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Natur und Wald Uralte Buchen sterben vor allem oft im Sommer

Rainer Köpsell

Friedeburg - Allgemein wird angenommen, dass die größte natürliche Lebensgefahr für alte Bäume durch Herbst- und Winterstürme ausgeht, die dann meist zum Abbrechen oder Entwurzeln führen. Das trifft für Nadelbäume und einige Laubbaumarten auch zu. Bei Buchen ist das anders, sie sterben oft im Sommer.

Ein Beispiel gibt es jetzt im Friedeburger Waldgebiet Stroot. Dort steht auf dem sogenannten Kaninchenberg eine Gruppe von vier greisen Buchen. Sie werden über 200 Jahre alt sein und aus der Zeit stammen, als der Stroot noch ein Weidegebiet für Tiere mit Heidekraut, Dornenbüschen und einigen älteren Baumgruppen war. Der zusammenhängende Wald aus Laub- und Nadelbäumen im Stroot entstand später durch gezielte Aufforstungen.

Am Kaninchenberg

Aus der Buchengruppe am Kaninchenberg ist kürzlich einer der Altbäume herausgebrochen. Ein dicker, etwa fünf Meter hoher Stumpf steht noch. Bei genauerem Hinsehen ist eine Specht-Bruthöhle an der Bruchstelle zu erkennen. Außerdem sind außen am Stamm große Fruchtkörper von Baumpilzen zu sehen. Es handelt sich um einen Befall von Weißfäule-Pilzen, zum Beispiel vom Zunderschwamm. Er lässt das Holz der Buche mit der Zeit weich, fasrig und gelb-weiß werden.

Buntspecht nistet

Der Pilz ist darauf spezialisiert, das Lignin, einen der beiden Hauptbaustoffe von Holz, zu zersetzen und daraus lebenswichtige Energie für seinen Stoffwechsel zu gewinnen. Wenn das Lignin dem Holz entzogen ist, bleibt nur die gelb-weiße, fasrige Zellulose übrig. Genau die erkennt man an den Bruchstücken der alten Buche im Stroot. Auch der Buntspecht wird vor ein paar Jahren gemerkt haben, dass die alte Buche vom Weißfäule-Pilz befallen war und sein Holz weicher wurde. Der Bau einer Bruthöhle fiel ihm damit leichter. Sicher mehrere Specht-Generationen sind in der großen Bruthöhle in fünf Meter Höhe sicher und behütet großgeworden. Jetzt müssen die Spechte sich aber eine andere Höhle bauen. Der Baum hat sein Ende wahrscheinlich an einem feuchten oder regnerischen Morgen gefunden. Im Sommer sind alle Blätter der Buchenkrone vollständig ausgetrieben. Wenn dann überall Feuchtigkeit oder Regenwasser an der gewaltigen Blattmasse hängt, wird das Gewicht der Krone so groß, dass der mürbe Stamm alles nicht mehr tragen kann. Mit einem lauten Krach bricht er ab, und die riesige Krone landet am Boden und zersplittert dort oft in mehrere Stücke. Das ist ein natürlicher Prozess, der Buchen im Alter zwischen 250 und 400 Jahren ereilt.

Andere Baumarten

Andere Laubbäume, zum Beispiel Eichen, Linden oder Bergahorn können wesentlich älter als Buchen werden. Aber auch bei ihnen führen letztlich Pilze, oft in Kombination mit anderen Organismen, zum natürlichen Ende.

Der Stroot befindet sich im Eigentum des Landkreises Wittmund. Die Behörde kümmert sich um Erhalt, Schutz und Pflege. Die Gemeinde Friedeburg übernimmt die Verkehrssicherung der Wege. Der Stumpf der jetzt abgebrochenen Buche wird stehenbleiben und ein interessantes Anschauungsobjekt sein. „Aus Naturschutzsicht bietet Totholz Leben für lange Zeit. In dem mürben Baumstumpf werden sich vielleicht Spechte an anderen Stellen Höhlen anlegen.

Alles beobachten

„Viele Insektenarten finden dort Unterschlupf und Nahrung. Kleinsäugetiere und Reptilien werden sich ebenfalls wohlfühlen. Und wir können als Menschen alles mit Respekt beobachten“, meint Finn Ahrens, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Wittmund.

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