Hartward - Wer mit dem Fahrrad von Esens nach Ostbense an den Deich will, muss ab Hartward vorsichtig werden. Denn hier endet der Radweg, der Rest der Strecke muss auf der Straße zurückgelegt werden. So ist die Situation seit 30 Jahren. Um das nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat Christian Jaletzke aus Hartward einen Ortstermin organisiert.
Nicht auf der Liste
Im Grunde sind sich im Landkreis alle einig, dass ein Radweg notwendig ist. Das betonen die Landtagskandidaten Karin Emken (SPD), Björn Fischer (CDU), Stephan Bünting (FDP) und Nicole Henkel (Grüne). Das Problem: Der Bau eines Radwegs an dieser Stelle ist nicht auf der Prioritätenliste des Landkreises vermerkt. Diese Liste wurde 2002 erstellt und nennt alle Fahrradwege, die bis 2030 gebaut werden sollen, jeweils einer pro Jahr.
Inzwischen seien aber mehr Radfahrer dort unterwegs, die Bedeutung der Strecke sei nicht mehr dieselbe, sagt Jaletzke. Familien oder ältere Verkehrsteilnehmer bögen in Hartward lieber ab statt auf der Kreisstraße weiterzufahren. Der Kreistag hat die Verwaltung bereits beauftragt, ein neues Programm für Fahrradwege aufzustellen. Da sollen auch touristisch genutzte Wege eine Rolle spielen. Trotzdem soll die bestehende Prioritätenliste zunächst wie geplant abgearbeitet werden. Ob eine neue Liste parallel begonnen wird, ist unklar. Denn die Förderung ist nur für eine Strecke pro Jahr vorgesehen.
Zuständig ist der Landkreis
Zuständig für den Radwegebau ist der Landkreis. Das betroffene Stück ist eine Kreisstraße. Der Kreistag hat 2017 beschlossen, den Bau mit 30 Prozent zu bezuschussen, wenn ihn jemand anderes baut. Hier brachte Jaletzke die Samtgemeinde Esens oder die Gemeinde Neuharlingersiel ins Spiel, in deren Bereich die Straße liegt.
Neuharlingersiel steckt bereits in den Planungen drin und hat ein Ingenieurbüro beauftragt. Das bestätigt auf Anfrage Ralf Klöker, Pressesprecher des Landkreises. Wie Neuharlingersiels Bürgermeister Jürgen Peters erklärt, werde derzeit alles vorbereitet, dass das Planfeststellungsverfahren losgehen kann. Zu den Vorbereitungen gehöre demnach auch das Zählen von Brutvögeln, weil die Straße in einem Vogelschutzgebiet liegt. Außerdem hätten bereits alle Grundstückseigentümer einem Verkauf der Flächen zugestimmt, auf denen der Radweg gebaut würde. Das sei sonst eine große Hürde. „Wir machen unsere Aufgaben.“ Dazu gehöre auch die Suche nach einer Kompensationsfläche, weil der Bau in die Natur eingreifen würde. „Wenn das Planfeststellungsverfahren läuft, brauchen wir aber den Landkreis für die Baugenehmigung“, sagt Peters.
Samtgemeindebürgermeister Harald Hinrichs betonte auf Nachfrage die Zuständigkeit des Landkreises für Radwege an Kreisstraßen. Die Samtgemeinde habe darüber hinaus genug eigene Investitionen zu bewerkstelligen. „Man muss sich im Klaren sein, dass solche Sachen heutzutage irrsinnig viel Zeit in Anspruch nehmen.“ Wenn ein Weg schneller gebaut werden soll, müsse er anders priorisiert werden.
Für Pop-up zu schmal
Jaletzke brachte außerdem Ideen für eine Übergangslösung ein, bis ein separater Radweg entsteht – etwa durch Konzepte wie Shared Space oder Pop-up-Radwege. Shared Space bedeutet, dass alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Rad- und Autofahrer – gleichberechtigt sind. Pop-up-Radwege sind durch gestrichelte Linien abgetrennte Bereiche auf der Fahrbahn. Jürgen Peters erteilt dem eine Absage. „Das passt hier nicht, weil das eine Kreisstraße ist.“ Das bestätigt Frank Buchholz von der Landesstraßenbaubehörde in Aurich auf Nachfrage. „Das Shared-Space-Prinzip kann man nicht außerorts umsetzen“, erklärt der Leiter des Geschäftsbereichs. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn die Straße in eine Gemeindestraße umgewandelt würde. Auch Pop-up-Radwege seien auf dieser Strecke nicht möglich. „Ein Radweg muss 2,50 Meter breit sein. Dafür braucht es entsprechend große Straßen, und das ist hier nicht gegeben.“
