Esens - Als Adeline Hegemann am 29. Januar 1920 im Bremerhavener Krankenhaus geboren, kann die heutige „Lina” Lorenz an diesem Sonntag im Kreise ihrer Lieben auf ihren 103. Geburtstag zurückblicken. Ihr Vater betrieb als Meister die Schmiede in Wersabe, einer Gemeinde, zwischen den Städten Bremerhaven und Bremen, in der Höhe der gegenüberliegenden Flussinsel Harriersand und der Stadt Brake gelegen. Bei der Geburt der Schwester im Jahr 1922 verstarben Mutter und Schwester, sodass „Lina” als Einzelkind bei ihrem Vater aufwuchs.
Nach der Schulzeit und der Konfirmation führte das junge Mädchen den Haushalt und war für die Büroarbeit und Buchführung des Schmiedebetriebes zuständig.
Späterer Ehemann arbeite in der Schmiede
1950 lernte sie ihren späteren Ehemann, den Schlosser Andreas Lorenz kennen, dem die Nachkriegswirren zunächst in der Landwirtschaft und dann in der väterlichen Schmiede Arbeit finden ließen. 1953 wurde geheiratet und 1956 kam die Tochter Andrea zur Welt.
Nach der Trennung von ihrem Ehemann hat sich Adeline Lorenz Arbeit gesucht. Jahrelang war sie so in Bremerhaven als Verkäuferin tätig. Parallel wurde sie, da sie etwas Klavier spielen konnte, auf Bitten der Kirchengemeinde Sandstedt, zur Organistin ausgebildet. Einen Feierabend kannte sie in diesem Lebensabschnitt nicht, denn der Gemüsegarten, Kind und der Haushalt mussten noch versorgt werden. Auch hat Lina Lorenz oft als Postbotin ausgeholfen und so waren 15-Stunden Arbeit am Tag üblich.
Im Jahr 1988 wurde bei der heutigen Jubilarin ein Gehirntumor festgestellt, dem eine schwere Operation folgte. Seit dieser Zeit ist sie im Sprechen beeinträchtigt; jedoch hat das ihren Lebensmut nicht gemindert.
Hobbys in der Reha aufgenommen
In der Reha-Maßnahme entdeckte sie die Stickerei, Seidenmalerei sowie das Handarbeiten als ihre neuen Hobbys. Galt doch bis zur Operation: „Arbeiten muss man – Hobbys muss man nicht haben”. Im Jahr 1991, das Wohnhaus und der Schmiedebetrieb waren verkauft, zog die heute 103-Jährige zu ihrer Tochter nach Esens. Die ersten Jahre war Adeline Lorenz viel in ihrem Garten an der Junker-Balthasar-Straße anzutreffen – oder viel unterwegs mit dem Fahrrad.
Auch heute ist sie noch sehr beweglich
Nach einem Sturz wurde das Rad gegen den Rollator eingetauscht, mit dem sie täglich in der Bärenstadt unterwegs war. Sie liebt und braucht auch heute noch die frische Luft und ist noch immer sehr beweglich.
Da die Tochter mittlerweile im Stuttgarter Raum lebt, ist nun bereits im dritten Jahr die Pflegekraft Regina Szamian eine große und hilfreiche Stütze. Ihren besonderen Geburtstag wird „Lina” Lorenz im Kreise ihrer Lieben verbringen. Nicht wirklich zu begreifen ist für die Jubilarin, inzwischen so alt geworden zu sein. Was sie jedoch gewiss weiß: „Ich lebe gerne”.
