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Gründe für Betriebs-Aus Heiko Ammen schließt 100 Jahre alte Dorfbäckerei in Dunum

Bäckermeister Heiko Ammen und Ehefrau Karin lösen Ende Juli ihre Backstube in Dunum auf. Dort ist seit Jahrzehnten auch das bekannte Ostfriesische Schwarzbrot hergestellt worden.

Bäckermeister Heiko Ammen und Ehefrau Karin lösen Ende Juli ihre Backstube in Dunum auf. Dort ist seit Jahrzehnten auch das bekannte Ostfriesische Schwarzbrot hergestellt worden.

Detlef Kiesé

Esens/Dunum/Wittmund - Sie ist eine der letzten eigenständigen Landbäckereien in Ostfriesland, die mit ihrem klassischen Handwerk die Genießer begeistern. Doch die Tage der Dorfbäckerei Ammen mit Sitz in Dunum (Samtgemeinde Esens) sind gezählt. „Am 27. Juli ist unser letzter Verkaufstag in unserem Geschäft in Esens“, berichtet Bäckermeister Heiko Ammen. Dessen Großvater Emil Ammen hatte den Betrieb vor 95 Jahren übernommen und das Ostfriesische Schwarzbrot geschaffen, für das die Firma noch heute bekannt ist. Aber auch Ossi-Rolle und Rumflockentorte wird es dann nicht mehr geben.

Nachfolge in Esenser Filiale

Wenn ihnen der Schritt auch nicht leicht fällt, so sind der Inhaber sowie Ehefrau Karin Ammen doch froh, dass sie einen Nachfolger für ihre Verkaufsstelle mit kleinem Café hinter der Pizzeria Roma gefunden haben. „Die Bäckerei Ulfers Eden aus Wilhelmshaven plant eine nahtlose Weiterführung – das bestehende Angebot soll bestehen bleiben.“ Und offensichtlich, so Karin Ammen, wollen auch die Verkäuferinnen zum neuen Arbeitgeber wechseln. Für Ulfers Eden handelt es sich dann um die 15. Filiale.

Vor allem sind es gesundheitliche Gründe des Bäckermeisters, die das Ehepaar zur Aufgabe des Betriebs bewogen haben. Eine Atemwegserkrankung lässt es schon seit 2021 nicht mehr zu, dass Heiko Ammen in der Dunumer Backstube stehen kann, wo die Waren für den Verkauf an der Emder Straße in Esens und im Nah&Gut-Markt der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Burhafe produziert werden.

Keine neuen Mitarbeiter gefunden

„Wir haben alles versucht, um neue Mitarbeiter zu gewinnen, haben aber niemanden gefunden“, bedauert Heiko Ammen, der einst in der Gesellenprüfungskommission der Kreishandwerkerschaft saß. Dabei habe man die Produktion bereits arbeitnehmerfreundlicher auf fünf Arbeitstage reduziert. „Vor 40 Jahren wurden im Landkreis Wittmund noch 110 Bäckergesellen freigesprochen. Heute sind es noch zwei Hände voll“, macht er die Entwicklung deutlich. Die beiden Bäckergesellen, die er Ende Juli entlässt, hätten gute Chancen, eine neue Anstellung zu bekommen.

In der Backstube (um 1960) von links:  Firmengründer Bäckermeister Emil Ammen, Hinrich Ortgies, Fritz Eden und Bäckermeister Ibo Ammen.

DUNUMER DORFBÄCKEREI MIT LANGER TRADITION Bäcker Ammen brachte Ostfriesisches Schwarzbrot einst übers Land

Detlef Kiesé
Dunum

Aufgrund seiner Erkrankung begnügt sich Heiko Ammen bereits seit Monaten so gut es geht mit der Schreibtischarbeit, bei der heutzutage ein Warenwirtschaftsprogramm unterstützt. Es war allerdings schon vor Jahren die explodierte Büroarbeit, die dem Ehepaar zusätzliche Mühen abverlangte. „Zu den bestehenden Vorschriften kam vor allem die Deklarierungspflicht, bei der wir die Zusammensetzung für jeden Rohstoff nachweisen müssen.“ Das sei für einen derart kleinen Betrieb und 20 Brotsorten im Programm ein Riesenaufwand, der nicht im Verhältnis zu den Erlösen steht. „Bei dem umfangreichen Papierkram haben wir uns dreimal überlegt, eine neue Brotsorte einzuführen“, merkt der Handwerksmeister an. Dabei seien es im Alltag vielleicht zwei Prozent der Kunden, die sich zum Beispiel für die Allergene in den Zutaten interessieren.

Sohn mochte nicht übernehmen

Auch mit der Unternehmensnachfolge hatten Karin und Heiko Ammen kein Glück: Die Tochter starb früh. Und Sohn Lutz Ammen, der noch bei Bäcker Grünhoff gelernt hatte, fand bei der Marine einen Beruf, der offensichtlich bessere Perspektiven bietet als der Betrieb einer Dorfbäckerei. „Gemeinsam hatten wir überlegt, ob es sich lohnt, noch einmal in neue Maschinen zu investieren“, berichtet Heiko Ammen. Aber schon vor Jahren habe sich abgezeichnet, dass es kleine Betriebe immer schwerer haben würden.

Hinzu kämen die immer mehr werdenden Betriebsvoraussetzungen wie Computerkassen für jede Filiale. „Wir hatten gerade erst auf ein modernes System umgestellt. Und als wir 2018 nochmals 12.000 Euro für TSE-fähige Computerkassen in die Hand nehmen sollten, haben wir unseren Verkaufsraum in Dunum sowie die Filialen in Wittmund und Ardorf geschlossen“, erzählt Karin Ammen. Sich danach neben der WfbM-Belieferung auf das einzige Geschäft in Esens zu konzentrieren, sei aber der richtige Schritt gewesen.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
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