Kreis Wittmund - Die deutschen Krabbenfischer können sich auch der vollen Unterstützung durch den Wittmunder Kreistag sicher sein. Einstimmig unterstützen die Abgeordneten den vor wenigen Tagen vorgestellten offenen Brief ostfriesischer Bürgermeister an die Landes- und Bundesminister sowie die Landtags-, Bundestags- und EU-Abgeordneten. Gemeinsam mit den Krabbenfischern wehren sich die Mandatsträger gegen die Pläne der EU, in europäischen Meeren von 2024 bis 2030 schrittweise die grundberührende Fischerei in Schutzgebieten zu untersagen.
Durch diesen EU-Aktionsplan würden die Fanggebiete der Fischer existenzgefährdend eingeschränkt, sagte Landrat Holger Heymann (SPD) in der Kreistagssitzung am Montag. 70 Prozent der Fanggründe würden blockiert, weil sie Natura-2000-Gebiete seien. Da könne man nicht mehr von „Einschränkungen“ sprechen — vielmehr komme die Regelung einem Berufsverbot gleich. Heymann erinnerte an die ostfriesische Geschichte: „Für alle Generationen war und ist es völlig normal, dass hier vor der Haustür gefischt wird.“ Neben den Fischereibetrieben hänge auch der Tourismus an der Fischerei.
Keine Beteiligung
Der Landrat beklagte, dass die EU einen Plan vorlege, ohne zuvor die Folgen abzuschätzen. „Wo war denn die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange?“, fragt Heymann. Und keiner habe mit den Betroffenen gesprochen. So massiv habe die Fischerei den Meeresboden in den vergangenen Jahrhunderten wohl nicht geschädigt, denn schließlich sei das Wattenmeer in den 1980er Jahren zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt worden, argumentierte Heymann. Inzwischen werde nach zertifizierten und umweltschonenden Verfahren gefischt. Auf Rollen liefen die Netze „vorsichtig über den Grund.“
Heinz Buss (SPD), Vorsitzender der Mehrheitsgruppe Rot-Grün-Plus, und Arthur Engelbrecht (CDU), Vorsitzender der CDU/FDP-Gruppe, hatten am Wochenende den Beschlussvorschlag für den Kreistag kurzfristig vorbereitet. Beide betonten, dass das Problem alle berührt.
Buss wies auf das Leitbild des Landkreises hin. Darin sei der Erhalt der Fanggründe und der Arbeitsplätze als Ziel festgeschrieben.
Konferenz in Büsum
Björn Fischer (CDU) erklärte: „Wir können mit der Unterstützung des offenen Briefes ganz aktuell ins Schwarze treffen, wenn wir das Papier nach Büsum schicken“. Dort soll die Situation der Fischer bei der an diesem Mittwoch beginnenden dreitägigen Konferenz der Agrarminister von Bund und Ländern ein Thema sein. Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen, wollen auch ostfriesische Fischer mit ihren Kuttern vor Ort festmachen.
Hans Hajo Janßen (Grüne) erklärte, den offenen Brief zu unterstützen. Er hätte sich allerdings eine konkretere Argumentation gewünscht, die unter anderem den Unterschied zwischen intensiver industrieller und extensiver Küstenfischerei aufzeigt.
