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Gebäude ist 113 Jahre alt In dieser Stadtvilla wohnten die Esenser Amtsrichter

Seit 1910 steht die Stadtvilla neben dem Amtsgericht am Drostentor in Esens. Die letzten Eigentümer legten großen Wert auf die Wiederherstellung des Ursprungszustands.

Seit 1910 steht die Stadtvilla neben dem Amtsgericht am Drostentor in Esens. Die letzten Eigentümer legten großen Wert auf die Wiederherstellung des Ursprungszustands.

Detlef Kiesé

Esens - Es handelt sich um eins der ehrwürdigsten Gebäude im Esenser Stadtgebiet. Deshalb war die Pflege und Sanierung der mehr als 110 Jahre alten Mauern immer auch Herzenssache der Eigentümer. Die Rede ist von der Jugendstil-Villa, die im Jahr 1910 direkt südlich des einstigen Amtsgerichtsgebäudes im Bereich vor dem Drostentor als Wohnraum für die aktiven Amtsrichter fertiggestellt wurde.

Bauunternehmer Hero Heeren schuf hier nahe der Amtshuus-Graft ein verputztes Gebäude mit Hochparterre. Das Erdgeschoss erhielt die Hauptwohnung mit sieben Räumen; ein schönes Treppenhaus mit Terrazzo-Fußboden führte ins erste Obergeschoss, wo sich eine weitere Dienstwohnung befand.

Bauherr: Land Preußen

Die Bauherrin, die Bezirksregierung Aurich der preußischen Landesregierung zur Zeit von Kaiser Wilhelm II., verwendete offensichtlich bewusst hochwertige Materialien, wie später der Monumentendienst bestätigte. Das Gebäude wurde mit einem Pfettendach ausgestattet; die Ost- und die Westfassade weisen ein mit einem Krüppelwalmdach bedachtes Risalit auf.

Im mittleren Teil der Nordfassade, die durch ein Zwerchhaus charakterisiert wird, existiert ein vorgebauter Eingangsbereich, der mit einem schmückenden Profilwerk eingefasst ist. Neben dem Haupteingang befindet sich ein Nebeneingang zu Küche und Keller für die Dienstboten.

Zeitweiser Leerstand

Nachdem die Amtsrichter Ernst Hoffmann 1976 und Günther Koelling 1978 wegen Eintritts in den Ruhestand ausgezogen waren, stand das Haus lange leer. Der Esenser Künstler Horst Buldt, der als Justizhauptwachtmeister noch in Diensten des Amtsgerichts stand, nutzte in der Adventszeit 1980 die unteren Räume für eine Ausstellung eigener Werke.

Heidelberger erwirbt Villa

Das Staatshochbauamt Wilhelmshaven bot das Haus im Jahr 1983 zum Verkauf an. Ein Investor erwarb die Immobilie, um im Obergeschoss Büroräume einzurichten, wofür er schnell den Parkettboden hochnehmen ließ. Doch dann entschied sich der Neueigentümer anders und verkaufte das halb instandgesetzte Gebäude an Ernst Trautmann aus Heidelberg, der sich als Urlauber in die Villa verliebt hatte. Der stellte die Renovierungen fertig und zog mit seiner Ehefrau ein.

Von ihm erwarben dann Ewald und Gisela Antons aus Altharlingersiel 1988 das Objekt und setzten die Sanierung in größerem Umfang fort. So wurden fünf Wohneinheiten geschaffen und der Dachboden ausgebaut. Alt-Fenster ließen sie durch Doppelglas-Sprossenfenster ersetzen.

Drainage

Als sich Antons von der Immobilie trennen wollten, griffen der Emder Diplom-Ingenieur und Musiker Andreas Klein und Ehefrau Birgit Haage 2002 zu. Im Amtsrichterhaus ließen sie die alten Zimmertüren mit Rundbogen wieder einsetzen.

Auch Barbara Fabian aus Neuharlingersiel, die das Haus auf dem 1500-Quadratmeter-Grundstück 2012 kaufte, legte großen Wert auf den Gebäudeerhalt und ließ eine neue Heizungsanlage einbauen, im Keller eine Waschküche installieren und um die Außenmauern eine Drainage legen.

Mieter kaufen Gebäude

Das aus Oldenburg stammende Ehepaar Aletta und Jendrik Opphard, das hier seit 2013 schon zur Miete gewohnt hatte, weil er den Leiterposten der Schifffahrt Langeoog im Fährhaus Bensersiel übernahm, griff 2018 zu, als sich Barbara Fabian von dem Objekt trennen wollte. Auch Opphards haben bereits erste Anstrengungen unternommen, die Stadtvilla zu erhalten. Unter anderem legten sie das originale Holzparkett wieder frei.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
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