Friedeburg - „Wir müssen nicht, wir wollen“, brachte es Helfried Goetz in der von Björn Fischer (CDU) geleiteten Gemeinderatssitzung auf den Punkt. Damit sprach der parteilose Bürgermeister die Bemühungen der Gemeinde Friedeburg an, im Zuständigkeitsbereich weitere Windkraftanlagen zuzulassen. „Das Thema werden wir mit Deutlichkeit und Dringlichkeit behandeln“, sagte er. Zahlreiche interessierte Bürger waren insbesondere zu diesem Tagesordnungspunkt in den Saal des Deutschen Hauses gekommen.
Ihnen teilte die Verwaltung den aktuellen Sachstand bei der Ermittlung von infrage kommenden Standorten für den Bau zusätzlicher Windmaschinen mit. Der Verwaltungsausschuss, daran erinnerte Bauamtsleiter Roland Abels, hatte vor einem Jahr eine Änderung des Flächennutzungsplanes beschlossen – mit dem Ziel, die Planung von Konzentrationsflächen für Energieanlagen im Außenbereich zu aktualisieren. „Die letzte Studie wurde 2015 erstellt. Die krisenbedingten Rahmenbedingungen haben sich seitdem aber geändert, was also eine Überprüfung der Studie sinnvoll erscheinen lässt“, sagte Abels.
Thalen beauftragt
Dabei gebe es keinen politischen Druck: Nach dem Inkrafttreten des „Wind-an-Land-Gesetzes“ des Bundes vor wenigen Wochen müsse Niedersachsen 2,2 Prozent der Landesfläche für die Windenergienutzung ausweisen, die Flächenzielvorgabe bis 2026 für den Landkreis liege bei 1,56 Prozent, was mit zwei Prozent schon heute erreicht sei.
Für die Ermittlung der Potentialflächen hatte die Kommune im November das Neuenburger Planungsbüro Thalen Consult GmbH beauftragt. Fachbereichsleiter Abels erklärte in der Sitzung das Prozedere: „Momentan wird das Gemeindegebiet nach den gesetzlichen Rahmenbedingungen, also den harten Kriterien überprüft. Die übriggebliebenen Flächen werden im Anschluss hinsichtlich eigener Ausschlusskriterien, also sogenannte weiche Kriterien, betrachtet.“ Mit den Ergebnissen, die öffentlich in einer Fachausschusssitzung präsentiert werden, rechnet man im Rathaus in wenigen Wochen.
Arbeitskreis geplant
Im Zuge der Nutzung erneuerbarer Energien hat die Gemeinde Friedeburg gleichzeitig eine zusätzliche Studie in Auftrag gegeben, die das Installieren von Freiflächen-Photovoltaikanlagen regeln soll. Aktuelle Änderungen im Landesraumordnungsprogramm fließen in die Betrachtung mit ein. „Hier gibt es allerdings nicht die Dringlichkeit wie bei der Windkraft“, merkte Helfried Goetz an. Ein Arbeitskreis Windkraft/Photovoltaik aus Politik und Verwaltung will sich intensiver mit den kommenden Fragen und Stellschrauben beschäftigen.
Zunächst fand im Januar bereits eine Gesprächsrunde statt, in der potentielle Vorhabenträger Stellung bezogen. „Hier ging es um die aktuelle Rechtssituation, den Sachstand der gemeindlichen Planung und die Unterstützung durch die Interessenten“, fasste Roland Abels zusammen. Anfang 2024 könne man gegebenenfalls die Planung abschließen.
Der Marxer Erich Janssen hinterfragte am Ende der Sitzung die bisherigen Abstandsregelungen. Und Hinrich Gerdes regte an, Fragen rund um die Windenergie im interkommunalen Austausch zu klären. Ihm machte der Bürgermeister deutlich, dass die Planungshoheit bei der Gemeinde bleibt. Allerdings ein für Windkraft erforderliches Umspannwerk ließe sich auch gemeinsam mit Nachbarn nutzen.
