Friedeburg - Er besaß schon immer einen hohen Stellenwert in Friedeburg: In diesem Jahr begeht der Schützenverein sein 175-jähriges Bestehen. Nachweislich wurde den Friedeburgern 1847 die amtliche Genehmigung erteilt, ein Preisschießen und damit verbunden ein Schützenfest zu veranstalten.
Schützenvereine gab es schon vor Hunderten von Jahren. Sie hatten damals eine andere Bedeutung als heute, sind vielfach aus Schützengilden hervorgegangen, die vornehmlich die Aufgabe einer Bürgerwehr wahrzunehmen hatten. Schon damals wurde jedoch um die Königswürde geschossen und ordentlich gefeiert. Um 1880 wurde in Friedeburg zu Pfingsten auch das Schützenfest gefeiert. Es soll ein großes Volksfest gewesen sein, zu dem aus der näheren und weiteren Umgebung Besucher kamen.
Feiern bei Ennen
Gefeiert wurde das Schützenfest bei der damaligen Gaststätte Ennen (heute Deutsches Haus). Man baute mehrere Zelte auf – von einem blieb das Gerüst ganzjährig stehen. Geschossen wurde mit Büchsen mit abklappbarem Lauf wie bei Jagdgewehren. Die Waffen wurden mit selbst hergestellten Patronen geladen. Der damalige Kriegerverein Friedeburg baute bei der Gastwirtschaft Oltmanns einen Schießstand, auf dem jeden Sonntag geschossen wurde. Die Schützenfeste fanden damals noch jährlich in dem gewohnten Umfange statt. Der Erste Weltkrieg bereite dem jedoch ein Ende.
Die wirtschaftlich schweren Zeiten danach hemmten jede Vereinstätigkeit. Viele Schützen kehrten nicht wieder aus dem Krieg zurück. Dennoch belebten einige Menschen wieder das Schützenwesen in Deutschland. Die ersten Schützenfeste fanden 1920 statt – allerdings noch nicht in Friedeburg. Einen Neuanfang gab es erst 1935, mit Neuerungen wie Kleinkaliber- und Jungschützenabteilungen. 1931 war ein einheitliches Sportprogramm für Schützenvereine aufgestellt worden, wodurch das sportliche Schießen in den Vordergrund gerückt war. Das Vereinsleben der Schützen hatte sich wieder normalisiert; Festschießen und Schützenfeste fanden statt.
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs kam das Vereinsleben immer mehr zum Erliegen: Auch viele Schützen wurden zu den Waffen gerufen. Nach Ende des Kriegs sprachen die alliierten Militärregierungen ein generelles Vereinsverbot aus.
Neubeginn im Jahr 1949
Im Frühjahr 1949 wurde das Vereinsverbot aufgehoben, so fand in Friedeburg unter der Führung von Arno Oltmanns und Heinrich Jakobs mit 20 Mitgliedern des früheren Kleinkalibervereins von 1935 die Neugründung statt. Am 7. September 1949 gab man sich den Namen „Schützenverein Friedeburg“. Vorsitzender wurde Arno Oltmanns.
Noch im selben Jahr feierte man ein Schützenfest. Der letzte Schützenkönig von vor dem Krieg, Bernhard Wolzen, war 1942 vor Leningrad gefallen. Dessen Königskette, von seiner Frau Theda treu gehütet, wurde nun mit großem Umzug und Musik abgeholt. Dem Schützenzug voran trug der zwölfjährige Sohn Bernhard die Königskette zum Schießstand, wo sie dem neuen König Heinz Köhne umhängt wurde.
In Friedeburg fanden mehrere Bundesschießen des Ostfriesischen Schützenbundes statt, erstmals 1954.
Neuer Schießstand
Der Wirt des „Deutschen Hauses“, Friedrich Herkens, hatte 1935 auf seinem Grundstück am heutigen Schützenweg einen Kleinkaliber-Schießstand herrichten lassen. Nach dem Krieg hatte der neue Wirt des „Deutschen Hauses“, Robert Ricklefs, aufgrund der damals herrschenden Wohnungsnot den Schießstand als Notwohnung vermietet. Mit der Wiederaufnahme des Schießsports nutzte man dieses Gebäude aber wieder als Schießstand: Zum Schützenfest 1953 weihten die Mitglieder das renovierte Vereinsheim ein. Es umfasste zwei große Räume, ein Clubzimmer und eine Schießhalle, in der sich fünf Kleinkaliber-Schießstände befanden.
Ein neuer Schießstand wurde 1967 bei der Gaststätte „Deutsches Haus“ errichtet – mit zehn Luftgewehr- und vier Kleinkaliberständen, außerdem einem Auswertungs- und einem Aufenthaltsraum. Mit der Modernisierung des Schießstandes wurde 1989 der Kleinkalberstand überdacht.
