Esens/Wiesmoor - Seit Mittwoch gilt in Deutschland der Tankrabatt. Um die Bürger angesichts der steigenden Inflation zu entlasten, hat die Bundesregierung eine Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel beschlossen. Wir haben uns an Tankstellen umgehört, was Betreiber und Kunden davon halten – und wie viel zum Start los war.
Ölpreis ist hoch
Maksut Saciri ist Inhaber der Access-Tankstelle in Wiesmoor. Er sagt: „Wir haben heute am 1. Juni mehr Tankungen als am Vortag. Der Dieselpreis ist bei uns vom 31. Mai mit 2,05 Euro auf 1,90 Euro am 1. Juni gefallen.“
An der Aral-Tankstelle in Wiesmoor hingegen reagieren die Menschen noch verhalten. Schlange steht hier niemand. „Es ist bisher noch ruhig. Die Menschen warten noch ab“, vermutet Dieter Wilhelms, der die Tankstelle betreibt am Mittwochmittag. Dabei sei der Spritpreis im Vergleich zum Vortag zwar niedriger, aber eben nicht wesentlich stark gesunken. „Der Ölpreis ist momentan sehr hoch, daher ist der Preis trotz des Tankrabattes hoch“, erklärt Wilhelms. Trotz der Absenkung der Energiesteuer könnte es sein, dass wenn der Preis für Öl weiter steigt, nur wenig beim Verbraucher ankommt. Doch richtig einschätzen könne man die Preisentwicklung erst nach einer Woche, meint Wilhelms.
Mittwoch, 10.45 Uhr an der Elan-Tankstelle in Esens. Eigentlich würde sich Shop-Leiterin Angelika Gerdes-Melle im Büro um Papierkram kümmern. Doch dafür hat sie an diesem Vormittag keine Zeit. „Es ist mehr los. Die Leute haben drauf gewartet“, sagt sie. In den vergangenen zwei Tagen hätten deutlich weniger Kunden getankt. Dafür sei an dem Mittwoch mehr Betrieb. „Dreiviertel der Kunden tanken voll“, schätzt die Shop-Leiterin.
Am Dienstag habe der Liter Diesel an der Tankstelle noch um die 2,20 Euro gekostet. Am Mittwochvormittag leuchtet auf der elektronischen Anzeigetafel 1,93 Euro auf. Die Benzinpreise sind laut Gerdes-Melle an der Kasse immer ein Thema. Nicht nur am Mittwoch. Mal hieße es, der Staat zocke die Autofahrer ab, mal, die Ölmultis zocken ab.
Tour nach Luxemburg
Peter Stein tankt an dem Vormittag auch. Er ist auf dem Rückweg in seine Heimat in der Nähe von Aachen. Sonntags fährt er zum Entspannen und um ein paar Euro zu sparen, von dort rüber nach Luxemburg. Das sind 110 Kilometer, wie er sagt, eine schöne Tour durch die Ardennen. Früher habe sich das richtig gelohnt. Er habe beim Tanken im Vergleich zu den Preisen in Deutschland zwischen 20 und 30 Euro gespart. Bei der Gelegenheit habe er auch noch Zigaretten und Kaffee gekauft. Ersparnis insgesamt: zwischen 100 und 120 Euro. „Aber auch der Kaffee ist teurer geworden“, erzählt Stein.
Daniel Rohrmann will am Mittwoch nicht an der erstbesten Tankstelle nachfüllen. Dort waren nämlich 2,18 Euro für den Liter Benzin aufgerufen. Rohrmann hat an der Küste Urlaub gemacht und fährt zurück ins Sauerland. Bevor er auf der Autobahnraststätte tanken muss, erledigt er das lieber in Esens. Zum Tankrabatt sagt er: „Wenn das richtig umgesetzt wird, ist das alles okay.“ Er befürchtet aber, dass die Preise wieder auf den „alten Preis“ steigen werden. Dann fühle er sich veräppelt.
Shop-Leiterin Angelika Gerdes-Melle kassiert unterdessen weiter ab. „Wir haben hier wirklich Action“, sagt sie beim Blick auf den Betrieb an den Zapfsäulen. „Das Büro kann ich heute knicken.“
