Esens/Schweindorf - Der Besucher staunt nicht schlecht, als er das derzeit im Umbau befindliche Museum „Leben am Meer“ in der Esenser Peldemühle betritt. Im Flurbereich erblickt er ein Wandbild, auf dem einige markante Gebäude und auch „Persönlichkeiten“ aus der Geschichte der Stadt zu erkennen sind – allen voran der Esenser Bär, der auf einem Dach sitzt und genüsslich ein Tässchen Tee schlürft. Natürlich fehlt auf der Tasse nicht die bekannte ostfriesische Rose als filigran eingearbeitetes Detail.
Ein Fantasie-Esens
„Ich wollte quasi ein Fantasie-Esens schaffen. Man kann die Bärenstadt erkennen – aber irgendwie auch nicht“, sagt Karen Runge schmunzelnd. Die 46-jährige Kinderbuchillustratorin schloss am vergangenen Freitag einen Auftrag ab, der sich in spezieller Weise von ihren gewohnten Arbeiten abhebt. So gestaltete sie in dem Esenser Museum ein Wandbild für eine neue Kinderspiel-Ecke und schaffte somit einen besonders „verspielten“ Rahmen, der künftig nicht nur den kleinen Besuchern eine Freude bereiten dürfte. „Ich möchte in jedem Betrachter das innere Kind wecken. Jeder entdeckt andere Dinge in diesem Wimmelbild. Es ist spannend, zu sehen, was die Leute anspricht und was sie in dem Werk erkennen“, sagt Karen Runge, die sich freut, eine Woche lang in ihrer alten Heimat eine Aufgabe gefunden zu haben. Die heute in Berlin-Kreuzberg wohnhafte Künstlerin stammt aus Schweindorf, und sie empfindet es als großes Glück, dieses Mal nicht einfach „nur zu Besuch“ hier zu sein, sondern ihren Aufenthalt mit einem besonderen Auftrag abrunden zu können.
„Bensi“ im Bild
„Karen hat hier tolle und vor allem detailreiche Arbeit geleistet – sogar der altbekannte Kaugummiautomat vor der Gaststätte ,Milieu’ ist in dem Bild zu erkennen“, betont Museumsleiterin Anke Kuczinski, die die Wahlberlinerin im Rahmen der „Sommerakademie“ in Norden kennenlernte. Als die Neugestaltung der Spielecke anstand, kam Kuczinski direkt auf die Idee, Karen Runge mit dieser Aufgabe zu betreuen. „Ich war sofort begeistert, so etwas in Esens machen zu können. Ich machte ein paar Bilder vom Marktplatz, der zum Großteil von schönen alten Gebäuden gesäumt ist. Ich arbeitete Entwürfe aus, die ich dem Museum vorlegte – und bekam direkt ein positives Feedback“, so Karen Runge, die ihre Entwürfe auch testweise ihren kleinen Nichten vorlegte. „Ich lege großen Wert auf ihr Urteil. Sie mochten die Entwürfe auch sehr, allerdings reagierten sie ein wenig erschrocken auf ein gewisses Detail in Form von ,Bensi’, dem Skelett aus dem Watt, das hier im Museum ausgestellt wird. Die Nichten fragten: ,Warum ist da ein Skelett, was soll das da?’“ Allen Beteiligten war es aber wichtig, dass „Bensi“ in dem Bild auftaucht, und so stellte sich Karen Runge erfolgreich der Herausforderung, das Skelett möglichst freundlich aussehen zu lassen.
Inspirierender Alltag
Doch besonders angetan war Runge von der Möglichkeit, viele Häuser in ihr Werk einfließen zu lassen: „Diese bieten sich schließlich an, um hier Details zu platzieren, die man entdecken kann. Auch auf den Dächern ist was los“, verrät Karen Runge, die sich als freiberufliche Kinderbuchillustratorin von Alltagsbegegnungen und -entdeckungen inspirieren lässt. Oft und gerne wird sie von Verlagen engagiert; zudem gestaltete sie das Logo einer Kinderbuchhandlung. „Auch ein Verlag aus Südkorea zählt zu meinen Auftraggebern. Ich war schon mal in Südkorea und habe dort Visitenkarten verteilt“, sagt Karen Runge, die auch auf Instagram zu finden ist.
Die neue Kinderspiel-Ecke im Museum „Leben am Meer“ ist ab dem 15. März nutzbar. Gefördert wurde die Neugestaltung von der Geschwister-Else-und-Käthe-Becker-Stiftung Esens und dem Lions-Club Esens-Nordsee.
