Friedeburg - Die drei aufeinanderfolgenden Stürme der vergangenen Tage gingen auch am Friedeburger Stroot nicht spurlos vorüber. Im gesamten Waldgebiet sind vor allem Nadelbäume entwurzelt worden oder einfach abgebrochen.
„Es ist eigentlich Glück im Unglück, dass wir fast gleichzeitig mit den heftigen Stürmen auch unsere Waldpflegemaßnahmen im Stroot begonnen haben. Nun können wir unmittelbar auf den Sturmschaden reagieren“, erläutert Hans-Günter Willms vom Landkreis Wittmund. „Es sind nicht immer die Bäume entwurzelt worden, die wir planmäßig ernten wollten, aber vieles lässt sich noch regulieren.“
Und täglich knarrt die Motorsäge
Der ausgebildete Forstwirtschaftsmeister und von der Unteren Naturschutzbehörde als Stroot-Manager eingesetzte Fachmann hat jetzt im Friedeburger Waldgebiet viel zu tun. Hilfreich steht ihm Torsten Fauerbach aus Holtgast zur Seite. Ihre Motorsägen sind zurzeit täglich im Stroot zu hören.
Vom Sturm umgeworfene Bäume werden von den Wurzeln getrennt, entastet und in marktübliche Längen geschnitten. Auch einige stehende Bäume, vorher mit Farbe markiert, werden gefällt, was aus Gründen der Waldpflege geschieht. Die Waldarbeitsareale im Stroot sind mit Schildern und Absperrband gekennzeichnet, damit sich niemand unbefugt im Gefahrenbereich aufhält.
Pferde helfen bei bodenschonender Ernte
Eine Besonderheit der jetzt stattfindenden Holzernte ist, dass die Baumstämme mit Pferdegespannen der Rasse Boulonnais aus dem dichten Wald an die Wege gezogen werden. Diese sehr sensible und bodenschonende Holzerntemaßnahme ist ein traditionelles Handwerk, das nur noch wenige Spezialbetriebe in Norddeutschland beherrschen. Als Rückepferd bezeichnet man ein im Wald zum Holzrücken eingesetztes Pferd von gefällten und entasteten Baumstämmen.
Finn Ahrens, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde in Wittmund, hat den Holzrücke-Auftrag im Stroot ausgeschrieben und an den Forst- und Pferdefuhrbetrieb Stolzenberg aus Zernien im Wendland vergeben. Von dort sind Firmeneigentümer Kay Stolzenberg und Mitarbeiterin Julia nach Ostfriesland gekommen und jetzt mit zwei Kaltblutpferden an der Arbeit.
In verlässlicher Zusammenarbeit von Mensch und Tier wird Baumstamm nach Baumstamm aus dem dichten Wald an die Wege gezogen. Von dort werden die Baumstämme später zusammengesammelt und für den Verkauf an den Holzhandel auf größeren Holzhaufen konzentriert.
Trotz der jetzt eingetretenen Sturmschäden kann das eigentliche Ziel der Waldarbeiten im Stroot weiterverfolgt werden.
Altenpflege und Jugendförderung
„Wir hatten uns ja fest ein Projekt der Altenpflege und der Jugendförderung im Stroot vorgenommen. Dazu gehört das Entnehmen von Nadelbäumen, die an manchen Stellen uralten Eichen und Buchen das lebensnotwendige Licht streitig machen“, sagt Ahrens. Es sollen die Wuchsbedingungen junger Laubbäume enorm verbessert werden. So wird Laub- und Mischwald vermehrt, der Anteil von Fichten und Tannen verringert. Ahrens: „Die Unwetterereignisse zeigen uns deutlich, dass diese Nadelbäume starkem Wind nicht gut standhalten.“ Stürme würden die Region leider in Zukunft immer wieder heimsuchen.
