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Wittmunds Landrat zum Fischereiverbot „EU-Aktionsplan kommt einem Berufsverbot gleich“ – Kreistag stellt sich hinter Fischer

Klaus-Dieter Heimann
Schwarze Kreuze mit Netzen stehen als stiller Protest der Fischer am Hafen in Greetsiel. Überall in Ostfriesland ist der Unmut über den neuen EU-Aktionsplan groß – auch im Wittmunder Kreistag.

Schwarze Kreuze mit Netzen stehen als stiller Protest der Fischer am Hafen in Greetsiel. Überall in Ostfriesland ist der Unmut über den neuen EU-Aktionsplan groß – auch im Wittmunder Kreistag.

Lars Klemmer/dpa

Kreis Wittmund - Die deutschen Krabbenfischer können sich auch der vollen Unterstützung durch den Wittmunder Kreistag sicher sein. Einstimmig unterstützen die Abgeordneten den vor wenigen Tagen vorgestellten offenen Brief ostfriesischer Bürgermeister an die Landes- und Bundesminister sowie die Landtags-, Bundestags- und EU-Abgeordneten. Gemeinsam mit den Krabbenfischern wehren sich die Mandatsträger gegen die Pläne der EU, in europäischen Meeren von 2024 bis 2030 schrittweise die grundberührende Fischerei in Schutzgebieten zu untersagen.

Die Sondersitzung des Krummhörner Rates war sehr gut besucht. Vor allem Greetsieler Fischer und Landwirte aus der Gemeinde waren nach Pewsum gekommen. Mit zwei Gegenstimmen votierten die Politiker für die Resolution.

KRUMMHÖRNER RAT VERABSCHIEDET RESOLUTION Fast geschlossener Rückhalt für Fischer und Landwirte

Jens Tammen
Krummhörn

Durch diesen EU-Aktionsplan würden die Fanggebiete der Fischer existenzgefährdend eingeschränkt, sagte Landrat Holger Heymann (SPD) in der Kreistagssitzung am Montag. 70 Prozent der Fanggründe würden blockiert, weil sie Natura-2000-Gebiete seien. Da könne man nicht mehr von „Einschränkungen“ sprechen — vielmehr komme die Regelung einem Berufsverbot gleich. Heymann erinnerte an die ostfriesische Geschichte: „Für alle Generationen war und ist es völlig normal, dass hier vor der Haustür gefischt wird.“ Neben den Fischereibetrieben hänge auch der Tourismus an der Fischerei.

Keine Beteiligung

Der Landrat beklagte, dass die EU einen Plan vorlege, ohne zuvor die Folgen abzuschätzen. „Wo war denn die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange?“, fragt Heymann. Und keiner habe mit den Betroffenen gesprochen. So massiv habe die Fischerei den Meeresboden in den vergangenen Jahrhunderten wohl nicht geschädigt, denn schließlich sei das Wattenmeer in den 1980er Jahren zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt worden, argumentierte Heymann. Inzwischen werde nach zertifizierten und umweltschonenden Verfahren gefischt. Auf Rollen liefen die Netze „vorsichtig über den Grund.“

Heinz Buss (SPD), Vorsitzender der Mehrheitsgruppe Rot-Grün-Plus, und Arthur Engelbrecht (CDU), Vorsitzender der CDU/FDP-Gruppe, hatten am Wochenende den Beschlussvorschlag für den Kreistag kurzfristig vorbereitet. Beide betonten, dass das Problem alle berührt.

Buss wies auf das Leitbild des Landkreises hin. Darin sei der Erhalt der Fanggründe und der Arbeitsplätze als Ziel festgeschrieben.

Konferenz in Büsum

Björn Fischer (CDU) erklärte: „Wir können mit der Unterstützung des offenen Briefes ganz aktuell ins Schwarze treffen, wenn wir das Papier nach Büsum schicken“. Dort soll die Situation der Fischer bei der an diesem Mittwoch beginnenden dreitägigen Konferenz der Agrarminister von Bund und Ländern ein Thema sein. Um ihrem Protest Nachdruck zu verleihen, wollen auch ostfriesische Fischer mit ihren Kuttern vor Ort festmachen.

Auch die Fischer und Politiker in der Gemeinde Dornum sprachen sich gegen das Schleppernetzverbot aus. Westeraccumersiel werde von dem Verbot hart getroffen, heißt es.

ÄRGER UM GEPLANTES EU-SCHLEPPNETZVERBOT Ostfrieslands Politiker stehen hinter Krabbenfischern – nun auch Gegenwind aus der Gemeinde Dornum

Westeraccumersiel

Hans Hajo Janßen (Grüne) erklärte, den offenen Brief zu unterstützen. Er hätte sich allerdings eine konkretere Argumentation gewünscht, die unter anderem den Unterschied zwischen intensiver industrieller und extensiver Küstenfischerei aufzeigt.

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