zunächst persönlich kennenzulernen. „Ich gehe dahin und frage: Was braucht ihr? Und dann besorgen wird das. Egal ob Möbel für ein Kinderzimmer, Windeln oder so. Ich will, dass es da ankommt, wo es gebraucht wird“, sagt der 76-Jährige. Aus diesem Grund hält er auch im Nachgang Kontakt mit den Familien und Kindern – häufig über Jahre.
Privates Engagement
Privat unterstützt Thellmann außerdem mehrere Geflüchtete. Darunter ein junger Mann, der jetzt in Deutschland studiert und eine Familie mit fünf Kindern. „Zwei der Töchter leben mit einer Beeinträchtigung. Aber die Familie ist gut integriert“, sagt er. In dem von ihm initiierten Integrationsprojekt „Wir sitzen alle in einem Boot“ baute der 76-Jährige gemeinsam mit geflüchteten Männern das Metallboot, das heute vor dem Wittmunder Kreishaus steht. Viele von ihnen fanden während dieser Zeit Arbeitsplätze oder Praktika.
Für Gerd „Thelly“ Thellmann ist klar: Das Helfen ist zu seiner Lebensaufgabe geworden. Deswegen stört es ihn auch nicht, wenn plötzlich jemand mit einer Frage bei ihm im Garten steht, oder sein Handy unentwegt klingelt. Doch eine Regel gibt es: „Vor 10 Uhr braucht mich keiner anrufen, die Zeit verbringe ich mit meiner Frau.“
