Esens - Für ihre „Heimstätten“, wie die Bezeichnung vor 100 Jahren lautete, stellte die Wohnungsbaugesellschaft Gagfah standardisierte Baubeschreibungen her, die sich in verschiedenen Typen und leicht abgeänderter Ausstattung unterschieden. An der Bensersieler Straße in Esens wählten man die Bautypen E, F und G.
Den Ziegelrohbau führte man demnach mit 43 Zentimeter starkem Hohlmauerwerk aus. Das Dach deckten die Handwerker mit blau gedämpften Renser-Hohlpfannen ein; die Holzfenster des Erdgeschosses waren durch äußere Blendläden gesichert.
Die Gebäude erhielten fortschrittlich Gas- und Lichtanschluss und wurden an die städtische Abwasserkanalisation angeschlossen. Es gab sogar eine automatische Hauswasserversorgungsanlage, die mit Elektropumpen funktionierte. Für das Wasser-Klosett konnte man zwischen der Aufstellung im Badezimmer und im Untergeschoss wählen. Die Heimstätten ließ man für eine Ofenbeheizung herrichten, jedes Gebäude erhielt einen Kohlen-Einwurfschacht. Baulich möglich war bereits eine Zentralheizung, die hier allerdings nicht realisiert wurde.
Für den inneren Ausbau war eine Massivdecke zwischen Keller und Erdgeschoss vorgesehen, zwischen den sonstigen Geschossen Holzbalken. Für die Holzfußböden, auch in der Küche, verwendeten die Handwerker nordische Tannenbretter. „Die Fußböden des Flures und des Badezimmers sowie Aborte erhalten Fliesenbelag. Für den Herd und den Spülstein in der Küche werden insgesamt vier Quadratmeter Wandplatten angebracht“, wurden in der Baubeschreibung weitere Einzelheiten genannt. Es seien „Dreifüllungstüren“ vorgesehen, die Beschläge „eisenschwarz“ gebrannt.
Das gesamte installierte Holzwerk erhielt einen Ölfarben- und Lackanstrich, die Wände einen Leimfarbenanstrich, zu dem sich die Käufer alternativ eine Tapezierung der Zimmer wünschen konnten. Der „Heimstätter“ musste die Tapeten dann auf eigene Kosten liefern, wonach die Gagfah die Handwerksleistung als solche übernahm. „Küche und Bad erhalten einen eineinhalb Meter hohen Ölfarbensockel.“
Die Vorgarten-Einfriedigung bestand aus einem Holzzaun zwischen Massiv-Pfeilern. Der Zugangsweg zur Haustür wurde mit Zementplatten gelegt. Die Trennung der Heimstätten-Grundstücke untereinander erfolgte durch einen Maschendrahtzaun zwischen eisernen Pfosten. Die Häuser waren mit einem Leitungssystem für Frischwasser und Abwasser verbunden.
