Esens/Westerholt/Friedeburg - „Lehrermangel auf Rekordniveau“ lautet die Schlagzeile, die viele Eltern und Lehrer aufhorchen lässt. Doch wie sieht die Situation in der Region aus? Wir haben uns bei Schulen umgehört, ob die Unterrichtsversorgung gewährleistet ist und was sich die Lehrer wünschen.
Anja Renken-Abken ist mit der Situation an ihrer Schule zufrieden. Sie ist Leiterin des Niedersächsischen Internatsgymnasiums Esens (NIGE). „Wir können alles an Pflichtunterricht und was darüber hinausgeht, anbieten“, berichtet sie. Zur Zeit gebe es keinen Mangel. Aber in einigen Fächern sei es sehr viel einfacher, neue Lehrkräfte zu finden als in anderen – besonders betroffen seien die Naturwissenschaften.
Unterschiede bei den Fächern
„Ich habe hier aktuell zwei Informatiklehrer. Das geht, ich hätte aber lieber drei. Aber dafür gibt es keine Bewerber“, erklärt Renken-Abken. Zu wenig Menschen würden Naturwissenschaften studieren. „Wir merken das auch bei den Schülerinnen und Schülern, dass ihre Interessen vorwiegend bei anderen Fächern liegen.“
Das Grundproblem sieht die Schulleiterin in der Einstellung nach Wellen: „In den 1980er-Jahren wurden viele Lehrerinnen und Lehrer eingestellt, Anfang der 2000er auch.“ Das sehe man aber auch in den Kollegien. Gut wäre eine ausgewogene Altersstruktur, aber dafür müssten Lehrerinnen und Lehrer gleichmäßiger eingestellt werden.
An der David-Fabricius-Ganztagsschule Oberschule Westerholt hat sich die Situation mit Beginn dieses Halbjahres zugespitzt. Konrektor Christian Stelzer berichtet: „Wir hatten drei Stellen, die wir hätten besetzen können.“ Schlussendlich hätten sich die Bewerber jedoch für andere Schulen entschieden, weshalb die drei Lehrerstellen derzeit unbesetzt sind. Zudem habe sich eine Kollegin versetzen lassen, und eine weitere falle für längere Zeit aus. „Uns fehlen fünf Stellen“, sagt der stellvertretende Schulleiter.
Engagierte Kollegen kompensieren Engpass
Dennoch gebe es bis auf einen kleinen Engpass in Deutsch in keinem anderen Fach einen akuten Mangel, sodass die Unterrichtsversorgung sichergestellt ist, sagt der Lehrer erleichtert. Und: „Das Kollegium ist sehr engagiert, sodass wir die Ausfälle intern kompensieren können.“
An der Schule mit Haupt- und Realschulniveau arbeiten insgesamt 26 Lehrer und Lehrerinnen in Teil- und Vollzeit. Eine Konsequenz hat der Lehrermangel jedoch: Statt zwei Mal gibt es nur noch ein Mal verpflichtetenden Nachmittagsunterricht. Allerdings werde hier nicht der Kernunterricht gekürzt, sondern das Nebenangebot, etwa AGs.
Stelzer hofft, dass sich die Lage im Sommer mit Beginn des nächsten Schuljahres wieder verbessert. Denn dann könnten neue Lehrer eingestellt werden. Momentan werden zwei Referendarinnen an der Schule ausgebildet. Das Team würde sich wünschen, dass die beiden an der Oberschule bleiben möchten.
Stefan Willms, Schulleiter der Schule Altes Amt in Friedeburg, kann berichten, dass seine Schule zurzeit gut versorgt ist, „wenn auch nicht zu 100 Prozent“, schreibt er auf Nachfrage. Bislang habe seine Schule eine Unterversorgung mit einigen Extra-Stunden seines engagierten Kollegiums auffangen können. „Aber auch dies hat Grenzen im Hinblick auf die Belastbarkeit und kann kein Dauerzustand sein“, sagt der Schulleiter.
Auch eine Mangelversorgung von bestimmten Fächern gebe es derzeit an seiner Schule nicht. „Auch auf längere Sicht sehe ich dieses Problem nicht, vor allem weil sich die Kollegen durch Fortbildungen auch in andere Fächer einarbeiten“, erklärt der Schulleiter.

