Etzel - Mit Euphorie ist man im Forschungsprojekt H2Cast bei Storag Etzel damit beschäftigt, das technische Know-How für die Einspeicherung von Wasserstoff in die Kavernen zu erlangen. Lässt sich diese grüne Energie in einem industriellen Umfang im Salzstock lagern, welche Technik ist erforderlich?
Nicht nur Projektleiter Carsten Rickers ist optimistisch, wie es am Dienstag in einer Bürger-Informationsveranstaltung durchklang. In zwei Testkavernen, die für den Versuch mit 150 Lastwagen-Lieferungen Wasserstoff befüllt werden, sollen noch in diesem Jahr die Förderstränge eingebaut werden. So kann man von 2024 bis 2026 Erkenntnisse über das Ein- und Ausspeichern unter realistischen Maximaldrücken gewinnen.
Storag befasse sich damit, ein drittes Standbein aufbauen, wie Geschäftsführer Boris Richter berichtete. Mit den 24 Ölkavernen (Speichervolumen 11 Millionen Kubikmeter) verfüge man zwar über eins der größten Öllager in Europa. Und in den 51 Gaskavernen (3,9 Milliarden Kubikmeter) lagerten ein Sechstel der deutschen Reserve. Jetzt sei jedoch die Speicherung von Wasserstoff die Zukunft. Kapazitäten wolle man durch Umwidmung bestehender Ölkavernen schaffen sowie das Erschließen von 24 bereits genehmigten Potenzialkavernen.
Längerfristige Expansion
Parallel geht der Blick der Verantwortlichen bei Storag schon weiter: In einem zweiten Salzstock im Bereich Jever – Berdum plant man ein weiteres Kavernenfeld für die Einlagerung von Wasserstoff. Deshalb hat das Unternehmen 2022 beim Landesbergamt die Abbaurechte beantragt. Der Salzstock befindet sich in der einwohnerarmen Grenzregion der beiden Landkreise Wittmund und Friesland.
Denkbar, so Boris Richter, sind nach ersten Planungen 20 Kavernen, von denen überirdisch lediglich vier Verteilerplätze zu sehen sein werden. Mit einer 20 Kilometer langen Pipeline soll das neue Kavernenfeld mit den technischen Anlagen in Etzel verbunden werden. „Das ist ökonomisch sinnvoll, ökologisch sinnvoll und zeitnah umsetzbar“, sagte Richter.
Da derartige Genehmigungsverfahren eine mehrjährige Vorlaufzeit erfordern, geht man bei Storag mit einem Abschluss des Kavernenbaus nicht vor 2050 aus. „Ob das Vorhaben am Ende tatsächlich wirtschaftlich ist und realisiert werden wird, hängt maßgeblich vom zukünftigen Speicherbedarf für erneuerbare Energien in Deutschland ab.“
Bodenabsenkung
Auch im neuen Kavernenfeld bei der Goldenen Linie nördlich von Wiefels muss mit Bodenabsenkungen gerechnet werden, deren Ausmaß laut Marcel Sodmann noch nicht einschätzbar ist. In Etzel habe sich der Boden in der Muldenmitte über den 75 Hohlräumen mittlerweile um 68 Zentimeter gesenkt. Deshalb ist Storag gemeinsam mit der Sielacht Bockhorn-Friedeburg derzeit dort damit beschäftigt, die Schiffsbalje nördlich der Bundesstraße mit einem etwa 80 Zentimeter hohen Wall zu versehen.
In dieser Woche wird der Aufbau eines 90 Meter langen Probe- und Beobachtungskörpers abgeschlossen, der in den kommenden Monaten darüber Erkenntnisse liefern soll, ob trotz moorigen Untergrundes eine stabile Aufkantung der Uferböschungen angelegt werden kann. Fällt der Test positiv aus, wird die Schiffsbalje auf volle vier Kilometern Länge beidseitig mit diesem Hochwasserschutz versehen, sodass das Wasser nicht mehr auf die angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen läuft. Marcel Sodmann: „Mit diesem Verfahren vermeiden wir einen aufwendigen Bodenaustausch in großem Umfang.“
