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Handwerksbetrieb in Wittmund Bäckerei Heeren macht sich mit ihrem Schwarzbrot einen Namen

Bäckermeister Johann Heeren mit Gesellen und Lehrlingen und dem pferdbespannten Auslieferungswagen (um 1920).

Bäckermeister Johann Heeren mit Gesellen und Lehrlingen und dem pferdbespannten Auslieferungswagen (um 1920).

Bernd-Uwe Janssen

Wittmund - Genau 86 Jahre lang bestand die Bäckerei von Johann Heeren an der Drostenstraße in Wittmund. Das Gebäude ist nach dem Abbruch des Geschäftshauses an der Ecke zur Burgstraße stehen geblieben. Heerens Urenkel Bernd-Uwe Janssen hat die Geschichte dieses Handwerksbetriebs aufgeschrieben.

Johann Heeren (1881–1954) wuchs mit der Gastwirtschaft seiner Eltern, „Zur Vereinigung“ (vorher „Karmelkskroog“) auf. Nach Ausbildung, Gesellenjahre und Prüfung zum Bäckermeister wollte er in die berufliche Selbstständigkeit starten und erwarb zum 1. Mai 1905 das Haus Drostenstraße 6 von Bäcker Lambertus Otten. Das Geschäfts- und Wohnhaus, so vermutet Bernd-Uwe Janssen, dürfte vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Gründerzeit gebaut worden sein. Auch Ehefrau Elisabeth arbeitete in der „Bäckerei & Conditorei Heeren“; zum Team gehörten einige Bäckergesellen und Verkäuferinnen.

Backen mit Torf

1914 bis 1919 diente Johann Heeren als Soldat im Ersten Weltkrieg und kam schließlich in Kriegsgefangenschaft. Daher wurde der Handwerksbetrieb in dieser Zeit von seiner Frau sowie den Bäckergesellen und -lehrlingen weitergeführt. Der Backofen wurde mit Torf beheizt; auf die Backfläche kamen die Brotlaibe in der Reihenfolge Graubrot, Weißbrot und Brötchen; danach folgte Kuchen. Um Schwarzbrot zu backen, heizten die Bäckergesellen den Backofen anschließend nochmals mit Torf auf. „Das Schwarzbrot musste mehrere Stunden lang backen und wurde erst am Nachmittag aus dem Ofen geholt“, berichtet Janssen. Die Schwarzbrot-Laibe von zehn Pfund (fünf Kilogramm) Gewicht galten als eine Art Grundnahrungsmittel für die Bevölkerung in Wittmund und Umgebung.

Der Landbevölkerung bot der begeisterte Klootschießer Heeren die Ware mittels eines pferdbespannten Auslieferungswagens. Die Aufschrift „Bäckerei mit Kraftbetrieb“ auf dem Wagen verdeutlichte bereits um 1920, dass die Knetmaschinen für die Teigherstellung mit Elektromotoren betrieben wurden. Auch der Sohn Johann Albrecht Heeren (Jahrgang 1912) widmete sich dem Bäckerhandwerk. Nach Bäckerlehre und Gesellenprüfung besuchte er 1931 und 1932 die Staatliche Fachschule für Nahrungsmittelgewerbe in Hamburg, wo er sich zum Konditor ausbilden ließ.

Umzug in neues Haus

Im Jahr 1929 kaufte Johann Heeren, der 1945 bis 1954 als Obermeister der Bäckerinnung Wittmund wirkte, das benachbarte Haus Drostenstraße 8 von Sattler Christian Eichenbaum und ließ das Gebäude 1939 durch einen Neubau ersetzen. Im Erdgeschoss entstanden Verkaufsraum und Café, hinten die Konditorei und Bäckerei. Im Obergeschoss befanden sich die Wohnung der Familie; Schlafräume für Gesellen und Hausmädchen gab es im Dachgeschoss. In der Bäckerei wurde ein Stahl-Skelett-Backofen mit mehreren Etagen eingebaut. Die Beheizung erfolgte durch eine Heizungsanlage – zunächst mit Koksfeuerung, später mit Heizöl. Im ehemaligen Bäckerei-Gebäude Drostenstraße 6 richtete Bernhard Janssen sein Geschäft für Eisen- und Haushaltswaren ein.

Johann Heeren jun., der inzwischen seine Konditormeisterprüfung abgelegt hatte, übernahm 1941 den Familienbetrieb. Die Zeit des Zweiten Weltkrieg forderte einen hohen Arbeitseinsatz in der Bäckerei: Das Team musste in zwei Schichten backen, um neben der Bevölkerung auch die in der Umgebung von Wittmund stationierten Soldaten und zivilen Arbeitskräfte versorgen zu können: im Fliegerhorst Wittmundhafen (Luftwaffe), Marine-Torpedolager Hohehahn, 30. Schiffsstammabteilung der Marine im Lager West sowie die Organisation Todt im Lager Nord.

Johann Heeren jun. wurde als Soldat eingezogen, obwohl die Bäckerei als Versorgungsbetrieb für die Bevölkerung „kriegswichtig“ war. Er fiel am 15. August 1944 in Russland; Witwe Martha Heeren führte die Bäckerei mit Unterstützung ihres Schwiegervaters weiter.

Enkel springt ein

Im Jahr 1945 kehrte Johann Heerens Enkel Herbert Janssen 19-jährig frühzeitig aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück; während des Transports in die britische Kriegsgefangenschaft konnte er im Raum Salzwedel aus dem Zug fliehen. Witwe Martha Heeren hatte mittlerweile den Bäcker Jacobus Eden geheiratet, dessen Sohn Dirk in Jever eine Bäckerei übernahm.

Herbert Janssen entschied sich auf Drängen von Eltern und Großvater, die Bäckerei zu übernehmen. Er absolvierte ab 1946 eine Bäckerlehre und legte 1950 in Aurich die Meisterprüfung ab. Er heiratete 1951 Anke Gralfs aus Jever und übernahm den Handwerksbetrieb 1953.

Das Schwarzbrot der „Bäckerei & Konditorei Heeren“ wurde zum Schlager. Bauern vom Lande kauften gleich mehrere Zehnpfünder, um ihre Familien und Mitarbeiter mit dem nahrhaften Brot zu versorgen. Daneben wurden täglich Graubrot und Weißbrot hergestellt. Nur zum Wochenende gab es „Krintstuut“ (Rosinenbrot) und „gutes Weißbrot“ (gesüßt). Im Angebot waren außerdem fünf Sorten Brötchen. Herbert Janssen ließ den Laden 1959 umbauen und ein Vordach installieren. Das Café erhielt neues Mobiliar.

Geschichte endet 1991

Die Backstube wurde 1961 erweitert, um Platz für einen neuen mit Heizöl betriebenen Backofen zu bekommen. Zudem modernisierte Janssen die Ladeneinrichtung erneut. Ende der 1960er-Jahre kam ein Tchibo-Kaffeedepot hinzu. Im Ruhestandsalter angekommen stellte Herbert Janssen den Betrieb der Bäckerei Heeren Ende August 1991 ein. Bald danach eröffnete Bäckermeister Ubbo Lorenz aus Victorbur hier neu.

Detlef Kiesé
Detlef Kiesé Redaktion Wittmund
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