Esens - Diese Nachricht hatte vor drei Jahren sogar bei den Archäologen der Ostfriesischen Landschaft für Herzklopfen gesorgt: Die Stadt Esens erwarb im Frühjahr 2020 an der Burgstraße die Mauern, zwischen denen sich bis zur Pogromnacht im November 1938 die Synagoge befunden hatte. Das Gebäude soll wieder nutzbar gemacht werden. Doch seither ist nicht viel passiert.
„Dabei sind wir voller Tatendrang“, berichtet Jens Ritter. Er ist Vorsitzender des Ökumenischen Arbeitskreises Juden und Christen, der seit drei Jahrzehnten das Museum August-Gottschalk-Haus betreibt, ebenfalls eine kommunale Liegenschaft. Im Beisein der Bundestagsabgeordneten Siemtje Möller hatte man seinerzeit besprochen, dass sich die Grabungstechniker mit dem Gebäude beschäftigen und ein Nutzungskonzept erarbeitet wird. Aber auch die anvisierte historisch-wissenschaftlich Untersuchung steht noch aus.
Erkundigungen eingeholt
Als einen kleinen ersten Schritt haben Bürgermeisterin Karin Emken, Stadtdirektor Harald Hinrichs, Bauamtsleiterin Janna Kutsche sowie Museumsleiterin Anke Kuczinski und Jens Ritter im Frühjahr dieses Jahres immerhin eine Informationsfahrt unternommen. In Stadthagen, westlich von Hannover, ließ man sich erläutern, wie es gelang, aus einer früheren Synagoge ein Begegnungszentrum zu machen. „Auch dort kümmert sich ein Verein um die Belebung des Baudenkmals“, berichtet Ritter.
Für Esens wünscht sich der Arbeitskreis-Vorsitzende, dass die Stadtverwaltung die Expertise eines Architekten einholt und potenzielle Geldgeber ausfindig macht. „Wir würden auch gerne die in Aussicht gestellte Nutzungsvereinbarung unterzeichnen, um endlich weiterzukommen“, macht es Jens Ritter dringlich. Die Synagoge solle in ihrem einstigen Kubus mit einer Grundfläche von 90 Quadratmetern und den hohen Außenmauern wieder aufgebaut werden und im Inneren die frühere Empore wiedererhalten. Der Gesamtraum könnte für kleine Kulturveranstaltungen genutzt werden, aber auch als Ersatz für die vor Jahren eingestellte Kunstgalerie „Müllerhaus“ dienen.
Nutzungskonzept erforderlich
„Auch wir wünschen uns mehr Geschwindigkeit“, erklärt auf Nachfrage Harald Hinrichs und deutet an, dass eine archäologische Untersuchung gar nicht erforderlich sein könnte. Die Verwaltung „bastelt an einem Nutzungkonzept“, in dem auch die bauliche Entwicklung beschrieben wird. Das Papier benötige man, um Fördergelder beantragen zu können „Das Haus wird allerdings nicht mehr kirchlich genutzt werden“, unterstreicht der Stadtdirektor.
Letztlich sieht Vorsitzender Ritter eine finale Bauphase als erforderlich: Synagogen-Gebäude und Gottschalk-Haus sollen mit einem transparenten Trakt verbunden werden, der Garderobe, Stuhllager und Toiletten aufnimmt, die beiden Bereichen zugutekommen. Bürgermeisterin Emken hält das Ensemble der Synagoge mit dem Schul- und Lehrerwohngebäude (August-Gottschalk-Haus) als unbedingt erhaltenswert, einmalig und außergewöhnlich. „In der zweiten Reihe gelegen soll es wieder an Bedeutung im Stadtbild und in der öffentlichen Wahrnehmung gewinnen.“