2020 zogen dunkle Wolken für den Schützenverein auf, als das „Deutsche Haus“ verkauft und abgerissen werden sollte. Übergangsweise nutzte man den Schießstand des Schützenvereins Marx. Die Pläne zerschlugen sich, aber der neue Gebäudeeigentümer verpachtete den Schützen langfristig den Schießstand, in dem später sogar Bogenschießen möglich sein wird.
Schützenfest in den Sälen
Bis 1974 fand das Schützenfest auf dem Friedeburger Marktplatz statt, wo ein kleiner Rummel aufgebaut war. Den Schützenball feierte man in den Sälen des „Deutschen Hauses“ und der Gastwirtschaft Oltmanns, was für „Fußgängerverkehr“ zwischen den Gebäuden sorgte. Auch wurde der ehemalige Kuhstall des Deutschen Hauses für das Fest hergerichtet. Hier traf sich die Jugend zum Feiern.
Seit 1975 findet das Schützenfest als „Zeltfest“ auf dem Platz am Schützenweg statt. Den Schützenplatz richteten Mitglieder des Schützenvereins in Eigenleistung her. Jetzt konnte unter einem Dach gefeiert werden. Auch wurde der Rummelplatz deutlich vergrößert. Neben in der Regel drei Fahrgeschäften sind etliche Verzehr- und Spielbuden auf dem Schützenfest vertreten. Dadurch entwickelte sich das Friedeburger Schützenfest zum zweitgrößten im Landkreis Wittmund.
Das erste Schützenfest 1949 hatte man noch Ende September gefeiert, die beiden nächsten nach alter Tradition Pfingsten. In den folgenden Jahren wurde dann teils der September, teils der August, 1960 sogar der Juli genutzt. Ab 1961 gibt es mit dem vierten Wochenende im August einen festen Termin.
Bevölkerung eingebunden
Die Bevölkerung war beim Schützenfest stets eingebunden. In den 1950er-Jahren hatte der Schützenverein Friedeburg auch einen eigenen Spielmannszug unter der Leitung von Bertold Schieke. Von Anfang an beteiligt sich die Freiwillige Ortsfeuerwehr Friedeburg aktiv am Schützenfest, auch durch das Ausschießen des Feuerwehrkönigs. Schüler schießen ihren Kinderkönig aus; ihr Höhepunkt bildet am Samstag das Steigenlassen der Luftballons auf dem Sportplatz.
Seit Anfang der 1970er-Jahren beteiligen sich örtliche Vereine, Nachbarschaften und andere Gruppen durch das Löffelschießen an dem jährlichen Schützenfest. In den ersten Jahren nach der Vereinsgründung waren nur Männer im Schützenverein vertreten. 1971 wurde erstmals eine Damenkönigen ausgeschossen: Engeline Barth erzielte die Königswürde.
Gute Nachwuchsarbeit
Schon früh nach der Neugründung hatte der Schütze Heinrich Jakobs eine Jungschützen-Abteilung aufgebaut, die bis ins Erwachsenenalter für den Schießsport begeisterte. Auch heute noch sind Jugendliche bei den Schützen aktiv. Sportliche Höhepunkte waren in den 1990er-Jahren die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in München; 1996 wurde erstmals durch die Schülerinnen-Mannschaft mit Maren Kaul, Birthe Ricklefs und Tanja Sluiter der „Deutsche Meistertitel“ nach Friedeburg geholt. Erfolgreiche Teilnahmen an den Deutschen Meisterschaften mit sehr guten Ergebnissen folgten.
Zum Sportschießen mit Luftgewehr, Luftpistole und Kleinkalibergewehr kam 1986 das Bogenschießen, dessen Abteilung Erfolge bei Bezirks- und Landesmeisterschaften erzielte.
Briten stahlen die Vereinsfahne
Eine neue Vereinsfahne war im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen. So musste eine neue Fahne angeschafft werden.
Auf dem Schützenfest 1952 bildete die feierliche Weihe der neuen Fahne des Schützenvereins den Höhepunkt. 1964 wäre sie fast verloren gegangen, als Angehörige einer britischen Militäreinheit das Banner am Schützenfest-Sonnabend in Feierlaune mitgenommen hatten. Dank aufmerksamer Schützenbrüder wurde man jedoch fündig: In einem Biwak der Briten bei Wittmund wurde die Fahne, bereits zerlegt und auf verschiedene Laster zum Abtransport nach England verpackt, gefunden. Der zuständige britische Offizier entschuldigte sich und gab die Fahne dem Schützenverein zurück. Zur Erinnerung an diesen „Fahnenklau“ stiftete der britische Offizier einen Wimpel.
Eine neue Fahne erhielt der Schützenverein 1977; die jüngste Fahne wurde 2014 geweiht.
