Neuharlingersiel - Die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne) hat sich am Donnerstagvormittag mit Vertretern der Fischerei, des Tourismus und der Politik in Neuharlingersiel (Landkreis Wittmund) getroffen. Thema des Gesprächs war das von der EU geplante Verbot von Fischerei mit Schleppnetzen in Meeresschutzgebieten.
In den vergangenen Tagen hatte es massive Proteste vor allem der Krabbenfischer gegeben, die durch das drohende Verbot ein Aus ihres Berufes fürchten. Touristiker haben zudem Sorge vor einbrechenden Gästezahlen, wenn die Kutterfischerei an der ostfriesischen Küste wegfällt.
Im Anschluss an das Gespräch sagte Staudte den Fischerinnen und Fischern in Ostfriesland ihre Unterstützung zu. Das EU-Vorhaben nannte sie einen „Schnellschuss“ und so nicht umsetzbar. „Die Fischer haben sehr deutlich gemacht, was das für existenzbedrohende Auswirkungen auf sie hätte“, erklärte die Grünen-Politikerin. Genau für diesen persönlichen Austausch sei sie nach Neuharlingersiel gekommen.
„Ich freue mich ja, wenn junge Menschen sagen: ,Das ist mein Beruf und unsere Familientradition’.“ Ihr sei zudem bewusst geworden, welche Anstrengungen schon unternommen worden seien, um die Fischerei nachhaltiger zu machen. Das Land habe diese Bestrebungen immer unterstützt, und es wäre paradox, diese Küstenfischerei abzuschaffen.
Staudte zeigte sich optimistisch, dass die Pläne so nicht umgesetzt werden. „Wir bekommen die Rückmeldung, dass viele in der Politik das kritisch sehen.“ Das gelte auch für das Bundeslandwirtschaftsministerium. Dennoch: „Für eine komplette Entwarnung ist es noch zu früh“, sagt Miriam Staudte.
Positiv bewertete Dr. Peter Breckling das Gespräch. Er ist Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbands (DFV). „Die Ministerin hat gut zugehört. Wenn sie jetzt sagt, sie nutzt ihre Kanäle, wünschen wir ihr Erfolg.“ Das EU-Vorhaben, jegliche Fischerei in Meeresschutzgebieten zu verbieten, deren Netze den Meeresboden berühren, sei undifferenziert. Es habe im Vorfeld nicht einmal eine Folgenabschätzung gegeben. In der Krabbenfischerei würden Netze mit Rollen verwendet, die nicht den Meeresboden aufwühlen. „Es gibt keine fachliche Begründung, das zu verbieten.“
Auch die Bürgermeister der Gemeinden Jemgum, Krummhörn, Norden, Dornum und Neuharlingersiel stellen sich hinter die Fischer. Sie haben einen offenen Brief an die Landes- und Bundesminister sowie alle niedersächsischen Abgeordneten in Landtag, Bundestag und der EU verfasst.
