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Gewalt gegen Frauen und Kinder Braucht der Landkreis Wittmund ein Frauenschutzhaus?

Sollte der Landkreis Wittmund sich Gedanken über ein Frauenhaus machen? Diese Diskussion wird zurzeit in der Politik geführt.

Sollte der Landkreis Wittmund sich Gedanken über ein Frauenhaus machen? Diese Diskussion wird zurzeit in der Politik geführt.

dpa

Kreis Wittmund - Braucht der Landkreis Wittmund ein Frauen- und Kinderschutzhaus? Um dieser Frage nachzugehen, haben die Mitglieder des Sozialausschusses für den Landkreis Wittmund Expertinnen und Experten eingeladen, die einen Überblick über die Situation im Kreisgebiet gegeben haben.

Jannes Ulferts, der neue Leiter des Wittmunder Polizeikommissariats, präsentierte den Ausschussmitgliedern die polizeiliche Kriminalitätsstatistik, die sogenannten PKS-Zahlen. Doch schnell wurde deutlich, dass diese Zahlen wenig aussagekräftig sind. „Nur 0,5 Prozent aller erlebten Gewalterfahrungen in Partnerschaften wurden angezeigt“, berichtet Ulferts aus einer Dunkelfeldstudie des Jahres 2021 vom Landeskriminalamt. „Das Dunkelfeld in diesem Bereich ist enorm hoch. Das liegt unter anderem daran, dass Opfer die Taten manchmal gar nicht als Straftat einordnen oder sich nicht trauen, etwas zu sagen“, erklärt der Kommissariatsleiter.

Jedoch landen auch nicht alle Frauen, die häusliche Gewalt erfahren, in einem Frauenhaus.

Beratungsstellen

Für eine gute Beratung und Unterstützung in solchen Fällen sorgen Irene Pflüger und ihre Kolleginnen aus Aurich. Mit dem Frauen- und Kinderschutzhaus, der Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS) und der Frauenberatungsstelle bei Gewalt bieten sie unterschiedliche Möglichkeiten, sich zu informieren und den ersten Schritt in ein gewaltfreies Umfeld zu gehen.

Im Frauen- und Kinderschutzhaus in Aurich kommen im Jahr durchschnittlich 38 Frauen unter. 3,4 kommen im Durchschnitt aus dem Landkreis Wittmund. „Wichtig zu wissen ist jedoch, dass ein Frauenhaus nicht regional ist. Frauen aus dem ganzen Land können nach Aurich kommen, genauso wie Frauen aus der Region in ganz Deutschland untergebracht werden können“, erklärt Pflüger. Bislang habe es noch keine Probleme gegeben, die Frauen in Aurich unterzubringen.

Eng wird es eher bei der BISS, erklärt die Referentin. Die Beratungsstelle arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Bis Oktober dieses Jahres wurde die Stelle von der Polizei 637 Mal über Fälle von häuslicher Gewalt informiert. 142 Meldungen stammen aus dem Landkreis Wittmund. „Wir versuchen dann mit jeder Person Kontakt aufzunehmen und eine Beratung anzubieten, so schnell wie möglich. Die Stelle ist jedoch nur mit 23 Stunden die Woche besetzt, das macht es manchmal schwierig“, erklärte die Referentin. Ähnliches berichtet Lars Remmers, Geschäftsführer der Diakonie. Das Beratungsaufkommen in Krisensituation sei so hoch, dass die Mitarbeiter zeitweise kaum hinterherkommen.

Uwe Casssens, erster Kreisrat ergänzte, dass in den Jahren 2019 bis 2023 19 Frauen aus dem Kreisgebiet Schutz in einem Frauenhaus gesucht haben. Das kostet den Landkreis durchschnittlich 30 000 Euro im Jahr.

Gleich Frauenhaus?

Die Forderung nach einem Frauenschutzhaus im Landkreis, die seitens der Politiker in Friedeburg gemacht wurde, nahm im Laufe der Diskussion eine andere Richtung: „Wir brauchen niedrigschwellige Beratungsangebote“, betonte Doris Stehle (Bündnis 90/Die Grünen).

Auch Landrat Holger Heymann fasste die Diskussion noch einmal zusammen: „Ich bin erschrocken, dass nicht jeder in seinem Zuhause Schutz hat. Ich denke es wird deutlich, dass wir uns zunächst Gedanken über mehr Beratungsangebote machen sollten.“ Man wolle zu dem Thema aber noch mit weiteren Stellen auf der ostfriesischen Halbinsel sprechen, um sich ein Bild der Situation zu machen.

Politikerinnen aus Friedeburg haben beantragt, im Landkreis Wittmund ein Frauenhaus als Zufluchtsort anzubieten.

POLITIKER SEHEN DRINGENDEN HANDLUNGSBEDARF Friedeburger Politiker wollen Frauenschutzhaus im Landkreis Wittmund

Detlef Kiesé
Friedeburg
Kim-Christin Hibbeler
Kim-Christin Hibbeler Redaktion Wittmund
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