Harlingerland/Middels - Jedes Grundschulkind in Deutschland soll ab dem Jahr 2026 einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung haben. „Das bedeutet, dass zunächst für die Klasse eins der Anspruch ab dem Schuljahr 2026/27 erfüllt werden muss und dieser dann für die ganze Grundschulzeit hindurch gilt“, erklärt Heiko Wolfram von der Samtgemeinde Holtriem. Jedes Jahr komme dann ein neuer Jahrgang mit dem besagten Anspruch hinzu, bis alle vier Klassenstufen davon erfasst sind.
Das Ganztagsschulangebot soll für fünf Tage in der Woche und mindestens über acht Stunden täglich gelten, heißt es weiter. „Ob das Angebot für die Eltern kostenfrei sein wird, ist nicht bekannt.“ Wie bereiten sich die Grundschulen im Harlingerland darauf vor, und wie sehen die Gemeinden diese Planung?
In der Samtgemeinde Holtriem werde bereits gegenwärtig an vier der sechs Grundschulstandorten ein Ganztagsangebot an vier Tagen vorgehalten; der Bedarf könne ausreichend gedeckt werden. Allerdings betont Heiko Wolfram: „Sofern auch an den anderen zwei Standorten ein Ganztagsangebot vorgehalten werden muss, sind schon wegen der Mittagsversorgung bauliche Maßnahmen zumindest nicht ausgeschlossen.“
Bevor nicht Klarheit über Art und Umfang des Anspruchs besteht, könnten seitens der Kommunen keine Beschlüsse gefasst und Planungen angeschoben werden.
Im Wittmunder Stadtgebiet wurde an den vier Grundschulen Burhafe, Carolinensiel, Leerhafe/Ardorf und Finkenburgschule bereits im Schuljahr 2015/16 ein offenes Ganztagsangebot für drei Tage in der Woche eingeführt. Das teilt Meino Schrage, Fachbereichsleiter Generationen, Sport und Kultur, mit. „Im Zuge der Einführung wurden an allen sechs Grundschulstandorten insbesondere die für den Betrieb notwendigen räumlichen Voraussetzungen geschaffen.“
„Aus heutiger Sicht dürften zum Schuljahr 2026/27 keine zusätzlichen Baumaßnahmen oder sonstigen Investitionen im Zusammenhang mit der Einführung eines Rechtsanspruchs zur ganztägigen Betreuung von Kindern im Grundschulalter erforderlich werden“, erklärt Schrage.
Auch an der Grundschule Middels gibt es laut Schulleiterin Renate Ippen ein Ganztagsangebot. Die Mensa wurde bereits erneuert und die Räume bieten genug Platz, auch falls künftig mehr Schüler betreut werden sollten.
Anders sieht es in der Friedeburger Grundschule am Standort Wiesede aus. Die Schülerzahlen haben sich dort schon in den zurückliegenden Jahren derart nach oben entwickelt, dass Fachräume zu Klassenräumen umfunktioniert und die Pausenhalle hinzugenommen werden musste.
„Beim Rechtsanspruch auf Ganztagsschule müssten noch geeignete Räume geschaffen werden“, sagt Fachbereichsleiter Nils Janssen von der Gemeindeverwaltung Friedeburg. „Diese Anforderungen des Eckpunktepapiers des Landes können in Wiesede aktuell nicht erfüllt werden; die baulichen Veränderungen müssen erst noch geschaffen werden.“
